Mandschurei

Mandschurei

Mandschurei, das von dem Amur mit seinen Nebenflüssen durchströmte Gebiet in Asien, welches den nordöstlichsten Theil des Chinesischen Reiches bildet, im Norden von Sibirien, im Westen von der Mongolei, im Süden von Korea, dem Gelben Meere u. der chinesischen Provinz Petschili begrenzt, u. im Osten von dem Japanischen Meere u. dem Tatarischen Golfe bespült wird. Nach dem Hauptstrome hat man die M. auch Amurland, nach dem Hauptstamme der Bewohner Tungusenland,[820] od. im Gegensätze zu dem mongolischen Hochlande (welches man ehemals bisweilen die westliche Tatarei nannte) die östliche Tatarei genannt. Im Ganzen noch wenig erforscht, rechnet man für die M. einen Flächengehalt von 33,000 QM, das jedoch nicht mehr ausschließlich zu China, sondern im Norden mit einem Gebiet von etwa 10,000 QM., gegenwärtig unter dem Namen des Amurlandes zu Rußland gehört. Das ganze weite Gebiet der M. ist sehr gebirgig, im Norden durch das Jablonoigebirge (Khingkan), im Westen durch Glieder der Daurischen Alpen, im Süden auf der Grenze gegen Korea durch das Gebirge Tschanpe-Schan od. Schau-yan-alin, u. an der Ostseite durch das Chikatagebirge. Fast überall sind die Gebirge dicht bewaldet. Das Land ist bewässert vom Amur u. dessen Nebenflüssen: Seja mit Selimga, Burija, Goryn, Omogun im Norden, Kamara, Sungari, Uffuri u.a. im Süden des Amur, ganz im Süden geht der Liaho dem Busen von Petschili zu. Von den vielen Seen ist der im Süden gelegene Hinkasee der bedeutendste. Die meist sehr gebirgige Küste bildet viele Vorgebirge, so Cap Lasarew, Murawiew, Sta. Katharina, Kloster Kamp, Sjurkum, Lesseps, Putiatin u.a., Hut aber trotz ihrer zahlreichen Einbuchtungen, nur wenig gute Häsin, wie in der Castries Bai u. dem Kaiserhafen. Das Klima ist im Allgemeinen kalt u. rauh, u. zwar in weit höherem Grade, als es sich seiner geographischen Lage nach zwischen dem 40° u. 56° nördlicher Breite annehmen ließe, namentlich ist der Winter lang u. streng, der Sommer sehr heiß. Der Boden ist, namentlich in den Niederungen der Flußthäler, fruchtbar u. bringt Getreide, Tabak, Färbepflanzen, Obst, etc., doch besteht bei dem geringen Anbau des Landes der Hauptreichthum in den Waldungen u. den darin hausenden Pelz- u. Jagdthieren, als Bären, Wölfe, Zobel, Marder, Hermeline; auch trifft man Heerden von wilden Eseln u. Auf den Gebirgen Argalis od. Bergschafe; von Hausthieren hat man Pferde, Rindvieh, Schafe u. Ziegen; überreich ist das Land an Fischen in seinen Flüssen. Die Einwohner, deren Zahl man auf 21/2 Millionen schützt, gehören zur Mongolischen Race u. sind theilweise, Mandschu im den Stämmen Humaren, Ghiljaken. Yupi's, theilweise Tungusen; außerdem findet man eingewanderte Chinesen; Mongolen, Jakuten, u.a. Der größere Theil der Bevölkerung lebt als Nomaden u. nährt sich von Viehzucht, Jagd u. Fischerei, nur wenig findet sich Ackerbau. Die wenigen Städte des Landestreiben etwas Handel, meist nur durch Chinesen. Die Hauptreligion ist der Lamaismus. Die Grenze zwischen dem russischen u. chinesischen Antheil an der M. steht noch nicht fest; doch wird das chinesische Gebiet in die drei Provinzen Schingking (Mukden od. Liaotong), Kirin (Keihlin) u. Sachalin-Ula (Tschitschikar) getheilt, das russische Gebiet des Amurlandes gehört zum Generalgouvernement Ostsibirien.

Die Bewohner der Mandschurei haben einst zwei mächtige Reiche gestiftet, das erste derselben die im Jahre 907 n. Chr. durch Apaokhi, welches sich westwärts bis zur Kleinen Bucharei ausdehnte u. Kitan genannt wurde. 1125 wurde dieses Reich durch die Jutschi vom Amur gestürzt u. das Reich Kin gegründet, welches blutige Kriege gegen China führte, bis es 1234 dem Mongolenreiche Dschingiskhans erlag. Mit dem Beifall des Mongolenreiches wurde die M. wieder frei u. beunruhigte vielfältig die chinesischen Grenzgebiete. China suchte sich der Verwüstungen dadurch zu erwehren, daß es den Niu-tschi 1586 die Provinz Liatong abtrat, wobei diese zuerst den Namen, Mandschu annahmen. Durch Bedrückungen der chinesischen Gouverneure aufgeregt, wählten die Mandschu, welche bis dahin eine patriarchalische Verfassung gehabt hatten, den Holdenführer Tienmin zum König; dieser legte sich den Namen Taitsu bei u. nahm 1625 den Kaisertitel an. Ihm folgte. 1626 sein Sohn Taitsong, welcher den Krieg gegen die Chinesen mit Nachdruck fortsetzte. Als null in China unter dem letzten Kaiser der Dynastie Ming eine Empörung ausbrach, schloß der chinesische Feldherr Usankue mit Taitsong Frieden u. rief denselben gegen die Rebellen zu Hilfe. Taitsong drang in China ein, zerstreute die Rebellen u. war eben im Begriff sich des Thrones zu bemächtigen, als er 1644 starb. Jedoch sein Sohn Schüntschi bestieg nun den chinesischen Thron u. gründete so die jetzt noch regierende Dynastie der Mandschu, welche sich den Namen Taitsing gab, s. China (Gesch). Die M. war nun fortan eine chinesische Provinz! Bald darauf begannen jedoch die Russen ihre Bemühungen, sich am Amur festzusetzen, u. es gelang Ihnen auch, diesen Strom über 40 Jahre lang zu behaupten, bis sie 1689 von den Mandschu wieder nach Norden zurückgetrieben wurden. Doch wie in der Folge die Mandschuherrschaft mehr u. mehr verfiel, drangen die Russen wieder vor, u. namentlich seit 1845 haben sie sich von Neuem u. dauernd in den Besitz den ganzen Nordens der M. Gesetzt. Vgl. F. I. H Plath, Die Völker der Mandschurei, Gött. 1830–31, 2 Bde.; Gors, Arbeiten, der russischen Mission in Peking, deutsch Verl. 1854–55, 2 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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