Rüstow

Rüstow

Rüstow, ein altes niedersächsisches Geschlecht, welches sich bereits im 12. Jahrh. zur Zeit Heinrichs des Löwen in Pommern niederließ u. dort zur reichsfreiherrlichen u. reichsgräflichen Würde gelangte. Aus demselben sind namentlich in neuester Zeit drei Brüder als Militärschriftsteller berühmt geworden: 1) Wilhelm, geb. 1821 in der Mark Brandenburg, trat 1838 in preußische Militärdienste, wurde 1840 Lieutenant im Ingenieurcorps, stand als solcher 1848 in Posen, schrieb dort die Brochüre Der deutsche Militärstaat vor u. während der Revolution, wegen deren er verhaftet u. vor ein Kriegsgericht gestellt wurde, worauf er im Juni 1850 nach der Schweiz flüchtete u. sich in Zürich niederließ. Dort beschäftigte er sich anfangs ausschließlich militärischliterarisch, hielt darauf auch militärwissenschaftliche Vorlesungen an der Universität Zürich, nahm seit 1853 als Instructor an den größeren Truppenzusammenziehungen Theil, wurde 1856 Major im eidgenössischen Generalstab u. lebte seitdem vorzugsweise in der Gemeinde Riesbach bei Zürich, bis er im August 1860 als Obrist u. Generalstabschef zu Garibaldi nach Sicilien ging, im Sept. u. Oct. auch am Feldzug auf dem neapolitanischen Festland theilnahm u. nach dem Fall von Capua (Novbr. 1860) nach der Schweiz zurückkehrte. Er schr.: Die Geschichte des griechischen Kriegswesens, Aarau 1852 (mit Köchly); Suppl. dazu 1854 f.; Der Krieg von 1805 in Deutschland u. Italien, Frauenfeld 1854, 2. A. 1859; Heerwesen u. Kriegsführung C. Julius Cäsars, Gotha 1855; Anhang hierzu: Einleitung zu Cäsars Commentarien über den Gallischen Krieg (mit Köchly), ebd. 1857; Der Angriff auf die Krim u.- der Kampf um Sewastopol, Frauenfeld 1850; Der Krieg gegen Rußland[627] (Krimfeldzug), Zürich 1853 f., 2 Bde.; Der Italienische Krieg von 1859, ebd. 1859, 3. A. ebd. 1860; Geschichte des ungarischen Insurrectionskrieges von 1848 u. 1849, ebd. 1860; Der Italienische Krieg von 1860, ebd. 1861, 2 Bde.; Erinnerungen aus dem Italienischen Krieg von 1860, ebd. 1861, 2 Bde.; Die Feldherrenkunst des 19. Jahrh., Zürich 1857; Die Geschichte der Infanterie, Gotha 1857 f., 2 Bde.; Militärische Biographien, Zürich 1858; Die Lehre von der Anwendung der Verschanzungen, Frauenfeld 1853; Untersuchungen über die Organisation der Heere, Bas. 1855; Taktik der verbundenen Waffen, Düsseld. 1855; Allgemeine Taktik nach dem Standpunkte der heutigen Kriegsführung, Zürich 1858; Anleitung zu den Dienstverrichtungen im Felde, Basel 1855; Der Krieg u. seine Mittel, Lpz. 1856; Die Lehre von dem neueren Festungskrieg, Lpz. 1860; H. v. Bülows Militärische u. vermischte Schriften, Lpz. 1853; Militärisches Handwörterbuch, Zürich 1859; Die Wahrheit über den preußischen Militärgesetzentwurf, Nördl. 1860. 2) Alexander, Bruder des Vor., geb. 1824; trat 1842 in die preußische Artillerie, ging 1849 in schleswigholsteinsche Dienste, wurde dort Batteriechef, kehrte 1852 in die preußische Armee zurück u. wurde später Hauptmann im 8. Artillerieregiment; er schr.: Der Küstenkrieg, Berl. 1849. 3) Cäsar, Bruder des Vor., geb. 1826; wurde im preußischen Cadettencorps gebildet, trat 1843 als Offizier in die Infanterie, wurde dann zur königlichen Gewehrfabrik nach Suhl commandirt, deren Commission er eine Zeitlang präsidirte, u. später, nachdem er mittlerweile zum Hauptmann avancirt war, Lehrer der Taktik an der Kriegsschule zu Erfurt; er schr.: Leitfaden durch die Waffenlehre, Erfurt 1852, 2. A. 1855; Das Miniégewehr, Berl. 1855; Die Kriegshandfeuerwaffen, ebd. 1857.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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