Littrow

Littrow

Littrow, 1) Joh. Jos. von L., geb. den 13. März 1781 zu Bischof-Teinitz in Böhmen, studirte. seit 1799 in Prag Jurisprudenz, Medicin, Naturphilosophie u. Theologie, ohne sich dauernd für ein besonderes Fach zu bestimmen, diente 1802 einige Monate in der vom Erzherzog Karl errichteten Böhmischen Legion, wurde 1803 Erzieher der beiden jungen Grafen Renard in Schlesien, widmete sich dort Anfangs der Schönen Literatur, dann der Mathematik u. Astronomie u. erhielt 1807 die Professur der Astronomie in Krakau, wurde später Professor der Astronomie in Kasan u. gründete die dortige Sternwarte; 1816 wurde er zweiter Director der Sternwarte in Ofen u. 1819 Professor der Astronomie in Wien u. erster Director der dasigen Sternwarte, welche er vollständig reorganisirte. 1837 wurde er in den österreichischen Adelsstand erhoben u. st. den 10. Novbr. 1840 in Wien. Er erfand die dialytischen Fernröhre u. schr.: Darstellung der Sonnenfinsternisse, Pesth 1820; Theoretische u. praktische Astronomie, Wien 1821–27, 2 Bde.; Elemente der Algebra u. Geometrie, ebd. 1823; Über Höhenmessung durch Barometer, ebd. 1823; Populäre Astronomie, ebd. 1825; Kalenderiographie, ebd. 1828; Berechnung der Lebensrenten, ebd. 1829; Vorlesungen über Astronomie, ebd. 1830, 2 Bde.; Dioptrik, ebd. 1830; Gnomonik, ebd. 1831, 2. Aufl. 1838; Über Lebensversicherungen u. Versorgungsanstalten, ebd. 1832; Vergleichung der vorzüglichsten Maße, Gewichte u. Münzen, ebd. 1832, 2. Aufl. 1834; Über den Kometen des Jahres 1832, ebd. 1832, 2. Aufl. 1835;[439] Wahrscheinlichkeitsrechnung, ebd. 1833; Chorographie, ebd. 1833; Über die Sterngruppen u. Nebelmassen des Himmels, ebd. 1835; Geschichte der Entdeckung der allgemeinen Gravitation, ebd. 1835; Die Doppelsterne, ebd. 1835; Die Wunder des Himmels, Stuttg. 1836, 3 Bde., 4. Aufl. ebd. 1854; Kurze Anleitung zur gesammten Mathematik, Wien 1838; Atlas des gestirnten Himmels, Stuttg. 1839, 2. Aufl. ebd. 1854; gab die Annalen der K. K. Sternwarte in Wien heraus, Wien 1821–39, 18 Bde., Fol. 2) Karl Ludwig von von L., ältester Sohn des Vor., geb. den 18. Juli 1811 in Kasan, wurde 1831 Adjunct an der Sternwarte in Wien u. 1842 Director derselben. 1847 wurde er nebst W. Struve (dieser von russischer Seite) zum Beurtheilungscommissar über den trigonometrischen Anschluß von Rußland u. Österreich ernannt; er setzte die Annalen seines Vaters fort u. gab heraus: Airy's Abriß einer Geschichte der Astronomie im Anfange des 19. Jahrh., Wien 1835; Populäre Geometrie, Stuttg. 1839, u.a.m. 3) Heinrich von L., Bruder des Vor., geb. den 28. Jan. 1820 in Wien, trat 1835 in das kaiserliche Marinecollegium zu Venedig, absolvirte dann in Wien die höhere nautische Astronomie u. besuchte am Bord von Kriegsschiffen die Küsten Kleinasiens, Afrikas, Spaniens, Frankreichs u. Englands; er wurde 1846 Professor der Mathematik u. Deutschen Literatur am Marinecollegium in Venedig, ging beim Ausbruch der Revolution 1848 nach Triest u. leistete hier beider Reorganisation der österreichischen Flotte u. bei der Blockade Venedigs 1849 wesentliche Dienste; diente dann bei verschiedenen Missionen auf Kriegsschiffen im Adriatischen u. Mittelmeere als Commandant, wurde 1858 Fregattencapitän u. Director der Handels- u. Nautischen Akademie in Triest u. erhielt bei Eröffnung des Italienischen Feldzugs 1859 eine Mission im Hauptquartier der operirenden Armee. Er schr.: Marinewörterbuch, 1851; Das praktische Schiffsmanöver, 1852; Die Signaltaktik u. der Marinetelegraph, 1853; Handbuch der Seemannschaft, 1858; Aus der See (Gedichte), 1859, 3. A. 1860; auch vervollkommnete er die Seekarten des Adriatischen u. Mittelmeeres u. führte die Schichten- u. plastischen Pläne (Darstellung der unterseeischen Bilder) von verschiedenen Punkten der Küste aus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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