Zuaven

Zuaven

Zuaven, leichte französische Eliteinfanterie in türkischer Tracht. Nur die Offiziere haben europäische Tracht. Der glattgeschorene Kopf ist bedeckt mit einem weißen Turban mit rothem Kopfeinsatz u. gelber Quaste; die Uniform besteht aus kurzer, offener Jacke u. Weste von blauem Tuch, besetzt mit gelben Borden; die Beinkleider nach türkischem Schnitt, weit u. über den Knöcheln zusammengebunden, sind roth; Gamaschen von weißem Leder umschließen den Schuh. Um den Leib trägt der Zuave eine breite blaue Binde u. darüber einen schwarzen Ledergurt mit schiebbarer Patrontasche u. kurzem, breitem Haubajonnet, welches auf die Miniebüchse aufgesteckt werden kann. Gegründet wurde das Corps der Z. durch General Clauzel am 1. Oct. 1830 in Algerien, um seine Streitkräfte durch eine Abtheilung Eingeborner zu verstärken. Bald waren zwei Bataillone gebildet, unter französischen Offizieren u. Unteroffizieren, welche den Namen Z. (arabisch Zuaua) erhielten, nach einer Conföderation von Kabylenstämmen im Jurjuragebirge, welche sich den Ruf besonderer Tapferkeit erworben hatten. Bald mischte man jedoch Soldaten europäischer Abkunft unter das Corps, u. als trotz vielfacher tapferer Kämpfe unter französischer Führung 1839 die Mehrzahl der Eingebornen auf den Ruf Abd el Kaders desertirte, wurde die Truppe nun ganz aus Europäern, Freiwilligen, u. zwar bes. Kindern der großen Städte, Paris, Lyon etc. gebildet, während man die Eingebornen in besonderen Bataillonen als eingeborne Tirailleurs formirte. Die Z. hatten sich im Laufe der blutigen Feldzüge dieser Jahre immer in hervorragender Weise geschlagen u. einen Ruhm erlangt, daß sich auch mehr u. mehr Freiwillige aus andern Regimentern zum Eintritt bei ihnen meldeten. Bald hatte man daher ein drittes Bataillon gebildet. Sodann gab ein Decret vom 13. Febr. 1852 dem Corps der Z. abermals eine neue Formation: es wurden drei Regimenter, jedes zu drei Bataillonen gebildet. Und als diese Regimenter auch im Krimkriege 1854–56 ihren in Afrika erworbenen Ruf bethätigten, befahl Napoleon auch noch ein Gardezuavenregiment, zu zwei Bataillonen, zu errichten, so daß die ganze Truppe gegenwärtig aus 11 Bataillons besteht, von denen die Garde in Paris, die andern Bataillone aber in Afrika stehen. Auch im Feldzuge von 1859 haben die Z. wiederum neue Lorbeeren erworben. Viele der bekannten u. bedeutendsten Generale des neuen Kaiserreichs haben ihre Schule in dem Corps der Z. gemacht, so Lamoricière, Cavaignac, Leflo, St. Arnaud, Ladmirault u. A.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Zuaven — (franz. Zouaves, Zuaua), die Bewohner des Distrikts Zuaua (Zuavia), in der algerischen Provinz Konstantine, die wegen ihrer kriegerischen Tüchtigkeit in der Berberei als Mietsoldaten zu dienen pflegten. Nach der Eroberung Algiers 1830 behielt die …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Zuaven — Zuāven (eigentlich Zuauas), ursprünglich kriegerische Kabylenstämme der Prov. Constantine (Algerien), nach der franz. Eroberung eine aus Eingeborenen gebildete Infanterie, später durch Franzosen ergänzt, aber mit Beibehaltung der orient.… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Zuaven — Zuaven, franz. Infanteriecorps, in Algerien zuerst 1830 von Marschall Clauzel aus den kriegerischen Bewohnern des Bezirks Zuavia gebildet, europäisch bewaffnet, aber eigenthümlich orientalisch gekleidet, besteht jetzt größtentheils aus Franzosen …   Herders Conversations-Lexikon

  • Zuaven — Kriegsgefangene Zuaven im Ersten Weltkrieg unter deutscher Bewachung Zuaven nannten sich die Angehörigen historischer Infanterieeinheiten. Der Name geht auf den kabylischen Stamm der Zuauas im Distrikt Zuaua (Zuavia) in der algerischen Pr …   Deutsch Wikipedia

  • Zouave — Zuaven Polnische Zuave François Rochebrune (1863) Zuaven nannten sich die Angehörigen historischer Infanterieeinheiten. Der Name geht auf den kabylischen Stamm de …   Deutsch Wikipedia

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