Thorn

Thorn

Thorn, 1) Kreis des Regierungsbezirks Marienwerder in der preußischen Provinz Preußen, 20,5 QM., 55,750 Ew.; 2) Kreisstadt u. Festung dritten Ranges (mit 8 Bastionen u. der Eckbastion Jungfernschanze, 3 Ravelins u. Lünetten, jenseit der Weichsel mit Hornwerk als Brückenkopf, auf der Insel Bazar Kempe ein Fort) darin, rechts an der Weichsel, mit hölzerner Brücke, besteht aus der alten u. neuen Stadt; ist Sitz des Landraths, Kreisgerichts, der Commandantur, Hauptzoll-, Post-, Telegraphenamt, Bankcommandite, Handelskammer, hat ein großes Schloß (1260 erbaut, 1420 durch die Bürger zerstört), 5 Kirchen (Johanniskirche mit dem Epitaphium des Copernicus), Gymnasium, Militärlazareth, Stadtkrankenhaus, Denkmal des Copernicus, Rathhaus aus dem 14. u. 16. Jahrh., schiefer Thurm, Fabriken von Tuch, Hüten, Seife, Stärke, Maschinen, Tabak, Pfefferkuchen, Leder; Steckrübenbau, Getreide- u. Holzhandel, Schifffahrt; Freimaurerloge: Bienenkorb; hat 14,000 Ew. (darunter 1875 M. Militär). – T. wurde 1231 von dem Landmeister Hermann Balk gegründet u. mit Deutschen, bes. Westfälern, bevölkert; bereits 1232 erhielt sie ihre Privilegien (Culmer Handveste) u. wurde 1263 Glied der Hansa. 1410 belagerten die Polen T. u. stürmten dreimal vergebens. Hier 1411 Friede zwischen Wladislaw von Polen u. Lithauen einer-, u. dem Deutschen Orden anderseits, s. Preußen S. 524. 1439 wurde T. wieder von den Polen vergebens belagert. 1454 empörte sich T. mit dem Landadel gegen den Deutschen Orden u. vertrieb die Ritter aus der Burg, worauf sich die Stadt dem König Casimir von Polen ergab; es kam zu dem zweiten Frieden von T. am 19. Oct. 1466, worin der Orden die Hälfte des Landes mit T. abtrat u. die andere Hälfte von Polen in Lehn nahm. 1557 nahm die Stadt die Lutherische Lehre an. 1595 hier Generalsynode der evangelischen Parteien, deren Conclusiones dem Consensus Poloniae von 1570 beigefügt wurden. 1629 schlugen die Einw. einen Sturm der Schweden unter Wrangel ab. 18. Aug. bis 21. Nov. 1645 Colloquium caritativum (Thorner Religionsgespräch) zwischen den katholischen, lutherischen u. reformirten Theologen wegen Verföhnung[544] der drei Confessionen, aber das Gespräch verfehlte seinen Zweck; doch wurde die aus diesem Gespräch hervorgegangene Declaratio thoruniensis ein symbolisches Buch für die reformirt-brandenburgische Kirche. 1655 eroberte Karl Gustav von Schweden T., mußte es aber nach langer Belagerung durch die Brandenburger u. Polen im December 1658 wieder verlassen. Unter Karl XII. ward T. 1703 belagert, zur Capitulation genöthigt u. geschleift. Bei der Frohnleichnamsprocession 1724 waren mehre Protestanten von einem Schüler des Jesuitencollegiums, welcher sie zum Niederfallen zwingen wollte, beleidigt worden; er wurde von den Stadtbehörden verhaftet, aber gegenseitig verhafteten die Jesuiten einen deutschen Studenten; darüber kam es zum Tumult, wobei das Jesuitenkloster gestürmt u. verwüstet wurde. Die Polen sprachen nun das Urtheil, daß der Stadtpräsident Rösner nebst 9 Personen enthauptet werden, der Magistrat künftig zur Hälfte aus Katholiken bestehen, die Hauptkirche den Katholiken übergeben, das evangelische Gymnasium aber 1 Meile von der Stadt verlegt werden solle, welches Urtheil auch den 7. December vollstreckt wurde (Thorner Blutbad). T. kam durch die zweite Theilung Polens 1793 an Preußen. Bei dem Vordringen der Franzosen 1807 erhielt der preußische General Lestocq Befehl T. zu räumen, u. die Franzosen befestigten es sogleich u. schlugen es zum Großherzogthum Warschau; 1813 mußte es, nachdem es vom russischen General Oppermann mit russischen u. preußischen Truppen eingeschlossen war, nach siebentägiger Beschießung capituliren. 1815 kam es wieder an Preußen u. spielte in dem polnischen Insurrectionskrieg 1831 als stiller Waffenplatz der Russen eine nicht unwichtige Rolle. T. ist Geburtsort des Copernicus. Vgl. Wernicke, Geschichte T-s, Thorn 1842, 2 Bde. 3) (Altthorn), Dorf dabei, rechts an der Weichsel, wo die Stadt vor 1255 stand, als sie an der jetzigen Stelle aufgebaut wurde; 200 Ew. 4) Marktflecken an der Itteren im Bezirk Roermond der niederländischen Provinz Limburg; 1160 Ew.; bis 1797 war hier eine Frauenabtei (sonst gefürstet u. zum Deutschen Reiche gehörig).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Thorn — has several meanings:* Thorn, a sharp structure on plants * Thorn tree * Common hawthorn, Crataegus monogyna * Thorn (letter) (Þ, þ), a letter in the Anglo Saxon and Icelandic alphabets * Thorn (rune) (runic|ᚦ), the name of the th rune in the… …   Wikipedia

