Napier

Napier

Napier (spr. Nehpihr od. Nehpjer), 1) John N. (gewöhnlich Neper, auch Nepper), Baron von Merchiston, geb. 1550 zu Merchiston in Schottland u. st. daselbst 1617; er ist bes. als einer der Erfinder der Logarithmen bekannt, auch wegen seiner Angabe der nach ihm benannten Neperschen Stäbe (s.u. Bacillen 1); er schr.: Mirifici logarithmorum canonis descriptio, Edinb. 1614, vermehrt ebd. 1618, auch Leyd. 1620; Trigonometria britannica, Gonda 1633, Fol.; Arithmetica logarithm. Vlaccii, ebd. 1628, Fol.; Rhabdologia, Edinb. 1617, auch Leyd. 1626 u. 28; Commentarius in apocalypsin, ebd. 1593, Lond. 1611 (deutsch Frankf. a. M. 1616); vgl. M. N. Memoirs of John N., Lond. 1834. 2) Charles James, geb. 10. Aug. 1782 in Whitehall bei London; trat 1794 in die englische Armee u. war zur Zeit des Krieges auf der Pyrenäischen Halbinsel Major, focht bei Corunna u. wurde gefangen u. machte nach seiner Auswechslung die Schlacht bei Busaco mit. Nach dem Frieden wurde er Gouverneur auf den Ionischen Inseln, von wo er jedoch wegen seiner zu weit gehenden Verbesserungspläne abberufen wurde. Er ging nun nach Ostindien, wo er General in Diensten der Ostindischen Compagnie wurde. 1843 in Sind befehligend, gewann er am 17. Febr. die Schlacht bei Miani, eroberte am 20. Febr. die Stadt Hyderabad u. unterwarf die Emire von Sind, worauf er 13. März zum Generalgouverneur von Sind ernannt wurde. Da der Krieg gegen die Sikhs, welche am 4. Dec. 1845 u. am 18. Jan. 1846 den Sudledge überschritten hatten, gefährlich zu werden drohte, so wurde N. aus Sind zur Unterstützung der Hauptarmee nach Feruzpor gerufen, fand aber bei seinem Eintreffen die Arbeit durch die Siege des Generals Hugh Gough bereits gethan. Er kehrte nach England zurück. Im Jahr 1849 an Hugh Goughs Stelle als Oberbefehlshaber nach Indien, berufen ging er am 24. März von London über Ägypten nach Indien ab, fand aber bei seiner Ankunft den Krieg bereits siegreich beendet. Mißverhältnisse mit den Offizieren, denen seine dienstliche Strenge mißfiel, ließ ihn die Niederlegung seiner Stelle wünschen, u. das Directorium der Ostindischen Compagnie erwählte am 18. Sept. 1850 den General Sir William Gomm zu seinem Nachfolger. N. kehrte darauf nach England zurück u. st. am 25. Aug. 1853 auf seinem Landsitze Oakland bei Portsmouth. Er hinterließ mehre Werke über Colonien, Colonisation u. Militärgesetzgebung. Ihm wurde 1856 auf dem Trafalgar-Square in London eine Bronzestatue errichtet. Vgl. W. Napier, The life and opinions of General Sir Charles James N., Lond. 1857 f., 4 Bde. 3) Sir George Thomas, Bruder des Vorigen, geb. 1784, trat 1800 in die Armee, zeichnete sich in den Spanischen Feldzügen aus, wurde 1810 in der Schlacht bei Busaco verwundet, konnte erst 1813 wieder zum Heer gehen, nahm an der Schlacht von Toulouse 1814 Theil, wurde 1837 Generalmajor u. war 1838–44 Gouverneur der Capcolonie, wo er sich namentlich durch seine Maßregeln gegen die Kaffern einen Namen machte, die Volksschulen verbesserte u. die Municipalverfassung einführte. 1848 erhielt er vom König Karl Albert von Sardinen das Commando der sardinischen Armee übertragen, lehnte es aber ab, erhielt 1854 den Titel als General, lebte dann in Genf in Zurückgezogenheit u. st. daselbst 8. Sept. 1855. 4) Sir William Francis Patrick, Bruder des Vorigen, geb. 1785 in Castletown bei Dublin, trat 1799 in ein irisches Artillerieregiment, wurde dann Offizier bei der Infanterie, nahm 1807 als Eapitän an der Expedition gegen Kopenhagen Theil, zeichnete sich während der Spanischen Feldzüge aus, wurde in der Schlacht an der Coa 24. Juli 1810 verwundet, kränkelte dann lange Zeit, wurde 1819 auf Halbsold gesetzt u. beschäftigte sich von da an vorzugsweise literarisch, auch mit Malerei u. Sculptur; er wurde 1830 Obrist u. 1841 Generalmajor, war 1842–48 Gouverneur der Inseln Guernsey u. Alderney, wurde 1851 Generallieutenant, 1859 General u. st. 12. Febr. 1860 in seinem Landhause in Clapham Park. Er schr.: History of the war in the Peninsula, Lond. 1828–40, 6 Bde.; Life and opinions of Sir Charles James N., ebd. 1857 f., 4 Bde. 5) Sir Charles N., Cavaliere de Ponza u. Visconde de Cabo de San-Vincente, Vetter des Vorigen, geb. 6. März 1786 zu Falkirk in der schottischen Grafschaft Stirling, trat jung in Seedienste, war 1808 Capitän, eroberte 1809, als Flottencapitán, Fort Edward auf der Insel Martinique, wohnte als Freiwilliger mehren Gefechten des Spanischen Krieges, namentlich 1810 der Schlacht bei Busaco, bei, überfiel 1811 die Insel Ponza auf der Rhede von Gaëta u. wurde dafür vom König Ferdinand als Cavaliere di Ponza in den neapolitanischen Adelstand erhoben; 1813 wurde er Fregattencapitän u. behielt das Commando der Galathea bis 1832. Während der Zeit saß er mehrmals im Parlament u. stimmte mit den Wighs. 1833 erhielt er von seiner Regierung Erlaubniß, die Flotte Don Pedros gegen Don Miguel als Admiral zu führen; er kam im Juni d.i. in Portugal an, nahm am 27. Juni das Fort Cocillas in Algarbien, entriß diese ganze Provinz den Miguelisten in vier Tagen, griff am 5. Juli d.i. die miguelistische Flotte auf der Höhe des Vorgebirges von San Vincente an, war der erste auf dem geenterten feindlichen Admiralschiff Mainha u. erfocht einen vollständigen Sieg, welcher die Einnahme Lissabons durch den Herzog von Terceira zur nächsten Folge hatte. Don Pedro ernannte ihn zur Belohnung zum Visconde de Capa de San Vincente. Nach dem Frieden ging er als englischer Capitän auf Halbsold nach London zurück, doch ließen ihn die Tories nicht wieder ins Parlament kommen. Im Jan. 1840 erhob ihn die Königin zum Ritter. Im Dec. d.i. commandirte er unter Admiral Stopford die britischen Schiffe an der Syrischen Küste, übernahm nach dessen Erkrankung als Commodore das Commando ganz u. schloß als solcher 1841 den Vertrag mit Mehemed Ali; 1846 wurde er Contreadmiral u. erhielt im Mai 1847 das Commando der britischen Flotte im Mittelmeer, welches er drei Jahre lang behielt. Im Jahr 1854 wurde er an die Spitze der[670] Ostseeflotte gestellt, nach Verlauf der vergeblichen Fahrten im Bottnischen u. Finnischen Meerbusen jedoch dieser Stelle wieder enthoben u. im Nov. auf Halbsold gesetzt, aber 1857 zum Admiral der Blauen Flagge ernannt. Er betheiligt sich als Whig an den parlamentarischen Kämpfen u. unterhält Verbindungen mit der Manchesterschule. Bei den Verhandlungen der Friedensfreunde im Jahre 1853 war er mehrfach anwesend u. immer unter den Rednern der originellste. 6) Francis, Lord N., geb. 13. Oct. 1786, war Marinecapitán u. Peer für Schottland, später englischer Commissär in Canton, gerieth mit den Chinesen in ernste Differenzen u. sollte abberufen werden, als er 11. Oct. 1834 in Macao am Fieber starb.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Napier — may refer to: Contents 1 People 2 Places 2.1 Antarctica 2.2 …   Wikipedia

