Glas [1]

Glas [1]

Glas, eine in der Glühhitze durch Schmelzung entstandene chemische Verbindung von Kieselsäure (in einigen Fällen auch Borsäure) mit verschiedenen Basen (Kali, Natron, Kalk, Magnesia, Thonerde, Bleioxyd, Zinnoxyd, Eisenoxydul etc.), welche eine amorphe, durchsichtige od. undurchsichtige, glänzende, spröde, je nach ihren Bestandtheilen farblose od. gefärbte Masse von muschligem Bruch u. einem specifischen Gewicht von 2,4–3,6 bildet. I. Eigenschaften des Glases. Den atmosphärischen Einflüssen widersteht das G. um so besser, je mehr es Kieselsäure enthält; Wasser u. Kohlensäure greifen besonders das an Basen reiche G. an, es bildet sich mit der Zeit an der Oberfläche solchen Glases ein weißer Überzug welcher die Regenbogenfarben[378] zeigt. Diese Erscheinung nennt man das Abstehen od. Erblinden des G-es u. tritt bes. bei Fensterscheiben in Ställen u. Treibhäusern, überhaupt an solchen Orten ein, wo das G. einer feuchten, warmen Atmosphäre ausgesetzt ist. Gutes G. wird von den meisten Säuren nicht merklich angegriffen, Fluorwasserstoffsäure zerstört aber jedes G., daher man sie zum Glasätzen anwendet. Ätzende Alkalien wirken bes. in der Wärme zersetzend auf das G., indem sie sich mit einem Theil der Kieselsäure verbinden. In starker Hitze wird das G. weich, läßt sich formen u. in dünne Fäden ausziehen, bei noch höherer Temperatur wird es flüssig. Die zum Schmelzen nöthige Temperatur hängt von den Bestandtheilen des G-es ab; je mehr es Blei enthält, desto leichter ist es schmelzbar, kalkhaltiges G. ist schwerer schmelzbar als solches, welches mehr Kali u. Natron enthält, u. Kaliglas schwerer schmelzbar als Natronglas; je mehr das G. Kieselsäure enthält, desto schwerer ist es schmelzbar, je mehr Basen, desto leichter schmelzbar. Erhitztes u. rasch abgekühltes G., bes. in dicken Stücken, wird in Folge der ungleichen Erkaltung außerordentlich spröd, die kleinsten Theilchen befinden sich in einer Spannung, welche bei der geringsten Veranlassung ein Zerspringen des G-es verursacht (s. Glasthränen). Réaumur fand, daß, wenn man schwer schmelzbares G. längere Zeit auf die Temperatur erhitzt, bei der es weich wird, ohne zu schmelzen, dasselbe weiß u. undurchsichtig wird, indem sich ein Theil der kieselsauren Verbindungen krystallinisch abscheidet; solches G. ist sehr hart, von faseriger Textur u. körnigem Bruch, es ist schwer schmelzbar u. gegen Temperaturveränderungen wenig empfindlich, man nennt es entglastes G. od. Réaumursches Porzellan; in Frankreich hat man Reibschalen, Mörser, Trichter u.a. chemische Geräthschaften daraus gefertigt.

II. Die Glasbereitung. A) Die Bereitung von G. u. die Herstellung gläserner Gegenstände erfolgt in der Glashütte, wo sich die verschiedenen a) Öfen befinden, nämlich Calcinir- od. Materieöfen zur Vorbereitung der zum Glasschmelzen nöthigen Materialien; Frittöfen zur Herstellung von Fritte; Anwärmeöfen zum Anwärmen der Schmelzgefäße; Schmelzöfen zum Schmelzen des G-es; Auslaufe- od. Strecköfen zum Strecken der Glastafeln; Kühlöfen zur allmäligen Erkaltung der fertigen Waaren. Die Schmelz- od. Glasöfen sind viereckig, rund od. oval, aus feuerfesten Ziegeln od. Sandstein erbaut u. so construirt, daß sie eine möglich hohe Temperatur erzeugen können. Über dem Feuerraum (Schüre) erhebt sich der Schmelzraum, welcher von einer od. zwei Seiten geheizt werden kann u. oben durch ein Gewölbe geschlossen ist; an den Seiten ringsum sind gemauerte Erhöhungen (Gefäß od. Bänke) angebracht, auf welchen die zum Schmelzen der Glasmasse bestimmten Gefäße (Glashäfen, s. unt.) stehen, deren ein Ofen 4–12 enthält. Die. Schürlöcher, zum Einbringen des Heizmaterials, werden mit einem Stein (Wandritz) ausgesetzt; über dem Schürloch ist das Tiegelloch, durch welches die Häfen eingesetzt werden u. welches nach jedesmaligem Gebrauch wieder vermauert wird. Über jedem einzelnen Hafen ist eine Öffnung in der Ofenmauer (Arbeitsloch), um die Materialien zum Schmelzen einzutragen u. das geschmolzene G. herauszunehmen; während des Schmelzens ist diese Öffnung durch eine thönerne Platte (Rauchkuchen) geschlossen. Vor dem Arbeitsloch befindet sich eine Erhöhung (Bühne, Ofenbrüche), auf welche der Arbeiter tritt; damit der Letztere vor der Hitze der benachbarten Arbeitslöcher geschützt ist, sind zu den Seiten der Bühne Mauern (Schirmmauern) errichtet, auch befindet sich im Inneren des Ofens zwischen je zwei Häfen eine Mauer (Zwischenschied). Die Feuerung geschieht in England u. Frankreich meist mit Steinkohlen, in Deutschland mit Holz, selten mit Torf u. Braunkohle. Neben dem Schmelzofen befinden sich die anderen oben erwähnten Öfen, die Nebenöfen, welche meist durch Feuerkanäle (Füchse) mit dem Schmelzofen in Verbindung stehen, so daß sie durch diesen geheizt werden. Die Kühlöfen sind, je nachdem sie für verschiedene Glasgegenstände dienen sollen, verschieden construirt, sie sind meist länglich viereckig. Die Glaswaaren werden entweder unmittelbar in den Ofen gelegt, od. man bringt sie in Töpfe (Kühlhäfen, Temperhäfen), od. in Kästen von Eisenblech; im letzteren Falle befindet sich eine Art Eisenbahn im Ofen, auf welcher die an einander gehängten Kästen von dem heißen Ende nach dem kälteren gefahren werden. b) Die Glashäfen sind große, tiegelförmige, runde od. ovale Gefäße (viereckige kommen nur beim Spiegelguß vor u. heißen dann Wannen) von feuerfestem, kalkfreiem Thon. Neue Glashäfen müssen vor dem Gebrauch angeglast werden, d.h. es müssen Glasbrocken in ihnen geschmolzen werden, wodurch sich im Inneren eine feste, sehr schwer schmelzbare Kruste bildet, welche verhindert, daß das geschmolzene G. den Thon angreift u. das G. dadurch verunreinigt wird. Bei Steinkohlenfeuerung, bes. bei der Herstellung von Krystall- u. Flintglas, wendet man bedeckte Häfen an; diese sind mit einer nach dem Arbeitsloch offenen Haube versehen, so daß die Flamme die Glasmasse nicht berührt.

