Mohl

Mohl

Mohl 1) Benjamin Ferdin. von M, geb. 1766, gestorben 1845 als Oberconsistorialpräsident, Staatrath u. Mitglied der ersten württembergischen Kammer; 2) Robert v. M., Sohn des Vorigen, geb. am 17. Aug. 1799 in Stuttgart, studirte 1817 bis 1821 in Tübingen u. Heidelberg, wurde Professor der Rechte, 1827 Professor der Staatswissenschaften u. 1836 Oberbibliothekar in Tübingen. Wegen eines politischen Zerwürfnisses mit der württembergischen Regierung, in dessen Folge er als Regierungsrath nach Ulm versetzt werden sollte, trat M. 1845 aus dem Staatsdienst, wurde dagegen zum Abgeordneten der zweiten Kammer gewählt. 1847 wurde er Professor der Rechte in Heidelberg, 1848 Mitglied des Vorparlaments in Frankfurt u. dann der Nationalversammlung. Nach dem Austritte Hekschers aus dem Reichsministerium übernahm M. am 25. Sept. 1848 das Portefeuille der Justiz, trat aber, als der Reichsverweser die Vorschläge des Ministeriums zur Durchführung der Reichsverfassung verwarf, mit allen seinen Amtsgenossen zurück, kehrte auf seinen Lehrstuhl nach Heidelberg zurück u. wurde 1857 von der dortigen Universität zum Mitglied der ersten badischen Kammer erwählt. Er schr. u.a.: Staatsrecht des Königreichs Württemberg, Tüb. 1829, 2. A. 1840; Polizeiwissenschaft nach den Grundsätzen des Rechtsstaates, ebd. 1832–34, 3 Bde., 2. A. 1844 f.; Die Ministerverantwortlichkeit in Einherrschaften mit Volksvertretung, ebd. 1837; Geschichte u. Literatur der Staatswissenschaften, Erl. 1855; Staatsrecht, Völkerrecht u. Politik (Sammlung von Monographien, Tüb. 1860. 3) Julius von M., Bruder des Vorigen, geb. 1800 in Stuttgart, studirte Theologie in Tübingen u. seit 1823 in Paris die Asiatischen Sprachen, wurde 1826 Professor der Orientalischen Literatur zu Tübingen, lebte aber bis 1831 abwechselnd auch in London u. Oxford; da er 1832 von der französischen Regierung den Auftrag erhielt, den Schah-Nameh von Firdusi für die Collect;on orientale zu bearbeiten, so legte er seine Stelle in Tübingen nieder, wurde 1830 Professor am Collège de France in Paris u. 1852 Inspector des orientalischen Druckes in der kaiserlichen Druckerei. Er gab heraus: Schi-king, Stuttg. 1830; Y-king, ebd. 1834–1839, 2 Bde.; Schah-Nameh, Par. 1838 ff.; mit Olshausen Fragments relatiss à la religion de Zoroastre, Par. 1829. 4) Moritz, Bruder des Vorigen, geb. 1802 in Stuttgart, studirte Staatswirthschaft in Tübingen, wo er eine gekrönte Preisschrift über dic Mittel zur Beförderung der Gewerbe in Württemberg schrieb, besuchte die landwirthschaftliche Anstalt in Hohenheim u. wurde 1826 Referendar im württembergischen Finanzministerium, nach Gründung des süddeutschen Zollverbandes Assessor bei der württembergischen Oberzollverwaltung u. 1831 [350] Assessor der Finanzkammer in Reutlingen. Er hielt sich darauf fünf Jahre lang in Frankreich auf, um die wirthschaftlichen Zustände u. das Schulwesen dieses Landes kennen zu lernen. Heimgekehrt, war er 1841 Obersteuerrath in Stuttgart. Er wohnte 1848 dem Vorparlament bei, wurde in die Nationalversammlung gewählt, wo er zu der gemäßigten Linken gehörte, u. gab seine Anstellung auf. Auch wurde er zum Mitglied der zweiten Kammer in Württemberg gewählt u. saß damals u. nach den immer wiederholten Wahlen auf der Seite der Opposition. Er schr.: Aus den gewerbswissenschaftlichen Ergebnissen einer Reise in Frankreich, Stuttg. 1845; Über ein Bundesgericht u. das Bundesgesetzgebungsrecht, ebd. 1860. 5) Hugo, Bruder der Vorigen, Professor der Botanik u. Director des Botanischen Gartens in Tübingen; er schr.: Über den Bau u. das Winden der Ranken u. Schlingpflanzen, Tüb. 1827 (Preisschrift); Über die Poren des Pflanzenzellgewebes, ebd. 1828; De palmarum structura, Münch. 1831, Fol.; Über den Bau des Cycadeenstammes, ebd. 1832; De structura caudicis filicum arbor., ebd. 1832; Beiträge zur Anatomie u. Physiologie der Gewächse, Bern 1834, 1. Heft; Über die Verbindung der Pflanzenzelle, Tüb. 1835; Über die Lenticelle, ebd. 1836; Anatomische Untersuchungen über die porösen Zellen vom Sphagrum, ebd. 1837; Über die anatomischen Verhältnisse des Chlorophyll, ebd. 1837; Über die winterliche Färbung der Blätter, ebd. 1837; Mikrographie od. Anleitung zur Kenntniß u. zum Gebrauch des Mikroskops, ebd. 1846; Grundzüge zur Anatomie u. Physiologie der vegetabilischen Zelle, Braunschw. 1851.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Mohl — ist der Familienname folgender Personen: Anna von Mohl (1834–1899), deutsche Salonnière, Ehefrau von Hermann Helmholtz Benjamin Ferdinand von Mohl (1766–1845), württembergischer Innenminister, Landtagsabgeordneter Ernst von Mohl (1949 1929),… …   Deutsch Wikipedia

