Wollenzeuge

Wollenzeuge

Wollenzeuge, gewebte Stoffe aus Schafwolle, vgl. Wollenmanufactur. Man unterscheidet: I. Tuch u. tuchartige Zeuge (s. b.), welche aus lockerem Garn gewebt sind u. bei welchen die Wolle nach dem Weben durch das Walken zusammengefilzt wird; auch werden sie gerauhet u. geschoren; II. Kammwollene Zeuge, glatte W. od. W. im engeren Sinne, welche nicht gewalkt, dünn, glatt u. aus Kammwolle (vgl. Wollspinnerei II.) verfertigt sind. Die Kette ist bei einigen von Baumwolle od. Seide; ist sie von Kammwolle, so wird sie vor dem Aufbäumen geleimt, sofern die Zeuge wegen der Farbe etc. das spätere Auswaschen des Leimes vertragen; der Schuß wird meist naß verarbeitet u. ist öfters aus Streichgarn. Manche W. werden nach dem Weben blos noch zusammengelegt u. gepreßt; andere erfordern eine Appretur, welche je nach den Umständen im Noppen aus freier Hand od. auf einer Maschine, im Sengen, am besten mittelst[343] einer Weingeistflamme, im Auswaschen unter Waschhämmern, im Scheren, Steifen mit Leimwasser (Appretiren im engeren Sinne), Kareien, Mangen od. Kalandern, kalt od. warm Pressen besteht. Die Namen u. Beschaffenheit der W. stehen unter dem Einfluß der Mode; die Hauptarten sind: A) Glatte Stoffe: a) Camelot od. Kammlotte, s.d.; b) Orleans, zu Damenkleidern; Kette zweifädig gezwirntes Baumwollengarn, Schuß einfaches Kammwollgarn; wird im rohen Zustande gesengt, gewaschen, gefärbt, geschoren u. warm gepreßt. c) Berkan, (Perkan od. Barrakan, s.d.), Kette sehr fest gezwirntes zweifädiges, Schuß drei- bis sechsfädig gezwirntes Kammgarn, beim Weben sehr stark geschlagen; durch Kalandern gewässert heißt er Moiré od. Moor, s.d. 1); d) Bombassin, s.d.; e) Beuteltuch, s.d.; f) Krepp od. Crepon, s.d.; g) Wollener Stramin (Wollene Stickgaze), s. Stramin 2); h) Wollenmusselin, s.d.; i) Chaly, s.d. Wenig od. gar nicht mehr kommen vor: der Etamin, Stamin, Tamis od. Damis, der Grosgrain, der Quinet, der Polemit od. Konzentzeug. B) Geköperte Stoffe: a) Geköperter Wollmusselin; b) Merinos u. Kaschmir, s.d.; c) Paramatta, dreifädiger Köper aus baumwollener Kette u. kammwollenem Schuß; auf der rechten Seite ist vorwiegend die Wolle sichtbar; steht dem Halbmerino sehr nahe. d) Serge od. Sarsche, s. b.; eine geringe Sorte wird aus kammwollener Kette u. streichwollenem Schuß mit vierschäftigem beidrahtenem Köper gewebt, schwach gewalkt, ohne Rauhen auf der rechten Seite geschoren u. kalt gepreßt. e) Rasch, s.d.; seiner Rasch kam sonst unter dem Namen Chalon u. Soy vor. f) Wollener Atlas, als Kleiderstoff, fünfbindiger Atlas aus Kammwolle, Schuß seiner u. schwächer gedreht, auf der rechten Seite flott liegend; ähnlich war sonst der Calmang. g) Lasting od. Prunelle, fünfbindiger Atlas aus Kammwolle, Kette zwei- od. dreifädig, auf der rechten Seite flott liegend; Schuß einfach. h) Öltuch od. Ölpreßtuch, grobes dickes Gewebe, in welchem die Ölsamen ausgepreßt werden; vierschäftiger, auf beiden Seiten gleicher Köper aus zwei- bis zwölffädig gezwirntem Kammgarn. C) Gemusterte Stoffe. Die Beinkleiderzeuge haben meist Köperstreifen od. andere kleine Muster (Fußarbeit); die Westenzeuge sind oft mit Baumwolle od. Seide gemischt, z.B. der Tollinet, s.d.; zu Kleider- u. Mantelstoffen für Damen dienen u.a. gemusterte Tibets, Alpakolibels mit Kette von Pakoshaar (s.u. Lama), Chaly mit lancirten od. aufgeschweiften Mustern. Wollener, halbwollener u. Doppeldamast, letzter als Doppelgewebe, wollene Shawls, Schuhkord (s. Stramin 4). D) Sammetartige Stoffe: Wollener Sammet u. Plüsch, s. b. E) Teppiche, s.d.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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