B) Als Materialien zur Darstellung des G-es dienen: a) Sand; zu den besseren Glassorten wählt man reinen Quarzsand od. Quarzpulver, in letzterem Falle wird der Quarz geglüht u. noch heiß in Wasser geworfen (abgeschreckt), wodurch er zerspringt u. sich leicht pulvern läßt; dies geschieht in einem Stampfwerk od. zwischen steinernen Walzen. Der Sand muß möglichst frei von Eisen, Thon u. organischen Beimengungen sein, er wird zuweilen auch abgeschreckt. Unreinen, gelben Sand benutzt man nur für ordinäre Waare. b) Pottasche, diese muß ebenfalls für feines G. gereinigt werden, in vielen Fällen ist auch Holzasche statt der Pottasche anwendbar. c) Soda wurde sonst häufiger angewendet; statt ihrer dient jetzt bes. d) Glaubersalz zur Darstellung von Natrongläsern, man muß diesem jedoch, 1/13 Kohle zusetzen, welche es reducirt u. erst dadurch die Verbindung der Kieselsäure mit dem Natron möglich macht. e) Kalk, theils in der Form von Kreide, theils als gebrannter u. an der Luft zerfallener Kalk; der Kalk macht die Glasmasse flüssiger, doch darf er nicht in zu großer Menge zugesetzt werden, weil sonst das G. milchig wird. Durch Zusatz von Kalk bereitetes G. nennt man Kreideglas. Zu geringen Glassorten nimmt man häufig den ausgelaugten Kalkäscher der Seifensieder, doch muß[379] dieser vorher calcinirt werden. f) Borax setzt man nur feinem G. zu. g) Kochsalz kann nur neben Pottasche u. Kalk angewendet werden. h) Mennige gibt die sogenannten Bleigläser, sie sind leicht schmelzbar, weich, leicht zu schleifen u. je nach dem Gehalte an Blei mehr od. weniger schwer. Statt der Mennige benutzt man auch Bleiweiß, Bleiglätte, schwefelsaures Bleioxyd od. Schwefelblei, letzteres als Bleiglanz. i) Herdglas, d.h. bei der Verarbeitung des G-es entstehende Abfälle od. aus den Häfen geflossene Glasmasse, setzt man geringeren Glassorten zu. k) Glasbrocken (Bruchglas, Glasscherben) werden jeder Schmelze möglichst viel beigegeben, um dieselbe leichter schmelzbar u. diese Abfälle zu gut zu machen; ebenso geronnenes G., d.i. Glasmasse, welche sich durch Überfließen od. Abspringen in dem Ofen gesammelt hat, so lange es im Ofen liegt, heißt es Hüttenkatze. l) Hohofenschlacken, nur für das ordinäre grüne Bouteillenglas, ebenso Basalt, Phonolith, Schwerspath, Feldspath etc. Um das durch Verunreinigung der Materialien gefärbte G. möglichst farblos zu machen, setzt man m) Entfärbungsmittel zu; am gewöhnlichsten ist die Verunreinigung durch Eisenoxydul, welches das G. grün, u. Eisenoxyd, welches das G. gelb färbt. Durch Anwendung von oxydirenden Mitteln kann man das auf diese Weise gefärbte G. entfärben; zu diesem Zwecke dienen am gewöhnlichsten: Braunstein, die älteren Glasmacher nannten ihn daher Glasmacherseife (Magnesia vitriariorum); ferner Salpeter u. Arsenige Säure (Weißer Arsenik); die letztere zerlegt sich in Sauerstoff u. Arsenik, welcher sich verflüchtigt. Gelbliches G. kann auch durch einen Zusatz von etwas blauem Smalteglas entfärbt werden. Diese Materialien werden in einem Ofen erhitzt, um sie völlig auszutrocknen, nach Befinden calcinirt u. in dem erforderlichen Verhältniß zusammengedrängt, dies erfolgt in hölzernen Kästen (Gemengkästen, Mengetrögen) mit hölzernen Krücken (Kisten) od. Schaufeln, od. unter steinernen Walzen od. in Trommeln. Dieses Gemisch (Glassatz, Glascomposition) wurde sonst, bevor es in die Hafen eingetragen wurde, gefrittet, d.h. in besonderen Öfen stark erhitzt, so daß es zusammensinterte; jetzt hat man diese vorbereitende Operation meist aufgegeben.

C) Das Schmelzen des Glassatzes. Nachdem nun die Häfen, in den Anwärmeöfen gehörig erhitzt, in den heißen Schmelzofen eingesetzt u. die Tiegellöcher vermauert sind, wird die Hitze im Ofen verstärkt u. der Glassatz od. die Fritte mit glühenden Schaufeln (Einlegekelle, Einlegeschaufel, Eintragkolben, Eintraglöffel) in die Häfen gebracht (eingelegt). Um das Verflüchtigen der Alkalien in der zum Schmelzen nothwendigen Hitze möglichst zu vermeiden, trägt man zuweilen erst die Kieselerde mit den Glasscherben in die Häfen ein, u. erst wenn diese geschmolzen sind, die übrigen Bestandtheile; häufig wird der Satz auch nach u. nach eingelegt, die nächste Portion nicht eher, als bis die vorige niedergeschmolzen ist. Sodann wird heiß geschürt, d.h. stark gefeuert, um das Zusammenschmelzen u. die Verbindung der Kieselerde mit den Basen zu bewirken; der auf der Oberfläche der geschmolzenen Glasmasse sich ansammelnde Schaum (Glasgalle, s.d.) wird mit einem eisernen Löffel abgeschöpft (abgefäumt) u. das Feuer so lange unterhalten, bis keine Gasblasen mehr aufsteigen u. die Masse vollkommen flüssig u. klar (geläutert) ist; da dieselbe jedoch noch zu dünnflüssig ist, um sogleich verarbeitet werden zu können, so wird nun der Ofen abgelassen od. kalt geschürt, d.h. man läßt die Temperatur etwas sinken, indem man mit großen Holzscheiten feuert; dadurch wird die Glasmasse dickflüssig. Die Verarbeitung dieser weichen Schmelze ist nun je nach den Gegenständen, welche daraus gefertigt werden sollen, sehr verschieden, so daß man mehrere Arten von G. unterscheidet.

