- Laufen [1]
Laufen, 1) (Rennen), willkürliche Fortbewegung des Körpers auf den Füßen, wobei durch schnelles abwechselndes Vorwärtswerfen der Füße (nicht blos Vorwärtssetzen derselben, wie beim Gehen) die Bewegung bedeutend beschleunigt wird, ohne die Kräfte durch zugleich verbundenes Springen zu sehr zu erschöpfen. Bei Vierfüßlern, welche im gewöhnlichen Gange (im Schritt) ihre vier Füße nach einanderin Wechsel vorwärts setzen, ist der Trab die natürliche Gangart, ihr L. dagegen, das Galoppiren u. Carrierelaufen, ein fortgesetztes Springen vorwärts. Der Mensch ist zum L., bes. durch die Gelenkigkeit der einzelnen Fußtheile, bes. auch der des Plattfußes, organisirt. Eigentlich ist L. des Menschen ein fortgesetztes Vorwärtsfallen, wobei nur der Schwerpunkt des Körpers immer von Neuem durch den vorwärts bewegten Fuß aufgefangen wird, doch nur für so kurze Zeit, als es deren eben bedarf, um einen momentanen Stützpunkt für die Körperlast zu erhalten. Die mehrste Muskelanstrengung beim Laufen erfordert der erste Schritt, obgleich diese, da noch keine Anstrengung vorher ging, eben nicht fühlbar ist. Die ferneren Bewegungen des L-s werden schon durch das einfache physikalische Gesetz erleichtert, daß jeder, auch in horizontaler Richtung bewegte Körper einen Theil seiner Schwere u. zwar im Verhältniß der Schnelligkeit der Bewegung verliert. L. hat beim Menschen eine Vermehrung des Herz- u. Pulsschlags, Beschleunigung des Blutumlaufs, vermehrte Wärme, Schweiß u. ängstliches Athmen zur Folge. Um letzter Utsache willen ist der Mensch, im Verhältniß zu den Thieren, ein schlechter Läufer. Wilde nehmen es zwar hinsichtlich der Schnelligkeit wohl auch mit schnellfüßigen Thieren auf, aber nicht auf die Dauer. Die Athmungsbeschwerden dabei steigern sichbald bis zur Athemlosigkeit. Dieser Zustand würde, nicht unterbrochen, tödtliche Folgen haben, mit welchem eine Auflösung u. Verderbniß der Säfte verbunden ist, wie dies auch bei zu Tode gehetzten Thieren beobechtet wird. Die Fähigkeit, das L. lange auszuhalten, ohne daß dieser exaltirte u. dadurch zu baldiger Erschöpfung führende Zustand eintritt, ist ein Zeichen voller Lebenskräftigkeit. Was nun den Körper an sich beengt, wie große Fettheit (auch abgesehen von der dadurch bewirkten Vermehrung der Körperlast), od. in einen Schwächezustand versetzt u. sonst Kräfte in Anspruch nimmt, wie die Verdauung einer reichlichen Mahlzeit, bes. Beingung der Brust durch Krankheitsanlagen, hindert das L. u. nöthigt, in kurzer Zeit davon abzustehen. Vgl. Milzstechen; 2) bei einem Schiffe, statt fahren, segeln. Laufra lassen, ein Segel, die Falle loswerfen, damit das Segel seiner eigenen Schwereüberlassen mit der Raa längs des Mastes herabgleitet; 3) von einem Wechsel; von dem Tage, wo er ausgegeben wird, bis zum Verfalltage, wenn er sich in andern Händen befindet; daher: er hat so u. so lange zu laufen; 4) von Aalen, Junge gebären.
Pierer's Lexicon. 1857–1865.