Wasserorgel

Wasserorgel

Wasserorgel (Hydraulis, Organon hydraulicum), ein musikalisches Instrument früherer Zeiten, bestehend in einem Orgelgebläse, welches mit, durch Wasser comprimirter Luft intonirt wurde, wahrscheinlich eine Erfindung des alexandrinischen Mechanikers Ktesibios, welcher, von einer Idee Platons geleitet, an der bereits vorhandenen Windorgel des Archimedes statt des ledernen Schlauchs derselben festere Luftbehältnisse anbrachte u. der Luft durch das entgegendrückende Wasser ein Ziel setzte. Seine W. hatte ein Register u. wurde wie ein Clavier gespielt. Nach Vitruvius bestand die W. in einem kupfernen Kasten, welcher auf einem hölzernen Gestelle stand; in dem Kasten war eine metallene, durchlöcherte Platte, in deren Löcher die Pfeifen eingesetzt wurden; ferner waren darin drei kupferne Gefäße von verschiedener Größe zum Windfang angebracht, von denen das größere in der Mitte, die kleineren zu beiden Seiten desselben standen; alle drei aber waren durch krumme kupferne Röhren mit einander verbunden. Die beiden kleineren Gefäße waren Luftbehälter; in sie gingen durch den Deckel metallene Stifte, welche inwendig in ein kegelförmiges Gewicht eingriffen; außen waren auf den Stiften Figuren angebracht, welche, von einem unter dem Kasten befindlichen Hebel regiert, tanzten (Ara deorum tripudiantium). Durch das Auf- u. Niedersteigen jener Gewichte wurde Luft gemacht u. die zusammengepreßte Luft wurde nun durch die krummen Röhren aus den kleineren Gefäßen in das größere, worin sich Wasser befand, geleitet. In diesem größeren Gefäß war eine auf der einen Seite hohle Scheibe so angebracht, daß sie zwar auf u. nieder bewegt werden konnte, aber kein Wasser, durchließ; über der Scheibe war in der Mitte des Gefäßes eine Windröhre, welche an die obere Metallplatte anstieß. Drang nun die Luft in das größere Gefäß, so erhob sich die Scheibe, wurde aber durch das darüber liegende Wasser wieder zurückgedrückt, u. durch diesen Gegendruck der Luft u. des Wassers wurde die mittlere Luftröhre mit Luft angefüllt, welche durch den Windfang in die Pfeifen drang u. durch dieselben Töne hervorbrachte. Zur Zeit Nero's, welcher die W. sehr liebte, hatte man schon mehre Verbesserungen an der W. angebracht. Auch das Pedal an der W. wird schon frühzeitig erwähnt, vielleicht diente es aber nur, um die Luft in die kleineren Gefäße zu pumpen. Die Claves an der W. waren so groß, daß man sie mit Fäusten schlagen mußte, daher auch der Ton der W. sehr stark u. donnerähnlich gewesen sein soll. Erwärmtes Wasser soll bei der W. Gerbert (der nachherige Papst Sylvester II.) 997 zuerst angewendet haben. Nach der Behauptung der Juden soll David eine W. gehabt u. Salomo dieselbe wesentlich verbessert haben.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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