a) Tafel- od. Fensterglas. Die gebräuchlichsten Mischungen zu einem guten Tafelglas sind: 100 Theile Sand, 25–30 Soda, 35–40 Kreide, 180 Bruchglas, 1/4 Braunstein, 1/5 Arsenik; oder: 100 Theile Sand, 80 Soda, 8 Kreide, 110 Bruchglas, 1/5 Braunstein, 1/10 Kobaltoxyd; od.: 100 Theile Sand, 65 Pottasche, 6 Kalk, 50 Bruchglas, 1/3 Braunstein, 1 Arsenik; od.: 100 Theile Sand, 50 wasserfreies Glaubersalz, 20 Kalk, 21/2 Kohle; od.: 100 Theile Sand, 44 Glaubersalz, 6 Kalk u. 8 Kohle; od.: 100 Theile Sand, 40 Glaubersalz, 30 Kreide, 21/2 Kohle. Je nachdem diese Materialien rein od. weniger rein sind, erhält man ganz weißes od. halb weißes Tafelglas. Man hat zwei Methoden, dieses G. zu Tafeln zu verarbeiten, die ältere, die Mondglasmacherei, u. die neuere, die Walzenglasmacherei; nach beiden werden die Tafeln durch das Glasblasen hergestellt. Dasselbe verrichtet der Glasblaser mit der Pfeife (Blaserohr), einem schmiedeeisernen, 4–5 Fuß langen, 2–3 Linien im Lichten weiten Rohr, an einem Ende mit einem hölzernen Mundstück, am anderen mit einem Knopf. Mit diesem Knopf holt der vor dem Arbeitsloch stehende Arbeiter Glasmasse aus dem Hafen, streicht dieselbe mit einem Holze zu einem Klumpen zusammen u. läßt sie erkalten, indem er die Pfeife rasch dreht, dann nimmt er von Neuem G. auf, rollt es auf einer Eisenplatte (Marbelplatte) hin u. her, bis es erstarrt ist, taucht die Pfeife wieder in den Hafen, bis er genug Glasmasse an derselben hat. Nun bläst er etwas Luft in die Pfeife, während er gleichzeitig auf den oberen, an der Pfeife sitzenden Theil des G-es etwas Wasser bringt, um ihn zu erkälten, so daß nur der untere Theil durch das Blasen aufgetrieben wird; die Masse wird dann im Arbeitsloch wieder an gewärmt u. unter Drehen u. Hineinblasen auf ein mit Wasser angefeuchtetes Holz (Walkholz) gebracht, welches birnförmige u. runde Vertiefungen hat. aa) Bei der Herstellung von Mondglas wird zuerst durch Blasen eine Kugel gebildet u. dieselbe im Arbeitsloch angewärmt, durch schnelles Drehen der Pfeife um ihre Achse wird der untere Theil der Kugel platt u. bildet eine Scheibe; hierauf wird eine eiserne Stange (Hefteisen, Nabeleisen) in die weiche Glasmasse getaucht u. in die Mitte der scheibenförmigen Abplattung der Kugel angelöthet, die Erhöhung an der entgegengesetzten Seite, an welcher die Pfeife sitzt, abgeschnitten; der dadurch entstehende Rand wird erwärmt u. mit Hülfe eines Holzes u. unter fortwährendem Drehen des Hefteisens so umgebogen, daß eine glockenförmige Gestalt entsteht; durch nochmaliges Anwärmen u. schnelles Drehen des horizontal gelegten Hefteisens breiten sich die Ränder der Glocke so aus, daß man nun eine vollständige Scheibe erhält,[380] welche von dem Hefteisen abgeschnitten u. in den Kühlofen gebracht wird. Da der mittlere Theil dieser Scheiben, wo das Hefteisen angesessen hat, dicker ist, so wird sie in zwei Hälften getheilt u. das mittlere Stück (Galle) herausgeschnitten. bb) Bei der Walzenglasmacherei wird aus der birnförmigen Glasmasse ein Cylinder geblasen, indem der Arbeiter die Pfeife senkrecht, das G. nach unten, hält, u. sie pendelförmig hin u. her schwingt, während er von Zeit zu Zeit hineinbläst; durch wiederholtes Anwärmen u. Vehwenken erhält man endlich einen Cylinder von den gewünschten Dimensionen, dessen beide Enden aber geschlossen sind. Die Pfeife wird nun auf eine eiserne Gabel gestützt u. der Boden des Cylinders durch Einbringen in das Arbeitsloch erwärmt, während der Arbeiter die Pfeife mit dem Daumen verschließt, damit die sich ausdehnende Luft im Cylinder nicht entweichen kann, sondern das erweichte Ende des Cylinders zerplatzen macht; man erweitert dann durch schnelles Drehen der Pfeife diese Öffnung, nimmt den Cylinder aus dem Ofen u. schwenkt ihn wieder hin u. her, bis die Öffnung so weit ist wie der Cylinder; man legt ihn dann auf eine Unterlage u. sprengt durch einen Tropfen Wasser die Pfeife ab; den oben gebogenen Theil der Walze, die Haube, entfernt man durch Absprengen mittelst eines glühenden Eisens. Hierauf wird der Cylinder der Länge nach aufgerissen (aufgesprengt), indem man mit einem Tropfen Wasser eine gerade Linie auf demselben beschreibt u. in dieser dann mit einem glühenden kantigen Eisen hinfährt, wodurch der Cylinder nach dieser Richtung zerschnitten wird; er kommt nun in den Streckofen, wo er sich zu einer Tafel ausbreitet (Strecken). In dem Streckofen wird er auf eine dicke Glastafel (Lager) gebracht, welche auf einer ebenen Platte von feuerfestem Thon, dem Streckstein, liegt; durch die Hitze des Ofens wird der Cylinder weich u. kann mit Hülfe des Streckeisens zu einer Tafel auseinander gelegt werden; zuletzt wird noch mit dem Polierholz über die Tafel hinwegfahren, um dieselbe vollkommen zu ebenen. Aus dem Streckofen kommen diese Tafeln in den Kühlofen, wo sie aufrecht gestellt u. langsam abgekühlt werden. Die Schmelzung dauert etwa einen Tag. Zu 1000 Kilogramm Glasmasse braucht man ungefähr 2000 Kilogramm Holz od. 1200 Kilogramm Steinkohlen.

