Fortepiāno

Fortepiāno

Fortepiāno (ital.), 1) clavierähnliches Tasteninstrument, dessen Mechanismus darin besteht, daß die Tasten nicht unmittelbar an die Saiten schlagen, sondern Hämmer in die Höhe heben, die einen einzigen Schlag an 2 od. 3 in denselben Ton gestimmte Saiten (zwei- u. dreichörig) geben u. dann wieder niederfallen. Diese Hämmermechanik ist jetzt sehr hoch ausgebildet zu Gunsten der Stärke des Tones, der Kraft des Anschlages u. der Dauer. Man hat deutsche u. englische Mechanik, auch besondere Mechaniken einzelner Erbauer. Der Hauptunterschied zwischen englischer (welche im Grunde nichts anders als die verbesserte Silbermannsche Mechanik ist) u. deutscher Mechanik besteht darin, daß bei der ersteren der Hammer wirklich von einem Stößer gehoben wird, während bei der deutschen der Hammer vermittelst der Tasten gleichsam unter einen Stößer (Heber) gehoben wird, welcher ihn dann hinten am Stiele zurückhält u. so bewirkt, daß er in seiner eigenen Achse (der Docke od. Kapsel) sich vorn noch höher bis unter die Saiten hebt. Das äußere Kennzeichen der englischen Mechanik ist, daß die Claviatur unmittelbar auf dem Boden des Kastens ruht, während sie bei der deutschen gegen 2 Zoll höher auf Stützen od. Schiebern liegt, der ganze Kasten also auch höher gebaut ist, als bei Anwendung der englischen Mechanik. Bei beiden erfolgt der Hammerschlag von unten. Andere Mechaniken, bei denen der Hammerschlag von oben erfolgt od. die Saiten unter dem Resonanzboden liegen, haben sich in der Praxis nicht bewährt, indem der dadurch erzeugte reinere Ton nur mit Erschwerung des Spiels od. der Stimmung erzielt werden konnte. Durch einen besonderen Zug (Pianozug) kommt zu dem gewöhnlichen Dämpfer (s.d. 2) noch ein anderer hinzu, od. die Reihe der Hämmer wird so verschoben, daß dieselben statt der drei gleichtönenden Saiten nur eine derselben anschlagen, u. das Instrument wird dadurch sanfter u. leiser in seinem Ton. Durch den Fortezug wird auch der gewöhnliche Dämpfer aufgehoben u. der Ton wird stark u. rauschend. In älterer Zeit hat man zu diesen Zügen noch andere gesetzt, gis Flötenzug, Guitarrezug, Fagottzug, die durch eine Dämpfung anderer Art hervorgebracht werden, auch Nachahmungen der Janitscharenmusik u. großen Trommel hat man im F. dadurch erlangt, daß durch einen Zug ein Klöppel an den Resonanzboden schlägt u. zugleich ein klirrender Zug in Bewegung gesetzt wird. Doch sind F. dieser Art selten dauerhaft, u. man baut sie daher jetzt nicht mehr. Der Tonumfang erstreckt sich gewöhnlich vom Contra-C bis chromatisch zum viermal gestrichenen g od. a. Die F-s sind tafelförmig (Tafel-F.) od. flügelförmig (Flügel-F.); auch hat man Giraffe od. stehende F-s, Pianinos u. sogenannte Kabinetflügel, in welchen die Saiten senkrecht stehen, so daß der längere, die Saiten enthaltende Theil des Instrumentes die Stube nicht verengt, sondern an der Wand schrankartig sich erhebt. Die größere Fülle des Tons, welchen die Flügel vor den tafelförmigen Instrumenten bei vollkommen so sorgfältigem Bau voraus haben, beruht theils auf dem weiteren Raume im Innern des Instrumentes, theils auf dem Anschlage des Hammers, welcher die drei zusammengehörigen Saiten gleichförmiger trifft, weil diese in der Richtung der Tasten gezogen sind, während bei den tafelförmigen Instrumenten die Richtung der Saiten eine die der Tasten schneidende ist u. ein enges Zusammendrängen der Saiten erfordert, welches die Farbe des Klanges beeinträchtiget. Vorderstimmige F. haben die Stimmnägel vorn, parallel mit den Tasten, hinterstimmige hinten nach der Rückwand des Kastens. Erfinder des F., aber wegen Armuth nicht der erste Erbauer, war Christoph Gottlieb Schröter, Organist in Nordhausen; 1717 erklärte er seine Idee durch ein nach Dresden geschicktes u. dort geprüftes Modell, nach welchem Gottfried Silbermann das erste F. baute. Lenker in Rudolstadt erfand 1765 die Dämpfung; viele Instrumentmacher allerwärts brachten Verbesserungen u. Veränderungen im Inneren u. Äußeren an. Um die Vervollkommnung der F. hat sich in neuester Zeit namentlich Erard in Paris verdient gemacht (Erardsche Flügel). 2) Abbreviatur sp.. bedeutet, eine Note stark angefangen u. schwach fortgesetzt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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