Stiefel [2]

Stiefel [2]

Stiefel, 1) (Stifel), Michael, geb. 19. April 1486 in Eßlingen u. wurde daselbst Augustinermönch; 1520 verließ er sein Kloster u. ging nach Wittenberg, wo er unter Luther studirte; er wurde dann Hofprediger beim Grafen von Mansfeld u. 1525 Pfarrer zu Kreusbach in Ober-Österreich, kehrte aber, dort verfolgt, bereits 1526 od. 1527 nach Wittenberg zurück u. wurde 1528 Pfarrer in Lochau. Hier prophezeiete er (in seinem Rechenbüchlein vom End Christi, 1532) aus der Apokalypse Jesu Wiederkehr zum Weltgericht auf den 19. Oct. 1533, doch da dies nicht eintraf, verlor er sehr an Ansehen u. seine Stelle; 1535 wurde er wieder Pfarrer bei Wittenberg, aber von hier durch die Schlacht bei Mühlberg 1547 vertrieben, lebte er eine Zeitlang in Frankfurt a. O. u. wurde dann Pfarrer bei Königsberg in Pr., wo er sich fortwährend mit der Apokalyptik beschäftigte u. als Gegner Osianders auftrat; er ging von da als Pfarrer nach Bruck u. 1558 als Lehrer der Arithmetik nach Jena, wo er nachher, trotz der Angriffe der Flacianischen Partei gegen ihn, Diakonus an der Stadtkirche wurde u. 19. April 1567 starb. Er schr. noch Arithmetica integra; Die deutsche Arithmetica, 1545; Rechenbuch von der welschen u. deutschen Practick, 1546; u. gab heraus die Coss Christoph Rudolfs, 1533. 2) (Stieffel), Esaias, Handelsmann u. Weinschenk, geb. in Langensalze, Schwärmer; sonderte sich 1604 mit seiner Familie von dem öffentlichen Gottesdienst ab u. erklärte das geschriebene Wort (Bibel) für nichts, wogegen nur Christus das lebendige Wort sei, verwarf Predigt, Predigtamt u. Sacramente, läugnete die Auferstehung, weil die Gemeinde der Heiligen, d.h. die, welche das Gesetz vollkommen erfüllten, als der Sünde Abgestorbene schon auf Erden die Seligkeit empfänden, die Verwaltung der Sacramente durch die Geistlichen, als tägliche Sünder, für ungültig. Von dem Consistorium in Leipzig vergebens zur Änderung seiner Ansichten ermahnt, wurde er 1605 in Erfurt ins Gefängniß gebracht, widerrief jedoch 1606 Er lebte seitdem in Gispersleben bei Erfurt, wurde hier rückfällig u. 1614 auf Befehl des Consistoriums in Dresden von Neuem verhaftet, u. Verhaftung u. Widerruf wechselten von 1616–1627, wo er am 12. Augustin Erfurt starb. Einer seiner vorzüglichsten Anhänger war sein Neffe Ezechiel Meth, s.d. Er schr.: Zehn christliche u. gottselige Tractätlein, Danz. 1621; 3) s. Stieffel.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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