b) Hohlglas, d.i. G., welches zu Flaschen, Trinkgläsern, Schalen, Lampencylindern, chemischen Geräthschaften etc. verarbeitet wird. Zu den feineren Sorten, wie das böhmische Krystallglas, wählt man Pottasche, für weniger seines Hohlglas nimmt man ähnliche Glassätze, wie für Tafelglas, hier nimmt man bes. Glaubersalz, für ordinäre Waare auch Holzasche; zu dem grünen Bouteillenglas, als dem ordinärsten, wendet man gewöhnlichen Sand, schlechte Soda, Asche, Auslaugerückstände von der rohen Soda, Mergel, Herdglas, unreine Glasscherben, Hohofenschlacken etc. an. In Frankreich benutzt man statt der Pottasche die dort billigere Soda. Gebräuchliche Sätze sind: für böhmisches Krystallglas: 100 Theile Quarz, 331/3 gereinigte Pottasche, 121/3 Kalk, Braunstein od. Arsenik u. reines Bruchglas; für weißes leichtflüssiges Hohlglas: 100 Theile Quarz, 50–60 Pottasche, 10–12 Kalk, 1/2 Braunstein u. Bruchglas; für weißes Hohlglas zu chemischen Utensilien: 100 Theile Quarz, 911/2 Pottasche, 171/2 Kalk, Braunstein u. Bruchglas. Französisches G.: 100 Theile Sand, 621/2 Soda, 11 Kalk, 31/2 Salpeter, 60 Bruchglas; od.: 100 Theile Sand, 44 wasserfreies Glaubersalz, 3 Kohle, 6 Kalk, 20 bis 100 Bruchglas. Für Bouteillenglas: 100 Theile gelben Sand, 60–70 frische Holzasche, 160–170 ausgelaugte Asche, 80–100 Mergel, 100 Scherben; od.: 100 Theile gelben Sand, 50 frische Asche, 200 Varecsoda, 100 Scherben; od.: 100 Theile gelben Sand, 30–40 schlechte Soda, 160 ausgelaugte Asche, 40 frische Asche, 80 Thon, 100 Bouteillenscherben. Für feine Waaren schmilzt man den Glassatz zweimal, d.h. man schöpft das flüssige G. aus den Häfen u. schreckt es in Wasser ab, worauf es zum zweiten Mal in die Häfen eingetragen u. geschmolzen wird. Auch das Hohlglas wird mit der Pfeife geblasen, unter gleichzeitiger Anwendung von Formen. Um z.B. eine Flasche zu blasen, wird die mit der Pfeife aus dem Hafen genommene Glasmasse mit einem flachen Eisen von der Pfeife nach vorn geschoben u. unter Hineinblasen auf das Wallholz gebracht; hierauf wird sie wieder angewärmt u. in die Form geblasen, wobei durch in die Höhe ziehen der der Pfeife zunächst liegende kältere Theil sich verlängert, ohne sich aufzublasen u. den Hals der Flasche bilden; man erwärmt dann den Boden der Flasche, drückt ihn mit einem Eisen nach innen u. befestigt in diese Vertiefung ein Hefteisen, sprengt den Hals von der Pfeife ab u. schmilzt die scharfen Ränder des Halses ab, worauf man etwas geschmolzenes G. bandförmig um den Hals der Flasche legt, um denselben zu verstärken; er wird dann mit einer Schere (Glasschere) von außen geebenet u. innen cylindrisch ausgeweitet. Man bringt die farbige Flasche nach dem Kühlofen, wo sie durch einen leisen Schlag von dem Hefteisen abgelöst wird. Große Ballons, wie man sie zum Versenden der Schwefelsäure, Salzsäure etc. braucht, werden so angefertigt, daß der Arbeiter in die wenig aufgeblasene Glaskugel Wasser durch die Pfeife spritzt u. dieselbe mit dem Daumen zuhält; es entwickelt sich sogleich Wasserdampf, welcher das Aufblasen der weichen Glasmasse bewirkt. In ähnlicher Weise, wie Flaschen, werden auch allerhand Trinkgefäße etc. hergestellt.

c) Spiegelglas. Die zu Spiegeln zu verarbeitenden Glastafeln müssen möglichst farblos, frei von Knoten, Wellen u. Blasen sein; sie werden nicht durch Blasen mit der Pfeife, sondern durch Gießen des flüssigen G-es auf eine ebene Platte hergestellt. Das hierzu gebräuchliche G. ist Natronglas, weil dieses leichter schmilzt u. daher besser geläutert werden kann, als das Kaliglas, obgleich letzteres leichter farblos zu erhalten ist; man nimmt zu seiner Bereitung möglichst reine Materialien, etwa in folgendem Verhältniß: 300 Theile Quarzsand, 100 wasserfreie Soda, 43 an der Luft zerfallenen Kalk, 300 reine Glasabfälle u. 0,5 Braunstein; zweckmäßig ist ein Zusatz von wenig kohlensaurem Kali. Man hat zweierlei Schmelzgefäße, nämlich runde Häfen zum Schmelzen des Satzes u. viereckige Wannen (Gießhäfen) zum Läutern u. Gießen; die Wannen sind von verschiedener Größe, weil jede so viel Glasmasse fassen muß, als zu einem Spiegel erforderlich ist; sie haben außen rings herum einen Einschnitt, damit sie mittelst einer Zange aus dem Ofen genommen werden können.[381] Der Glassatz wird entweder vor dem Schmelzen gefrittet od. in drei gleichen Theilen nach u. nach in die Häfen eingelegt. Ist der Satz 16 Stunden lang geschmolzen, so werden die vorher gereinigten Wannen in den Ofen gestellt, die Glasmasse mittelst eines kupfernen Löffels vorsichtig in dieselben geschöpft u. 16 Stunden lang in denselben geläutert, worauf die Wannen aus dem Ofen genommen werden u. der Guß erfolgt. Dies geschieht auf einer großen Tafel (Gießtafel) von Bronze, etwa 10 Fuß lang u. 5 Fuß breit; sie muß vollkommen eben u. aus Einem Stück sein; sie ruht auf einem festen Gestell, welches auf Rollen läuft, damit sie an den Ofen gefahren werden kann. Auf dieser Tafel befinden sich zwei parallele Leisten, deren Höhe die Dicke des herzustellenden Spiegels angibt, ihre Entfernung kann beliebig verändert werden, sie bestimmt die Breite des Spiegels. Auf den Leisten läuft eine etwa 250–300 Kilogramm schwere Walze von Bronze, welche das flüssige G. gleichförmig auf der Tafel ausbreitet. Nachdem die Tafel angewärmt ist, wird die Wanne mittelst einer Zange aus dem Ofen genommen, auf einen Wagen (Gießhafenwagen) nach der Gießtafel gefahren, abgeschäumt, an den Seiten gereinigt u. mittelst eines Krahns oberhalb der Gießtafel aufgehängt, dann gießt man das flüssige G. auf die Tafel, indem man die Wanne neigt, u. rollt die Walze sogleich hinter den Hafen über die Tafel hinweg; dieselbe führt das überflüssige G. vor sich her nach dem anderen Ende der Gießtafel, wo es in ein Gefäß mit Wasser läuft. Die so hergestellte Tafel wird von den Nähten befreit u. in den dunkelroth glühenden Kühlofen gebracht, wo sie auf feinen Sand zu liegen kommt u. 8–14 Tage lang zum Abkühlen verbleibt. Es folgt nun das Schleifen. Zu dem Zweck wird die Glastafel auf einen steinernen Tisch aufgekitret, ebenso eine kleine Spiegelplatte an einen Stein befestigt, letztere dient als Schleifplatte u. wird gleichzeitig selbst mit geschliffen. Zuerst wird mit grobem Sand u. Wasser geschliffen (Rauhschleifen), dann mit immer feinerem Sand u. Wasser (Klarschleifen), zuletzt mit seinem Smirgel (Feindouciren); das darauf folgende Poliren geschieht mit Englischroth (Colcothar). Das Belegen der Spiegelplatte mit der Folie, s.u. Spiegel. Solche Glasplatten dienen auch als Fensterscheiben, bes. für Schaufenster in Verkaufslocalen.