  • Thorn — als Ortsname: die ehemals preußische Stadt Thorn, heute Toruń in Polen, dazu Landkreis Thorn, preußisch deutscher Landkreis zwischen 1818 und 1945 Woiwodschaft Thorn ,1975–1998 Bistum Thorn, (lat.: Dioecesis Thoruniensis, poln.: Diecezja… …   Deutsch Wikipedia

  • Thorn — Thorn, n. [AS. [thorn]orn; akin to OS. & OFries. thorn, D. doorn, G. dorn, Dan. torn, Sw. t[ o]rne, Icel. [thorn]orn, Goth. [thorn]a[ u]rnus; cf. Pol. tarn, Russ. tern the blackthorn, ternie thorns, Skr. t[.r][.n]a grass, blade of grass. [root]53 …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Thorn — (poln. Torun), Stadt (Stadtkreis) im preuß. Regbez. Marienwerder, Festung ersten Ranges, an der Weichsel, über die hier eine 1000 m lange Eisenbahnbrücke führt, 35 m ü. M., hat alte, vom Deutschen Orden erbaute Ringmauern, 6 evangelische und 3… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • thorn´i|ly — thorn|y «THR nee», adjective, thorn|i|er, thorn|i|est. 1. full of thorns or spines; spiny; prickly: »He scratched his hands on the thorny bush …   Useful english dictionary

  • thorn|y — «THR nee», adjective, thorn|i|er, thorn|i|est. 1. full of thorns or spines; spiny; prickly: »He scratched his hands on the thorny bush …   Useful english dictionary

  • Thorn — Thorn, v. t. To prick, as with a thorn. [Poetic] [1913 Webster] I am the only rose of all the stock That never thorn d him. Tennyson. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • thorn — O.E. þorn sharp point on a stem or branch, earlier thorny tree or plant, from P.Gmc. *thurnuz (Cf. O.S. thorn, Du. doorn, O.H.G. dorn, Ger. Dorn, O.N. þorn, Goth. þaurnus), from PIE *trnus (Cf. O.C.S. trunu thorn, Skt …   Etymology dictionary

  • thorn — [thôrn] n. [ME < OE, akin to Ger dorn < IE * (s)ter , prickly plant (< base * ster , to be stiff) > Gr ternax, cactus stem] 1. a) a very short, hard, leafless branch or stem with a sharp point b) any small tree or shrub bearing thorns …   English World dictionary

  • thorn — [θo:n US θo:rn] n [: Old English;] 1.) a sharp point that grows on the stem of a plant such as a rose 2.) [U and C] a bush or tree that has thorns ▪ a long, low hedge of thorns 3.) a thorn in sb s side someone or something that annoys you or… …   Dictionary of contemporary English

  • thorn — ► NOUN 1) a stiff, sharp pointed woody projection on the stem or other part of a plant. 2) a thorny bush, shrub, or tree. 3) an Old English and Icelandic runic letter, þ or Þ, eventually superseded by th. ● a thorn in someone s side (or flesh) Cf …   English terms dictionary

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