Scultētus [2]

Scultētus [2]

Scultētus (Scultet, Schultetus), 1) Barth., eigentlich Schulz, geb. 1540 in Görlitz; war erst Privatdocent der Mathematik in Wittenberg, wurde 1570 Conrector in Görlitz, bekleidete mebre Stadtämter, war sechsmal Bürgermeister, entwarf 1581 eine Karte der Oberlausitz, dann auf Veranlassung der einige Zeit darauf durch Görlitz gehenden russischen Gesandtschaft eine Karte von Moskau. Vom Kaiser Rudolf 1577 wegen der Kalenderreform zu Rathe gezogen, gab S., nachdem er sich mit Clavius in Rapport gesetzt hatte, 1598 einen verbesserten Kalender heraus. welchen auf Befehl des Kaisers Görlitz u. mehre Städte annahmen (zu Görlitz 1601 gedruckt); S. st. 1614 in Görlitz. Er schr.: Inventuris non obstant inventa, Görl. 1572, 1584, 1583; Gnomonice s. de solariis. ebd. 1572; Descriptio cometae anno 1577, ebd. 1578; Curriculum humanitatis Domini nostri Jesu Christi in terris, ebd. 1580, Frankf. a.d. O. 1600. 2) Abraham, geb. 24. Aug. 1566 zu Grüneberg in Schlesien, studirte seit 1588 in Wittenberg u. seit 1590 in Heidelberg Theologie, wurde 1594 reformirter Prediger in Schriesheim bei Heidelberg u. bald darauf Schloßcaplan in Heidelberg, 1598 Pfarrer an der Barfüßerkirche daselbst, 1600 Kirchenrath, wie auch Pfarrer u. Schulinspector, u. begleitete 1610 den Fürsten Christian von Anhalt in den Jülichschen Krieg; er wurde 1614 Hofprediger u. ging an den Hof des Kurfürsten Johann Sigmund von Brandenburg, um denselben bei der Kirchenordnung seines Landes zu berathen; 1618 wurde er Professor der Theologie in Heidelberg u. begleitete den Kurfürsten Friedrich V., welcher zum König von Böhmen gewählt worden war, nach Prag; nach dem Sturz Friedrichs floh S. aus Prag u. lebte in Bretten u. Schorndorf im Württembergischen, wurde 1622 Prediger in Emden u. st. hier 24. Oct. 1624. Er gehörte zu den bedeutendsten reformirten Theologen seiner Zeit u. zeichnete sich bes. durch Milde in seinem Urtheil über die Lutheraner aus. Gegen viele wider ihn erhobene Beschuldigungen vertheidigte er sich in seiner Schrift: De curriculo vitae narratio apologetica, Emden 1625, u. schr. u.a.: Kirchenpostille, 1611 u.ö., auch in mehre Sprachen übersetzt: Medulla theologiae patrum, Neust. u. Heidelb. 1605–13, 4 Thle.; Annales evangelii, 2 Dekaden (1516–26 u. 1526–36), Heidelb. 1618 u. 20; Ethica; Sphaerica etc. 3) Johann, geb. 1595 in Ulm; studirte in Padua Medicin, prakticirte dann dort, in Venedig u. in Ulm u. st. in Stuttgart 1645; er schr.: Armamentarium chirurg., Ulm 1653, Frankf. 1666 (fast in alle Sprachen Europas übersetzt), u. erfand eine vielköpfige Binde (Scultetsche Binde), die bewegliche Säge, womit bei der Trepanation die einzelnen [714] Knochenbänder durchschnitten werden, u. mehre Instrumente zum Ausziehen fremder Körper aus Schußwunden. 4) Andreas, aus Bunzlau gebürtig; studirte seit 1639 auf dem Gymnasium in Breslau u. st. um 1642, ehe er noch der Universität angehörte. Er schr. das Gedicht: Österliche Triumphposaune, Bresl. 1642, herausgeg. von Lessing nebst einigen seiner auf der Universitätsbibliothek zu Wittenberg gefundenen Gedichten, Braunschw. 1771; Nachlese dazu von Lachmann, Berl. 1774, u. von Scholz, ebd. 1783. Vgl. Müller, Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh., Bd. 9.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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