d) Englisches Krystallglas (Bleiglas, Klingglas). Dasselbe ist ein Kali-Bleiglas u. wurde zuerst 1673 in England gefertigt; man schmilzt es bei Steinkohlenfeuer in bedeckten Häfen, d.h. die Häfen sind mit einer nach dem Arbeitsloch offenen Haube versehen, damit die Flamme das G. nicht berührt, weil sonst leicht eine Oxydation des Bleis stattfindet u. dadurch das G. gefärbt wird. Bei Holzfeuerung können auch offene Tiegel angewendet werden. Dieses G. ist wegen seines Bleigehaltes sehr schwer, zeigt starkes Lichtbrechungsvermögen u. läßt sich wegen seiner Weichheit schleifen. Gewöhnlich nimmt man zum Satz: 300 Theile reinen Sand, 200 Mennige u. 90–100 gereinigte Pottasche; od.: 300 Theile Sand, 215 Mennige u. 110 Pottasche; od.: 300 Theile geschlämmten u. gebrannten Sand, 100 reine Pottasche, 150 Mennige, 50 Bleiglätte (Glashütten zu Leith u. Edinburg); od.: 300 Theile Sand, 180 Mennige u. 120 Pottasche; hierzu kommt u. h. Arsenik u. Bruchglas, seltener Borax, Salpeter u. Braunstein. Die Schmelzung dauert 6–8 Stunden, das Läutern eben so lange. Das Krystallglas läßt sich leicht verarbeiten, weil es leicht schmelzbar ist, es wird entweder geblasen, wie gewöhnliches G., od. durch Blasen in Formen gepreßt (gepreßtes G.); diese Formen sind von polirtem Messing u. bestehen aus zwei od. mehreren durch Charniere verbundenen Theilen. Solches gepreßtes G. ist dem geschliffenen ähnlich. Das Schleifen der Gegenstände erfolgt auf kantigen od. abgerundeten Scheiben, zuerst auf einer Eisenscheibe mit Sand, sodann auf einander folgend mit Sandstein, Holz u. Bimstein, zuletzt auf einer Korkscheibe mit Zinnasche.

e) Flintglas u. Crownglas, sind bleihaltige Gläser, welche bes. zu Linsen für optische Instrumente gebraucht werden (s. Fernrohr etc.). Guinant dem Älteren gelang es zuerst, ein fehlerfreies Crown- u. Flintglas für physikalische Instrumente herzustellen; die Fabrikation wurde von Bontemps u. Fraunhofer vervollkommnet. Für Flintglas nimmt man zum Satz: 300 Theile reinen Sand od. Quarz (früher auch Feuerstein od. Flint, daher der Name), 200 Mennige u. 100 gereinigte Pottasche; od.: 300 Theile Sand, 300 Mennige u. 90 Pottasche, dazu kommt noch ein Zusatz von 51/2 Borax, 4 Salpeter, 1 Arsenik u. 1 Braunstein; od.: 100 Theile reinen Sand, 80 Mennige, 30 reine Pottasche. Für Crownglas: 120 Theile Quarz, 35 Pottasche, 20 Soda, 15 Kreide u. 1 Arsenik; od.: 60 Theile Quarz, 30 Pottasche, 15 Salpeter, 1 Borax u. 1 Arsenik. Zur Anfertigung des Crownglases benutzte man früher den Sand von Lyon Saxs in England, da dessen Gruben sich erschöpften, gemahlene Kiesel, jetzt einen holländischen Sand, der sich bei Sidney findet u. als Ballast von dorther kommt. Der Schmelzofen ist cylindrisch u. enthält nur einen geschlossenen Hafen, dessen Haube in die Arbeitsöffnung mündet; zum Umrühren der geschmolzenen Masse dient ein Haken von feuerstem Thon, welcher an einer eisernen Handhabe befestigt ist. Nachdem der Hafen angewärmt ist, wird der Satz eingetragen, das Arbeitsloch geschlossen u. 4 Stunden lang geheitzt, umgerührt, wieder 5 Stunden lang geschmolzen, gerührt u. diese Operation nun alle Stunden vorgenommen Unterdessen ist 2 Stunden lang kalt geschürt worden, um die Blasen entweichen zu lassen; dann wird wieder heiß geschürt, nach 5 Stunden unter fortwährendem Rühren das Schürloch etwas geschlossen, bis die Masse schwer zu rühren ist; man nimmt nun den Rührer aus dem Hafen, schließt den Ofen u. läßt ihn 8 Tage lang zum Abkühlen stehen; nach dieser Zeit nimmt man den Tiegel, in welchem die Glasmasse ein zusammenhängendes Ganze bildet, aus dem Ofen, schneidet an der Glasmasse zwei parallele Flächen u. polirt dieselben, um im Inneren der Masse die fehlerfreien Stücken zu erkennen, welche dann herausgeschnitten werden; man erwärmt dieselben in einer Muschel bis zum Erweichen u. preßt sie unter einer starken Hebelpresse in bronzene Formen zu Linsen, welche in einen Kühlofen gebracht u. zuletzt noch geschliffen werden.

