Nachgeburt

Nachgeburt

Nachgeburt (Secundinae), die, einige Zeit nachdem das Kind geboren ist, abgehenden Eihäute desselben (s.u. Ei 1), mit Einschluß des durch dieselben gebildeten Mutterkuchens u. des Restes der Nabelschnur. Die Vorbereitung zu diesem Abgang durch die Nachgehurtswehen u. dieser Abgang selbst sind eben so wohl als ein eigener Vorgang, welcher der Geburt folgt, wie eine letzte Geburtsperiode anzusehen, weil hiermit erst die völlige Entbindung beendigt ist; s.u. Geburt 1). In der Regel treten die Nachgeburtswehen kurze Zeit nach dem Abgang des Kindes, noch in der ersten Viertelstunde ein; über den Schooßbeinen der Gebärenden ist der durch die Zusammenziehung der Gebärmutter hinabgedrängte Mutterkuchen als eine Kugel fühlbar; bei Erstgebärenden spritzt Blut in Menge mit einem Male, bei öfter schon Geschwängerten in Zwischenräumen aus den Geburtstheilen hervor, u. nach völliger Lösung des Mutterkuchens erfolgt dann der Abgang mit leichter Hülfe der Hebamme, od. auch ohne solche, unter noch eine Zeit lang anhaltender Blutung. Der Betrag der N. dem Gewicht nach ist etwas über 1 Pfund. Häufig aber verzögert sich auch der Abgang der N. stundenlang, dauert diese Verzögerung über einen halben Tag, so muß die N. auf geeignete Weise entfernt werden. Der gewöhnlichsten Veranlassung dieser Verzögerung, der Atonie der Gebärmutter, als Schwächezustande, wird am besten durch gelindes Reiben des Unterleibes auch schon zeitig begegnet. Künstliche Entfernung der N. muß eintreten bei einer ungewöhnlich starken Befestigung des Mutterkuchens durch einzelne sehnenartige Fasern, od. auch bei Einsackung desselben in der theilweise u. krampfhaft zusammengezogenen Gebärmutter; ferner wenn ein heftiger Blutfluß der Gebärmutter eintritt, dessen Stillung nicht eher zu erwarten ist, bis die von der N. befreite Gebärmutter sich mit aller Kraft zusammenziehen kann, etc. Die Herausbeförderung der N. wird durch die in die Gebärmutter eingeführte Hand bewirkt. Ist sie angewachsen, so muß sie zuvor losgeschält werden.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Nachgeburt — Nachgeburt, bei den Säugetieren die Eihäute mit dem Mutterkuchen und dem daran befindlichen Teil der Nabelschnur, so genannt, weil diese Teile bei der Geburt dem Austritte des Kindes nachfolgen. Durch die Verkleinerung der Gebärmutter nach der… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Nachgeburt — Nachgeburt, s. Geburt …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Nachgeburt — Nachgeburt, die Hüllen des Fötus, die nach der Geburt abgehen; s. Fötus und Geburt …   Herders Conversations-Lexikon

  • Nachgeburt — Nachgeburt, Placenta und Embryonalhüllen, die nach der Geburt bei den Placentatieren vom mütterlichen Organismus ausgestoßen werden …   Deutsch wörterbuch der biologie

  • Nachgeburt — ↑Plazenta …   Das große Fremdwörterbuch

  • Nachgeburt — Untersuchung der Nachgeburt Als Nachgeburt werden bei Säugetieren wie auch beim Menschen die nach der eigentlichen Geburt eines Jungtiers bzw. Kindes noch zu gebärenden Eihäute sowie der Mutterkuchen (lat. Plazenta) bezeichnet. Auch der Vorgang… …   Deutsch Wikipedia

  • Nachgeburt — Plazenta (fachsprachlich); Mutterkuchen (umgangssprachlich) * * * Nach|ge|burt 〈f. 20; Med.〉 1. Ausstoßung des Mutterkuchens nach der Geburt 2. der nach der Geburt ausgestoßene Mutterkuchen * * * Nach|ge|burt, die; , en: a) <Pl. selten> (be …   Universal-Lexikon

  • Nachgeburt — Bei dir haben sie wohl das Kind fortgeworfen und die Nachgeburt aufgezogen? Ausdruck spöttischen Mitleids und mitleidigen Spotts auf einen dummen Menschen; wohl berlinisch um 1900 aufgekommen; seit dem 1. Weltkrieg auch soldatensprachlich… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Nachgeburt, die — Die Nāchgebūrt, plur. die en, ein runder schwammiger breiter und dicker Körper, welcher aus Häuten, Blutgefäßen und einem zelligen Gewebe bestehet, sich mit der Frucht in der Mutter der menschlichen und thierischen Körper bildet, und vermittelst… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Nachgeburt — Na̲ch·ge·burt die; meist Sg; das Gewebe (die Plazenta usw), das nach der Geburt aus dem Bauch der Mutter kommt …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

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