Waid

Waid

Waid, die Pflanzenart Isatis tinctoria, welche zum Blaufärben dient, vom Indigo aber neuerer Zeit theilweise verdrängt worden ist, so daß gegenwärtig der W. nur noch zum Wollefärben verwendet wird. Der W. ist zweijährig u. treibt im eisten Jahre nur große eirunde, auf der Erde ausgebreitete, ausgezahnte, spitzige u. blauangelaufene Blätter u. eine rübenförmige, tief in die Erde gehende Wurzel. Erst im zweiten Jahre kommt der gerade Blüthenstängel, welcher 3–4 Fuß hoch u. mit stängelumfassenden, pfeilförmigen, wechselweisen Blättern besetzt ist, zum Vorschein, im Mai u. Juni erfolgt die gelbe kleine Blüthe, welche platte u. längliche Schoten hinterläßt, die bei der Reife glatt u. schwärzlich werden. Der eirunde Samen ist gelb. Der W. kommt wild am Mittelmeere u. zuweilen auch in Deutschland vor; er wurde sonst in ganz Europa, bes. in Frankreich, wird aber auch jetzt noch in Thüringen, der Lausitz u. im Brandenburgischen gebaut. Er kann als Winter- u. Sommergewächs angebaut werden u. kommt in zwei Abarten vor: Gemeiner Deutscher u. der gesuchtere Lauguedocker od. Französische W. Der W. ist gegen die Witterung sehr dauerhaft u. gedeiht am besten in lockerem, kalkhaltendem, düngkräftigem Lehmboden, welcher nicht naß ist, tiefe Krume u. warme Lage hat. Am zuträglichsten ist dem W. völlig zergangener Rindviehmist, wogegen ihm Schaf- u. Pferdemist schaden. Sommerwaid wird Anfangs April, Winterwaid Mitte August od. Ende Sept. in 12–15 Zoll von einander stehende Reihen gesäet, wozu man 3–4 Berliner Metzen Samen auf den Morgen braucht; Winterwaid ist ergiebiger als Sommerwaid. Zum Samen läßt man von der Herbstsaat die vollkommensten Pflanzen stehen, od. zieht den Samenwaid auf besonderen Beeten. Die Samen reisen im August, was man an der dunkeln Olivenfarbe der Samenkapseln erkennt, wo dann die Stängel abgeschnitten u. auf einem lustigen Boden getrocknet werden. Entweder streift man den Samen mit den Händen ab od. klopft ihn mit einem Stock aus u. hebt ihn in der Spreu an einem trocknen, rauchfreien Orte auf Vollkommener Same muß eine dunkelrothe Farbe haben, voll u. schwer sein. Er bleibt zwar mehre Jahre keimfähig, doch wendet man lieber frischen Samen an, welcher schneller keimt. Zur Waidfarbe dienen die Blätter; sobald sie über eine Spanne lang sind, werden sie mit dem Waideisen, einem scharfen gekrümmten Eisen, nahe über der Wurzel abgestoßen u. gesammelt. Dies geschieht bei günstiger Witterung des Jahres dreimal, die dritte ist die schlechteste. Sobald die Blätter wieder ausgeschlagen sind u. ungefähr dieselbe Größe erlangt haben, wird das Abstoßen wiederholt. Der durchschnittliche Ertrag eines Magdeburger Morgens ist 160 Cntr. grüne od. 20 Ctnr trockne Blätter. Die gesammelten Blätter werden gewaschen, getrocknet, in einer Mühle (s. Waidmühle) gemahlen, wieder angefeuchtet, nach 24 Stunden zu kleinen Ballen geformt, auf Horden getrocknet u. wiederholt angefeuchtet. So werden sie an Waidhändler verkauft. Diese schütten den W. auf große, zwei Fuß hohe Haufen u. feuchten ihn an, damit er in eine stärkere Gährung übergehe, wodurch das im W. enthaltene blaue Pigment seine Vollkommenheit bekommt. Wird die Gährung zu stark, so wird der Haufen auseinandergerissen u. dann wieder zusammengeschaufelt. Das Begießen des Haufens[758] mit weichem Wasser wird drei od. mehre Mal wiederholt, bis der W. weder Dampf noch Geruch mehr von sich gibt. Der so präparirte u. getrocknete W. wird gesiebt, vollends gerieben u. so an die Färber verkauft. Zu Anfange des 17. Jahrh. gab es die meisten Waidbauer in Thüringen, wo die Städte Langenfalze, Erfurt, Gotha, Arnstadt u. Tennstädt Waidstädte hießen, wo ein besonderer Waidherr, ein Rathsherr, welcher die Aufsicht über die Waidbereitung u. Waidfärberei hatte, war. Man hatte daselbst auch obrigkeitliche Gesetze, nach welchen man sich beim Waidbau u. bei der Waidbereitung richten mußte.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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