f) Straß. Edelsteine werden durch gefärbte Glasmasse nachgeahmt, welche man aus einem farblosen Glasfluß unter Zusatz von färbenden [382] Metalloxyden darstellt. Der Glasfluß ist zuweilen bleifreies od. bleiarmes, häufig aber ein bleireiches G., welches man Straß nennt; man mischt denselben aus: 100 Theilen Quarz, 136 Mennige, 25 gereinigter Pottasche, 9 Borax u. 1/2 Arsenik; od.: 300 Theilen Bergkrystall, 470 Mennige, 163 Ätzkali, 22 Borax, 1 Arsenik; od.: 300 Theilen Quarz, 514 Bleiweiß, 96 Ätzkali, 27 Borax, 1 Arsenik. Der reine Straß geschliffen gibt den nachgemachten Diamant, vgl. Edelsteine.

g) Gefärbtes Glas. Die Oxyde mehrerer Metalle lösen sich in geschmolzenem G. auf u. ertheilen diesem eine Färbung, indem sie sich mit der Kieselsäure zu einem gefärbten Salz verbinden; daher benutzt man sie zur Darstellung von gefärbten Gläsern. Roth wird das G. gefärbt durch Gold, Kupferoxydul u. rothes Eisenoxyd. Das durch Gold roth gefärbte G., das Rubinglas, bereitete schon Kunkel, man erhält es sehr schön nach folgender Vorschrift von Fuß u. Metzger: 20 Theile Quarz, 16 Mennige, 2 Pottasche u. 21/2 Salpeter 12 Stunden lang geschmolzen, dann im Wasser abgeschreckt, fein zerstampft u. 640 Theile dieser Masse mit 60 Borax, 33/4 Zinnoxyd u. einer Auflösung von 26/80 Theilen Ducatengold gemengt u. nach sechsstündigem Schmelzen im offenen Tiegel verarbeitet. Dieses G. ist nach dem Schmelzen nur schwach gelb gefärbt, erhält aber seine schöne rothe Farbe nach dem Anwärmen (Anlaufen). Man wärmt daher die fertigen Gegenstände wieder an od. läßt die Schmelze im Hafen abkühlen, schlägt sie in Stücke u. wärmt diese erst bei der Verarbeitung wieder an. Mittelst Kupferoxydul färbt man das sogen. Überfangsglas, dieses ist farbloses G. mit einem dünnen Überzug von rothem kupferhaltigem G. Bei der Herstellung solches Überfangsglases taucht man die an der Pfeife sitzende weiche Glasmasse in eine gefärbte Schmelze, so daß sich nur ein Überzug über das farblose G. bildet u. nach dem Ausblasen der Gegenstand durchsichtig wird, weil sich beim Ausblasen der farblosen Glasmasse auch die rothe Schicht ausdehnt u. daher dünner wird. Man kann auch umgekehrt erst gefärbtes, dann farbloses G. an die Pfeife nehmen, so daß der gefärbte Überzug nach innen kommt. Durch Anschleifen des Überfangsglases erhält dieses mannichfaltige Verzierungen, zuweilen nimmt man auch unter den gefärbten Überzug einen von Beinglas u. schleift dann beide an. Zum Überfangen nimmt man auch den Goldrubin, welchen man aus 48 Pfund Kiesel, 80 Pfund Mennige, 21/2 Pfund Pottasche, 61/4 Pfund Salpeter u. einem Ducaten, in Königswasser gelöst, bereitet. Das Hämatimon ist ein undurchsichtiges blutrothes G., welches durch Kupferoxydul gefärbt ist. Auf diese Weise können auch anders gefärbte Gläser verarbeitet werden. Gelb färben Kohle u. andere organische Substanzen, Antimonoxyd (Antimonium diaphoreticum), Chlorsilber, antimonsaures Kali, Spießglanzglas, antimonsaures Bleioxyd; durch Uranoxyd erhält man ein grünlichgelbes G., das sogen. Cenarienglas. Für blaue Gläser wird gewöhnlich Kobaltoxydul angewendet, auch geröstetes Kobalterz (Zaffer) od. Kupferoxyd. Grün erhält man durch Chromoxyd, Kupferoxyd, Antimonoxyd mit Mennige u. Kobaltoxydul; das gewöhnliche grüne Flaschenglas ist durch Eisenoxydul gefärbt. Violett färbt bes. das Manganoxyd, man versetzt es mit etwas Salpeter, wohl auch mit Goldpurpur. Schwarzes G. ist gewöhnlich nur sehr dunkel gefärbtes, ein solches erhält man durch Eisenoxydul mit einem Zusatz von Kupferoxyd u. Braunstein. Weißes undurchsichtiges od. durchscheinendes G. ist die Email (s.d.) u. das Veinglas (Milchglas), dieses ist gewöhnlich Hohlglas mit 10 bis 12 Procent weißgebrannter Knochenasche; das sogen. Alabasterglas stellt man her, indem man die Schmelze nach der Läuterung in Wasser abschreckt u. in eine zweite Portion schmelzendes G. einträgt, wodurch dieses trübe u. alabasterähnlich wird. Aventuringlas ist bräunlich-gelb, durchsichtig u. enthält in seinem Inneren kleine Flimmerchen von Kupferoxydul.

