Meßtisch

Meßtisch

Meßtisch, ein im Jahre 1590 von Prätorius in Altdorf bei Nürnberg erfundener, seitdem aber wesentlich veränderter u. verbesserter Apparat für Feldmessungen. Das Meßtischgestelle muß sich auf jeder Art geneigtem Boden leicht u. doch fest u. sicher aufstellen lassen, u. es sind hierzu die drei Beine desselben mit eisernen Schuhen versehen. Jedes Bein läuft nach oben etwas stärker an, ist hier walzenförmig abgerundet u. paßt in eine ähnliche Vertiefung des Gestellkopfes, mit welchem es durch Charniere drehbar jedoch so verbunden ist, daß diese Drehung auch gehemmt werden kann. Das Meßtischblatt (Mensel) ist ein vorzüglich gearbeitetes Reißbret von etwa 2 Fuß Quadratseite, welches aus einem Rahmen u. mehren Schichten von rechteckigen gut ausgetrockneten Ahorn- od. Lindenholzplatten zusammengesetzt wird. Die Verbindung des Blattes mit dem Meßtischgestelle geschieht durch Schrauben, welche die untere Seite der Mensel vermittelst drei in Form eines gleichseitigen Dreiecks gestellter versenkter Schraubenmuttern, durch drei ebenso gestellt gebohrte Löcher mit einem dem Ende einer Trompete in Form u. Größe ähnlichen stark gearbeiteten Messingstück verbinden, welches inwendig kegelförmig ausgebohrt u. genau winkelrecht zu dieser Kegelachse an beiden Enden abgeschnitten auf einen hierzu genau passend gearbeiteten Messingkegel aufgesteckt wird, so daß sich nunmehr das Meßtischblatt wagerecht zur Achse dieses Kegels um diesen herum drehen, vermittelst eines Klemmringes aber auch feststellen läßt. Der Messingkegel steht senkrecht[175] auf einem dreiarmigen Fußgestelle, durch welches drei Schrauben hindurch gehen, die mit dem andern Ende auf einer Platte ruhen, welche auf der untern Seite in der oben angegebenen Weise mit den Meßtischbeinen verbunden ist u. die horizontale Stellung des Tisches erleichtern. Die Verbindung zwischen letzter Platte u. dem darüber gestellten Kegelfuße wird bewirkt durch eine metallene Nuß, die in eine Höhlung der Platte eingreift u. in dieser sich nach allen Seiten hin bewegen läßt. Sie bedingt die vertikale Stellung des Tisches u. läßt sich durch eine Schraube in jeder gewünschten Lage ebenfalls feststellen. Für den Gebrauch wird das Meßtischblatt mit starkem Papier beklebt, auf welchem die Aufnahme kartirt wird. Über die Anwendung des M-es s.u. Aufnehmen D). Zu militärischen Aufnahmen nach dem Coup d'oeil, bes. dem Crocquiren, benutzt man die Campagnemeusel (Planchet), sie besteht aus zwei länglichen viereckigen Bretern, welche durch Charniere zum Zusammenklappen eingerichtet sind. Auf ihrer Oberfläche sind gewöhnliches Pergament- od. Blechstreifen befestigt, unter die ein Blatt Papier beliebig untergeschoben werden kann. Diese Campagnemensel wird nun entweder an einem, mit einem Stachel zum Einstechen in die Erde versehenen starken Stock mittelst irgend einer Vorrichtung, welche dem Stativ ähnelt, befestigt, od. auf bequeme, erhabene Punkte, Baumstämme, Geländer u. dgl., od. auch nur auf die bloße Erde aufgelegt. Über den Gebrauch der Campagnemeusel s.u. Militärisches Aufnehmen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Meßtisch — (Mensel), Feldmeßinstrument für topographische Geländeaufnahmen (s. Aufnahme), besteht aus dem Fußgestell und dem Kopf. Breithaupts Normalmenselapparat mit Kippregel. Ersteres, aus Holz, besteht aus drei unten mit zugespitzten Eisenschuhen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Meßtisch — Meßtisch, Mensel, Feldmeßinstrument, ein auf einem Stativ S [Abb. 1171] horizontal aufgestelltes, mit Zeichenpapier bespanntes Reißbrett R, auf dessen Fläche durch ein mit Visiervorrichtung vv versehenes Lineal L Richtungslinien aufgezeichnet… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Meßtisch — Meßtisch, das mit Zeichenpapier überzogene Zeichnungstischchen der Feldmesser, das mit 3 beweglichen Füßen versehen ist, und durch Schrauben horizontal gestellt werden kann. Nachdem der Feldmesser die Ecken des zu messenden Feldes mit… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Meßtisch — matavimo stalas statusas T sritis fizika atitikmenys: angl. instrument table vok. Meßtisch, m rus. измерительный стол, m pranc. table de mesure, f …   Fizikos terminų žodynas

  • Meßtisch — Ein Messtisch ist ein (historisches) Hilfsmittel des Geodäten oder Topografen, der aus Holz besteht und auf seiner Oberfläche planar gearbeitet ist. Dieser wird auf ein dreibeiniges Messstativ aufgeschraubt. Auf dem Messtisch findet das… …   Deutsch Wikipedia

  • Meßtisch — Messtisch …   Deutsche Rechtschreibung Änderungen

  • Meßtisch — Messtisch …   Wörterbuch Veränderungen in der deutschen Rechtschreibung

  • Meßtisch, Meßtischaufnahme — Meßtisch, Meßtischaufnahme. I. Der Meßtisch (mensula, Mensel), ein Zeichentisch T (Fig. 1), der auf einem Stativ S über einem Messungspunkte horizontal aufgestellt werden kann. Durch ein Lineal L mit der Absehvorrichtung a a können die… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Meßtisch, der — Der Mếßtisch, des es, plur. die e, Diminut. das Meßtischchen, Oberd. Meßtischlein, von dem Zeitworte messen, ein kleines vierecktes Tischchen, die Weiten und Höhen damit zu messen; Mensula Praetoriana, von dem Erfinder Prätorius, einem Lehrer der …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Aufnehmen [2] — Aufnehmen (Meßk.), einen Naturgegenstand durch perspectivische Durchschnitts od. bes. Grundrißzeichnung darstellen. Man denkt sich in letzterem Falle das Auge lothrecht über jedem einzelnen projectirten Punkt des Risses, in der Vogelperspective,… …   Pierer's Universal-Lexikon

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