Mongolei

Mongolei

Mongolei 1) Land in Asien, zum Chinesischen Reiche gehörig, südlich von China u. Tibet, nördlich von Sibirien, östlich von der Mandschurei, westlich von der Freien Tatarei begrenzt, nimmt einen Flächenraum von mehr als 90,000 QM. ein. In früherer Zeit wurde das Land gewöhnlicher die Tatarei od. die Große Tatarei genannt (französische u. englische Geographen nennen es noch Innere Tatarei). Das Land ist wenig bekannt. Es gehört dem Hochlande von Asien an u. bildet eine ungeheuere Hochebene von 4000 bis 12–16,000 Fuß über dem Meere. Gebirge: im Norden der Altai u. dessen Zweige Khangai, Hongur (frühester Sitz der Mongolen), Kingan Kentayhan; südlicher der Thianschan mit seinen Fortsetzungen, Bogdo, der Inschan (Gardschan) u.a., der Ala-, Kilian- u. Nan-Schan, östlichen Fortsetzungen des Kien-Lün. Alle sparsam od. gar nicht mit Holz bewachsen, wie auch die ganze M. Holzmangel im höchsten Grade hat. An mehren Orten liegen Granitblöcke, Quarzsteine etc. zertrümmert umher. Der südlichere Theil ist die Wüste Kobi; doch gibt es auch fruchtbarere Gegenden in den Steppen u. Thälern mit trefflichen Weideplätzen, selbst Strecken mit gutem Anbau. Gewässer: Irtisch (mit den Nebenflüssen Atikthai, Ablaket u.a.), Selenga (mit dem Kosogul u.a.) u. Jenisei (diese drei nach Sibirien), Amur mit dem Argun, Sira Muren (nach der Mandschurei), ferner Peiho, Hoangho u. Yantsekiang (nach China), endlich eine Menge Steppenflüsse, so im Westen der Jarkiang, welcher nach der Vereinigung mit dem Kaschgar u. Khotan als Tarim in den Lop-Noor mündet. Seen: Alaktugal Nor, Kiurga Nor, Suthul, Borotola, Lop-Noor, Bostu-Noor, Khara, Saisan, Kosogol, Boschur (Pojur), Koko u. viele kleinere Seen. Klima sehr verschieden, je nach der Höhe, doch im Allgemeinen der Winter lang u. sehr rauh, der Sommer kurz, aber heiß, oft brausen furchtbare Stürme über das Land hin. Es gibt Pelz- u. Raubwild (Zobel, Bären, Fischottern, [389] Füchse, Wölfe, fliegende Eichhörnchen, Tiger, Luchse, Biber), Wildpret (Gazellen, Elenne, Hirsche, Damhirsche, verschiedene Hafenarten), Kameele, Stiere, Esel, Pferde, Schafe, Hunde, Katzen etc.; Bartgeier, viele Adler u. Falken, außerordentlich viel Singvögel, Heuschrecken. Ärmer ist sie an Pflanzen; doch gibt es Ginseng, Rhabarber, einige Beeren u. Obst; das Mineralreich hat viele Schätze (Gold, Silber), doch nur wenig benutzt, Blei wird im Westen gegraben; es finden sich Karneole, Achat, Chalcedon u. andere Halbedelsteine, auch Lasursteine, Türkise u. Asbest. Die Einwohner der M. (3–4 Mill.) sind Mongolen (verschiedene Stämme), Ölöten od. Kalmyken, Kirgisen u. Sajaner, meist Lamaiten od. Schamanen, nur zu geringem Theile Muhammedaner. Man unterscheidet Fürsten, Adel u. Volk. Hauptbeschäftigungen der Einwohner sind Viehzucht, Jagd u. Fischerei; Gewerbe, Acker- u. Gartenbau finden sich nur in u. nahe bei den wenigen Städten. Der Handel ist lediglich Karawanenhandel. Weltlich steht die M. zwar unter chinesischer Oberherrschaft, doch haben die verschiedenen Stämme eigene Häupter u. Fürsten (Khane), welche vom chinesischen Kaiser Titel u. Ehrenzeichen, wohl auch Jahrgelder empfangen. Ein chinesischer Vicekönig, mit zwei Statthaltern unter sich, beaufsichtigt die gesammten Fürstenthümer (Aimaks). Der Tribut besteht meist in Pelzwerk. In den vornehmsten Städten liegen chinesische Garnisonen. Das geistliche Oberhaupt der M. ist der Groß-Lama (Kutuchtu) in Urga, welcher unter dem unmittelbaren Schutze des Kaisers steht; s.u. Mongolen. Eintheilung: in Scharra-M., Kalkas-M., Songarei, Khoschotai. 2) Die M. im engeren Sinne begreift die obigen Länder ohne die Songarei u. Khoschotai.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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