D) Anfertigung verschiedener anderer Gegenstände aus Glas. Die kleinen Glasperlen od. Strickperlen fertigt man bes. in Venedig in großer Menge, indem man farbige Glasröhren, welche die Glashütte auf der Insel Murano liefert, in kleine Stückchen zerschneidet u. in ein Gemisch von Kreide u. Kohlenpulver schüttet, um die Löcher damit anzufüllen, alsdann bringt man sie in ein metallenes Becken, welches feinen Sand enthält, u. rührt sie über dem Feuer tüchtig um, damit sich die scharfen Karten abrunden; man stiebt sie darauf u. polirt sie durch Schütteln mit Weizenkleie. Größere Glasperlen (Glaskorallen, Lüstersteine) stellt man aus Glasstäben her; dieselben werden in Feuer weich gemacht u. dann in Formen gepreßt, gebohrt u. auf Fäden gereiht. Hohle Glasperlen, welche die echten Perlen nachahmen sollen, bläst man aus Glasröhren u. füllt sie mit der sogen. Perlessenz (Essence d'Orient); diese besteht aus den seinen Schuppen des Weißfisches (Cyprinus alburnus), welche in Ätzammoniak aufbewahrt u. zum Gebrauch mit einer dünnen Leimauflösung angemacht werden. Die Anfertigung von Glasröhren zu physikalischem u. chemischem Gebrauch geschieht so, daß man etwas G. mit der Pfeife aus dem Hafen nimmt, dieses aufbläst u. auf der Marbelplatte cylindrisch formt; dann löthet ein anderer Arbeiter am anderen Ende des Cylinders ein Hefteisen an u. beide Arbeiter gehen nun in entgegengesetzter Richtung, bis sich der Cylinder auf die erforderlichen Dimensionen ausgedehnt hat; das Rohr wird sodann auf einer ebenen Unterlage gekühlt u. in Stücke zerschnitten. Auf ähnliche Weise werden Glasstäbe hergestellt. Uhrgläser werden theils aus dünn geblasenen Kugeln ausgeschnitten, theils gepreßt. Die sogen. Glasincrustationen sind Verzierungen, wie Medaillons, Wappen, Büsten etc. an Glasgegenständen; sie werden aus einer undurchsichtigen Glasfritte gefertigt u. in durchsichtiges G. eingeschlossen; diese Fritte bereitet man aus 100 Theilen Sand, 30 Soda u. 10 kohlensaurem Kalk, die Masse wird mit Wasser geknetet, die zu incrustirenden Gegenstände daraus geformt u. gebrannt, darauf werden sie auf farbloses G. gelegt, flüssiges G. mit einem Löffel darübergegossen u. dieses alsdann geschliffen. Auf dieselbe Weise stellt man Briefbeschwerer u. ähnliche Gegenstände mit eingeschlossenen bunten Verzierungen von G. her; die letzteren schneidet man aus Glasstäben, welche auf ihrem Querschnitt irgend eine Verzierung zeigen, u. durch Zusammenschmelzen von mehreren bunten, neben einander gelegten Glasstäben hergestellt werden. Die Glasbuchstaben[383] wie man sie zu Firmen anwendet, werden erst aus G. ausgeschnitten, dann die eine Seite mit Eiweiß bestrichen u. mit echter Gold- od. Silberfolie belegt, wodurch sie wie aus polirtem Gold od. Silber angefertigt erscheinen; sie werden dann auf eine andere Glasplatte mit einem Firniß aus Schellack u. venetianischem Terpentin, in Weingeist aufgelöst, gekittet.

Das Ätzen des G-es beruht auf der Eigenschaft der Flußsäure, das G. zu zerstören, indem sich flüchtiges Fluorsilicium u. nicht flüchtige Verbindungen von Fluorsilicium mit Fluorcalcium, Fluorkalium etc. bilden. Um auf einer Glastafel eine Zeichnung einzuätzen, versieht man sie daher mit einem Überzug von 4 Theilen Wachs u. 1 Theil Terpentin; od.: 1 Theil Wachs, 1 Theil Mastix u. 1/2 Theil Asphalt; dann zeichnet man mit einem Stift die Zeichnung darauf, so daß an diesen Stellen der Überzug weggenommen wird, u. hält die Tafel über eine Bleischale, in welcher man Flußspath mit Schwefelsäure angerührt hat; dann wischt man den Überzug mit Terpentinöl ab. Bromeis u. Böttger schlagen vor, solche geätzte Glastafeln statt Kupfer od. Stahlplatten zum Druck zu verwenden; diese Methode heißt Hyalographie. Mit Hülfe des Löthrohres od. einer Glasblaserlampe kann man an Glasröhren allerhand kleine Glasfiguren blasen, Glasröhren biegen u. zuschmelzen etc. Will man eine Kugel an eine Glasröhre haben, so wird dieselbe an einem Ende zugeschmolzen u. so lange die Masse noch weich ist, in die Röhre geblasen. Um die haarfeinen Glasfäden zu spinnen, erhitzt man ein Glasrohr od. einen schmalen Glasstreifen an der Lampe, zieht die weiche Masse zu einem Faden aus u. leitet diesen auf eine Haspel, während man das G. immer in die Flamme hält. Diese Glasfäden erscheinen silberglänzend od., wenn man sie aus gelben G. spinnt, goldähnlich, man webt sie für sich od. mit Seide vermischt zu Kleider- u. Meubelstoffen, Tapeten etc. Das Durchbohren von G. erfolgt entweder ganz auf die Weise wie das Schleifen, od. indem man die zu durchbohrende Stelle mit einer Auflösung von Campher u. Terpentinöl befeuchtet u. mit der Spitze einer harten Feile so lange in das G. bohrt, bis die Öffnung entstanden ist, welche dann nach Erforderniß ausgefeilt wird. Das Schleifen des G-es, z.B. der Krystallwaaren, geschieht mit kupfernen u. eisernen Scheiben, welche sich schnell umdrehen lassen u. mit Smirgel u. Baumöl bestrichen werden. So lange durch das Schleifen nur die Form des Gegenstandes verändert wird, nennt man es Rauhschleifen, welchem das Fein- od. Klarschleifen folgt, zuletzt wird das G. mit bleiernen u. zinnernen Rädern (Polirscheiben) polirt, welche mit Tripel, Zinnasche od. Bimstein bestrichen sind. Das Zertheilen des G-es, bes. wenn dasselbe in geraden Linien erfolgen soll, wie bei Fensterscheiben, bewirkt man gewöhnlich mit dem Diamant; dieser darf nicht geschliffen sein, sondern muß seine natürlichen gewölbten Kanten besitzen. Der Hals einer Retorte od. eines Kolbens wird gewöhnlich abgesprengt, indem man die betreffende Stelle mit einem glühenden eisernen Ring, der an einen Stiel befestigt ist (Sprengeisen), heiß macht u. dann Wasser darauf spritzt. Tafelglas läßt sich auch an einer verlangten Stelle absprengen, wenn man es mit einem Feuerstein ritzt u. über den Ritz mit der Spitze eines glühenden Eisens fährt. Sehr leicht läßt sich das G. in beliebigen Richtungen absprengen mit Hülfe der sogen. Sprengkohle; man bereitet dieselbe, indem man 1 Theil arabischen Gummi u. 1 Theil Traganth in Wasser auflöst, dazu eine alkoholische Lösung von 1/6 Benzoëharz gibt u. mit sehr sein pulverisirter Laubholzkohle zu einem Teig knetet, aus welchem man dann Stangen von der Dicke eines Federkiels formt u. dieselben trocknet. Will man G. damit absprengen, so macht man mittelst einer Feile einen Einschnitt an der betreffenden Stelle u. fährt von diesem aus mit der glimmenden Spitze der Sprengkohle auf dem G. hin nach der Richtung, in welcher der Sprung erfolgen soll. Glasröhren zerschneidet man so, daß man mit einer scharfen dreikantigen Feile einen Einschnitt macht u. die Röhre dann zerbricht.