  • Napier — steht für: Napier Son, britischer Hersteller von Autos und Flugzeugmotoren Robert Napier Sons, eine britische Werft Napier University in Edinburgh Napier 7096, Komet Orte in Neuseeland: Napier (Neuseeland) in Südafrika: Napier (Südafrika) in den… …   Deutsch Wikipedia

  • Napier [2] — Napier (spr. nēpĭ ĕr), 1) John (meist Neper, Nepper, Nepair), Gutsherr von Merchiston, Mathematiker, Haupterfinder der Logarithmen, geb. 1550 in Merchiston Castle bei Edinburg, gest. daselbst 4. April 1617, studierte im College von St. Andrews… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Napier [2] — Napier (spr. nehpĭer), Sir Charles, brit. Admiral, geb. 6. März 1786 zu Falkirk, 1832 im Dienste Dom Pedros, erfocht 5. Juli 1833 den Seesieg beim Kap St. Vincent über Dom Miguel, 1846 Konteradmiral im engl. Seedienst, 1854 Oberbefehlshaber der… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Napier [1] — Napier (spr. nēpĭ ĕr), Hauptstadt der Provinz Hawkesbai auf der Nordinsel der britisch austral. Kolonie Neuseeland, an der Südküste der Hawkesbai, durch Eisenbahn mit Wellington verbunden, mit dem Hafen Port Ahuriri, für Schiffe von 3000 Ton.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Napier — (spr. nehpĭer), Seestadt auf der Nordinsel Neuseelands, an der Hawkebai, (1901) 8775 E …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Napier [3] — Napier (spr. nehpĭer), Sir Charles James, brit. General, geb. 10. Aug. 1782 zu London, 1841 47 siegreicher Oberbefehlshaber über die Armee in Sindh und Belutschistan, 1849 51 wieder Oberbefehlshaber in Ostindien; gest. 29. Aug. 1853 zu Oaklands… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Napier [4] — Napier (spr. nehpĭer), John, auch Neper, Mathematiker, geb. 1550, gest. 4. April 1617 zu Merchiston; erfand die Logarithmen und die Napierschen (Neperschen) Rechenstäbchen (für Multiplikation und Division) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Napier [1] — Napier (Nehpier), John, auch Nepper genannt. geb. 1550, gest. 1617, schott. Lord und Pair, der meistens auf seinen Gütern theologischen und mathematischen Studien lebte, die Logarithmen u. mehre trigonometrische Formeln entdeckte. (Memoirs of… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Napier [2] — Napier, Sir Charles James, geb. 1782 zu London, zeichnete sich als Offizier im Halbinselkriege aus, wurde im Dienste der ostind. Compagnie General, erhielt 1841 den Befehl über das Corps gegen Sind u. Beludschistan u. eroberte von 1842–45 durch… …   Herders Conversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”