Eichendorff

Eichendorff

Eichendorff, eine katholische, in Mähren angesessene Familie. Die E. waren früh im Brandenburgischen begütert, doch starb die Familie im 17. Jahrh. bis auf ein Glied aus. Dieser Eine wendete sich nach Schlesien u. 1676 nach Mähren, wo er in den Freiherrnstand erhoben wurde, u. wo die Familie sich weit ausbreitete, aber zu Anfang des 19. Jahrh. ausstarb, wogegen ein Zweig sich nach Oberschlesien gewendet hatte, wo die E. noch leben u. das Lehen Lehen-Sedlnitz in Mähren besitzen. 1) Freiherr Joseph Karl Benedict, geb. 10. März 1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien, studirte 1805–1808 in Halle u. Heidelberg die Rechte, hielt sich dann längere Zeit in Wien auf, um österreichischer Staatsdiener zu werden, trat 1813 als Freiwilliger in das preußische Heer u. war während des Befreiungskriegs 1813–16 Offizier im Lützowschen Corps, dann im 2. rheinischen Landwehrregiment. Aus Paris, wohin er mit den Verbündeten gezogen war, kehrte er Anfang 1816 in seine Heimath zurück, wurde in Breslau Referendar bei der Regierung, 1821 Regierungsrath in Danzig u. 1824 Regierungs- u. Oberpräsidialrath in Königsberg; 1832 trat er in Berlin in das Ministerium für geistliche, Unterrichts- u. Medicinalangelegenheiten, Abtheilung für das katholische Kirchenwesen, u. wurde 1841 Geheimer Regierungsrath. Seit 1844 zog sich E. aus dem Staatsdienst zurück, lebte abwechselnd in Danzig, Wien, Dresden, Berlin u. seit 1855 in Neisse, wo er 26. Nov. 1857 starb, nachdem ihm seine Gattin, Luise geb. v. Larisch, mit welcher er seit 1814 vermählt war, schon am 3. Dec. 1855 im Tode vorangegangen war. Nach den Freiheitskriegen trat E. zuerst als Schriftsteller auf u. zwar erst als Dichter, später als Literarhistoriker u. Kritiker. Er schloß sich der romantischen Richtung an u. war einer der Hauptvertreter der Romantischen Schule. Bes. als Lyriker ist er glücklich in der Schilderung von Stimmungen der inneren u. äußeren Natur. Manche seiner Lieder sind Volkslieder geworden. Als Kritiker stellte er sich auf den katholischen Standpunkt, jedoch ohne das tendenziöse Wesen der modernen specifisch katholischen Poesie zu billigen. Er schr. zuerst unter dem Pseudonym Florens Gedichte; dann: Ahnung u. Gegenwart, Roman, 1815; Krieg del (Philistern, dramatisches Mährchen, 1824); Graf Lucanor, Roman (aus dem Spanischen des Don Juan Manuel übersetzt), 1824; Novellen (die bekannteste: Aus dem Leben eines Taugenichts, Berl. 1824), 1826, 4. Aufl. 1856; Meierbeths Glück u. Ende, 1848; Ezelin von Romano u. Der letzte Held von Marienburg, zwei Dramen, 1828 u. 1830; Die Freier, Lustspiel, 1833; Dichter u. ihre Gesellen, Roman, 1836; Julian, 1853, Robert u. Guiscard, 1855 (zwei Epopöen); Die Wiederherstellung des Schlosses. der deutschen Ordensritter zu Marienburg, 1844; Über die religiöse u. ethische Bedeutung der neueren romantischen Poesie in Deutschland, 1847; Der deutsche Roman des 18. Jahrh. in seinem Verhältnisse zum Christenthum, 1851; Zur Geschichte des Drama, 1854; Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands, 1856, 2 Bde. Seine poetischen Schriften erschienen gesammelt zuerst 1842, aber unvollständig. Gedichte, Berl. 1837, 4. Aufl. 1856. Er übersetzte Calderons christliche Schauspiele, Stuttg. 1846–55, 2 Bde. 2) Freiherr Hermann, älterer Sohn des Vor., geb. 1815, ist Regierungsassessor in Aachen u. seit 1856 mit Clara geb. Simons vermählt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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