III. Die Erfindung des G-es wird den Phöniciern zugeschrieben. Es sollen nämlich einst Phönicier an dem Ufer des Flusses Belos in Phönicien, wo reiner Kiessand (Nitron) lag, gelandet sein, u. als sie daselbst kochen wollten, ein Paar Sodastücken, welche sie mitgebracht hatten, als Unterlage ihrer Kochgeschirre genommen u. darunter Feuer angemacht haben. Da schmolzen Soda, Sand u. Asche zusammen u. die daraus entstandene Masse war das G., dessen Verfertigung lange die phönieischen Städte Sidon u. Sarepta allein in Fabriken betrieben. Strabo u. Plinius erwähnen Glashütten in Sidon u. Alexandria. Doch war der Gebrauch des G-es im Alterthum nicht allgemein, denn die Fenster schloß man mit Vorhängen u. zu Trinkgefäßen nahm man gewöhnlich Stein od. edle Metalle; dagegen wurden in den Prachtgebäuden des Orients die Wände u. Decken mit G. belegt. Nach Europa kam das G. aus Ägypten, wo ein zur Glasbereitung ganz vorzüglich sich eignender Sand (Hyalitis) gefunden wurde; bes. in Alexandria gab es berühmte Glasfabriken (Hyalurgeia), u. die Glasmacher (Hyalurgi, Hyalopöi, Hyalepsä) verfertigten nicht allein allerhand gläserne Gefäße, sondern auch Brennspiegel u. als solche dienende Glaskugeln u. verstanden auch das G. zu schleifen. In Griechenland, wohin es schon zu Herodots Zeiten aus Ägypten gebracht wurde, hieß es anfangs Gußstein (Λίϑος χυτή), nachher Hyalos, u. war bis zum Peloponnesischen Kriege sehr selten, diente aber auch nachher nicht dem gemeinen Gebrauche. In Italien, wohin es zuerst auch von Ägypten gebracht wurde, machte man von dem G. (Vitrum) einen ausgedehnteren Gebrauch; man nahm es zu Fensterscheiben, Laternengläsern u. Wändeverzierungen, bereitete daraus allerhand Gefäße (Vasa vitrea), Becher, Schalen, Fläschchen, größere Vasen, welche man auch in Gräber als Ascheurnen setzte. Die gläsernen Gefäße waren entweder farblos, od. bunt, od. aus mehreren Lagen, welche über einander zusammengesetzt u. dann, wie Steine, zerschnitten u. geschliffen wurden. Im 6. Jahrh. waren bunte Glasfenster in Frankreich in Kirchen allgemein; um 1189 fing man in England an, die Wohnungen der Vornehmen mit Glasfenstern zu versehen; 1557 entstand die erste Glashütte in London. In Frankreich wurden Fenster aus ungefärbtem G. erst im 14. Jahrh. gebräuchlich. Die ältesten bekannten Glashütten sind die zu Ende des 13. Jahrh. zu Venedig bestehenden u. von da nach Murano verlegten Geblasene Spiegel wurden sonst nur in [384] Venedig gefertigt, 1665 wurde diese Kunst nach Tourlaville bei Cherbourg verpflanzt. Abraham Thevart erfand das Gießen der Spiegel 1685 u. gründete 1691 die berühmte Fabrik in Saint Gobain bei La Fere im Departement de L'Aisne, welche lange Zeit die einzige in Frankreich blieb, jetzt bestehen in Frankreich neben ihr noch zwei große Etablissemeuts: Saint Quirin u. Mont Lucon. In England wurde 1771 eine Spiegelfabrik zu Ravenhead in Lancashire angelegt, jetzt bestehen außerdem noch die berühmten Fabriken zu New Castle on Tyne u. zu St. Helens bei Liverpool. In Belgien ist die große Spiegelfabrik zu St. Marie d'Oigny. In Deutschland wurden die Fensterscheiben erst im 15. u. 16. Jahrh. allgemein, u. noch 1428 hielt es Äneas Sylvius für besonders merkwürdig, daß in Wien die meisten Häuser mit Glasfenstern versehen seien. In Deutschland kommt eine Glashütte »in der Myme« bei Münden schon 1540 in vollem Betriebe u. dann 1559 zu Oberhausen bei Augsburg vor. In neuerer Zeit wird in Deutschland die Glasfabrikation in großartigstem Maßstabe betrieben, namentlich in Böhmen, doch auch in den preußischen Provinzen Schlesien, Brandenburg u. Westphalen, dem Königreich Sachsen u. Baiern. Vgl. Antonio Neri, De arte vitriaria, neu herausgeg. von Chr. Merret, 1681; Hamberger, Vitri hist. ex antiquitate eruti, im 4. Bde. der Comment. soc., Gött.; Michaelis, Hist. vitri apud Hebraeos, ebd.; G. L. Hochgesang, Historische Nachrichten von Verfertigung des G-es, Gotha 1780; Schülin, Geschichte des G-es, Nördl. 1782; Hertel, Anleitung zum Glasschleifen; Kunckel, Glasmacherkunst, Nürnb. 1789; Anleitung zur Glasmacherkunst, Frkf. 1802–18, 2 Thle.; Westrumb, Über Glasbereitung, Hannov. 1818; Gehlen, Beitrag zur wissenschaftlichen Begründung der Glasmacherkunst, Münch. 1811; H. Leng, Handbuch der Glasfabrikation etc., Weim. u. Ilmen. 1835; C. Hartmann, Handbuch der Thon- u. Glaswaarenfabrikation, Berl. 1842 etc.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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