Kamm

Kamm

Kamm, 1) (Haarkamm), Werkzeug, die Haare zu reinigen, in Ordnung zu bringen od. in die Höhe zu stecken. Man hat enge Kämme, auf zwei Seiten mit Zähnen versehen, sie dienen die Kopfhaut von Schuppen u. von Ungeziefer zu reinigen u. sind von Horn, Elfenbein od. Buchsbaum; weite Kämme (Auskämmekämme) zum Auskämmen des Haars; eine besondere Art, Frisirkämme, sind so eingerichtet, daß die eine Hälfte des K-s mit kleineren u. engeren Zähnen versehen ist; Einsteckkämme dienen, das lange Haar am Hinterkopf in Ordnung zu erhalten, sind halbmondförmig, von Horn, Messing od. Stahl; Chignonkämme dienen dazu, das am Hinterkopfe als Chignon od. Zopf in die Höhe geschlagene Haar fest zu halten, die Zinken sind lang, stark u. nach hinten zu etwas einwärts gebogen; meist von gebeiztem od. dunkelfarbenem Horn, Elfenbein, Elendsklaue, Schildkrot. In neuerer Zeit werden auch Kämme (sogen. Kautschukkämme) aus einer Masse von zwei Theilen Kautschuk u. einem Theil Schwefel verfertigt, welche Masse zu Blättern gewalzt u. erhitzt wird, wodurch sie eine elfenbeinartige Beschaffenheit erhält. Seitenkämme, welche das Haar an den Seiten des Kopfes glatt od. künstliche Locken fest u. in Ordnung halten, sind dünn, kurz u. nur wenig gebogen. Bartkämme, klein, zum Durchkämmen des Barts, meist von Messing. Über die Fabrikation der Kämme s.u. Kammacher. 2) (Landw.), so v.w. Riffelkamm u. Pferdekamm; 3) Werkzeug, die Fett- u. Waschwolle zu kämmen; in der Flachs-, Baum- u. Streichwollspinnerei der aus einer gezahnten Stahlschiene bestehende Theil der Kratzen (s.d.), welcher die Wolle von der Kammwalze abnimmt in Form einer dünnen u. nur lose zusammenhängenden Watte (Vließ od. Pelz); 4) am Webstuhl sämmtliche Schäfte, ferner das Blatt (Rietblatt) in der Lade (Rietkamm, Weberkamm); in der Drahtweberei am Siebmacherrahmen der dem Rietblatte zwar ähnliche, aber die Schäfte ersetzende Theil (Schiebkamm) u. am Haarlauf der ausschließlich zum Anschlagen dienende, also das Rietblatt ersetzende Theil (Haarlaufkamm); 5) Verbindung zweier, über einander liegender Balken, wobei in jeden Balken 11/2 Zoll tiefe Einschnitte gemacht werden. In den Einschnitt des einen paßt das stehen bleibende Holz des anderen Balken. Die Verkämmung (Aufkämmen, Einkämmen, Einhemmung) geschieht bes. bei Balkenlagen von Fachwerksgebäuden, wo in die Mauerlatten od. Rahmen Einschnitte (Kammfassen)[264] in der Breite des Balkens gemacht werden, in welchen das stehen bleibende Holz des Balkens liegt; befinden sich zwei Einschnitte im Balken u. der Mauerlatte, so sind dies doppelte Kämme. Die Ortbalken werden schwalbenschwanzförmig eingekämmt (Hakenkämme). 6) Mehrere einem Haarkamm durch Zinken ähnliche Werkzeuge, z.B. beim Böttcher ein sägeartig gezahntes, dickes Eisen, mit dem zum Theil die Kimme od. Gargel in die Fässer eingearbeitet wird; daher Gargelkamm od. Bodenkämmchen; 7) der oberste Theil eines Dinges, wenn er lang ausläuft; daher 8) K. eines Berges, der höchste Rücken eines Gebirges. Die mittlere Kammhöhe eines Gebirges ist der Durchschnittswerth der Höhe des K-es. Da die Pässe in jeder Hinsicht die wichtigsten Elemente eines Gebirges sind u. in ihnen der Verlauf des Gebirgsrückens am bestimmtesten hervortritt, so findet sich die Kammhöhe durch das arithmetische Mittel der Höhe der Pässe. Nach dem K. theilt man gewöhnlich die Gebirge ein in Hoch- od. Alpengebirge, wenn sie eine mittlere absolute Höhe von 5–7000 Fuß u. darüber haben (die höchsten über 10,000 Fuß nennt man wohl auch Riesengebirge) u. in Mittelgebirge, wenn sie 2–5000 Fuß hoch sind. 9) (Wasserb.), so v.w. Kapp: 2); 10) so v.w. Bär (Wasserb.); 11) (Kriegsw.), so v.w. Crète; 12) an den Pferden der obere Theil des Halses, an dem die Mähne ihren Anwuchs hat; 13) ein zwischen dem Nacken u. Buge genommenes Stück Fleisch; 14) (Gerb.), an einem Felle die Stelle des Rückens zwischen den Schulterblättern; 15) ein länglich hervorspringender Knochentheil, wie der mittlere Theil der Nasenknochen als Nasenkamm u.a., s. Crista 5); 16) (Pecten plicatum, Fächer), Theil des inneren Vogelauges, s. Auge 2) B), 17) der meist rothe Fleischlappen einiger hühnerartiger Vögel am Oberschnabel, bes. stark beim Männchen; wenn er in einer Rundung angewachsen ist, so heißt er Krone; 18) die Erhöhung, die einigen Eidechsenarten den Rücken hinabläuft, z.B. der Kammeidechse, od. auch Körpertheile am Unterleibe des Scorpions, bestehend aus 9–13 Zinken; es liegen ihrer zwei einander gegenüber; 19) (Jagdw.), der vordere Theil des Rückens bei einer Sau; 20) (lat. Crista), ein mehr od. minder leder- od. korkartiger, tiefgezähnter od. geschlitzter Flügel an der Spitze od. Naht einiger Blumenhüllen; 21) (Seew.), an der Raa, ein langer Holzstreifen od. eine Eisenstange mit Löchern, durch die man die Raabanden der Segel steckt, u. so das Segel mit dem oberen Leik an die Raa befestigt (anschlägt). 22) so v.w. Zahn eines Rades, wenn derselbe von Holz u. in den Radkranz eingesetzt u. in ihm befestigt ist; 23) (Schuhm.), der hintere obere Theil eines Leistens; 24) (Schloss.), so v.w. Bart; 25) (Landw.), so v.w. Jahn 1); 26) bei manchen Spielen, so bei manchen Kegelspielen, eine Reihe Striche; 27) der Theil, in welchem die auf Sägemühlen geschnittenen Breter unter sich zusammenhängen, wenn der Schnitt nicht bis an's Ende des Blockes geführt wird.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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