  • Mohl — is a surname and may refer to: Hugo von Mohl (1805 1872), German botanist Julius von Mohl (1800 1876), German orientalist Ottmar von Mohl (1846 1922), German diplomat Robert von Mohl (1799 1875), German jurist See also Mol (disambiguation) Moll… …   Wikipedia

  • Möhl — ist der Name von Arnold von Möhl (1867–1944), deutscher Offizier Valentin Möhl (1767–1844), deutscher Politiker Werner Möhl (* 1927), deutscher Politiker Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur …   Deutsch Wikipedia

  • Mohl — Mohl,   Robert von (seit 1837), badischer Staatsrechtslehrer und Politiker, * Stuttgart 17. 8. 1799, ✝ Berlin 4. 11. 1875; 1824 45 Professor für Staatsrecht in Tübingen, seit 1847 in Heidelberg. 1846 wurde er in die zweite badische Kammer gewählt …   Universal-Lexikon

  • Mohl — Mohl, 1) Robert von, Staatsrechtslehrer und Staatsmann, geb. 17. Aug. 1799 in Stuttgart, gest. in der Nacht vom 4. zum 5. Nov. 1875 in Berlin, Sohn des Oberkonsistorialpräsidenten und Staatsrats Ferdinand Benjamin v. M. (geb. 4. Jan. 1766, gest.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Mohl — Mohl, Rob. von, Staatsrechtslehrer, geb. 17. Aug. 1799 zu Stuttgart, 1847 Prof. zu Heidelberg, 1848 49 Reichsjustizminister, 1821 bad. Gesandter beim Bundestage, 1867 in München, 1871 Präsident der Oberrechnungskammer in Karlsruhe, seit 1874… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Mohl [1] — Mohl, Robert von. geb. 1799 zu Stuttgart, Professor des Staatsrechts in Tübingen, sollte unter dem Ministerium Schlayer wegen einer Erklärung bei seiner Bewerbung um eine Abgeordnetenstelle als Regierungsrath nach Ulm gehen, verließ aber den… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Mohl [2] — Mohl, Julius, Bruder des Vorigen, geb. 1800, Orientalist, seit 1845 Professor des Persischen am Collège de France zu Paris und Inspector des orientalischen Drucks in der königl. (jetzt kaiserl.) Druckerei, bekannt als Herausgeber des Schahname… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Mohl [3] — Mohl, Hugo, Bruder des Vorigen, geb. 1801, ist Professor der Botanik zu Tübingen, zugleich Director des botanischen Gartens. M.s Verdienste um die Botanik betreffen hauptsächlich die Physiologie der Pflanzen. Hauptschriften: »Ueber die Poren des… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Mohl [4] — Mohl, Moritz, Bruder des Vorigen, geb. 1802, 1841 Obersteuerrath, 1848 u. 1849 Mitglied des deutschen Parlaments, seitdem auch bei der württemb. Deputirtenkammer, gehört der Linken an und hat den Staatsdienst verlassen. Ist als Publicist in… …   Herders Conversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”