Artemisĭa [3]

Artemisĭa [3]

Artemisĭa (A. L., Beifuß), Pflanzengattung aus der Familie der Compositae-Anthemideae-Artemisieae, 2. Ordn. 19. Kl. L.; mit meistens weiblichen Randblüthen in einer Reihe u. zwitterlichen od. seltener durch Fehlschlagen männlichen Scheibenblüthen, mit röhrigen fünfspaltigen Blumenkronen, kahlem od. zottigem Blüthenboden u. verkehrt eirunden Achenen ohne Flügel u. Fruchtkrone. Eine aus mehr als 130 Arten bestehende, fast über die ganze Erde verbreitete Gattung, deren Arten gewöhnlich krautig, selten strauchig, mit abwechselnden, meist gespaltenen u. getheilten Blättern, kleinen wenigblüthigen gelben Scheibenköpfen in Ähren, trauben- od. pyramidaler Rispe, dicht dachziegeligen, am Rande häutigen allgemeinen Kelch- od. Hüllblättchen. Man theilt sie in folgende Untergattungen: a) Oligosporuss. Dracunculus, Blüthen am Rande weiblich, die übrigen mit fehlschlagenden Fruchtknoten, Blüthenboden nackt; hierher gehört A. Dracunculus, Dragun (s.d.) u. der Feldbeifuß (A. campestris), krautig, aufsteigend, ruthenästig, kahl, mit fiederspaltigen Blättern, deren Abschnitte lineal dreispaltig, grauseidig, die oberen ganz u. kahl, die obersten lineal borstenförmig, die Scheibenköpfchen eirund, überhängend, die Blüthen blaßgelb, röthlich gesäumt; eine an Wegen, Ackerrändern, auf Hügeln u. Mauern in ganz Europa u. NAmerika nicht seltene Pflanze. b) Seriphidas. Seriphidium, mit lauter gleichförmigen Zwitterblüthen auf nacktem Blüthenboden; A. vallesiaea All. (Walliser Beifuß), krautig, schneeweiß filzig mit doppelt fiederspaltigen Blättern u. länglichen, aufrechten Scheibenköpfen in einfacher Rispe, an Wegen u. auf dürren Hügeln in der Schweiz u. SOEuropa, ein aromatischer Beifuß, als Herba[774] Genippi nigri bekannt. A. maritima L. (Meerstrands beifuß), dem vorigen ähnlich, aber mit kängijeh sitzenden Scheibenköpfen auf überhängenden. Ästen u. dreispaltigen u. linealen Fiederabschnitten; am Seestrande von der Ostsee bis zum Mittelmeer; stand im Alterthum in hohen Ehren u. die Priester der Isis trugen einen Zweig dieser Pflanze bei feierlichen Processionen in den Händen; sie kommt in arzneilicher Wirkung dem Wermuth fast ganz gleich u. wird in den Pharmakopöen als Herba s. Summitates Absinthii maritimi aufgeführt. Die ähnliche A. salina W., gallica . u. austriaca Jacq. gehören ebenfalls hierher. e) Abrotanum, Blüthen am Rande weiblich, die übrigen zwitterlich, Blüthenlager nackt; A. abrotanum (Eberreis), kleiner, in SEuropa wild wachsender Strauch, häufig in Gärten gezogen, von balsamisch-gewürzhaftem Geruch, bitterlichem Geschmack, dient (als Kraut), am besten vor dem Erblühen gesammelt, als mäßig erregendes, schweiß- u. harntreibendes Mittel, bes. als Hausmittel u. unter Pferdearzneien. A. vulgaris, s. Beifuß. A. pontica L. (Römischer Wermuth), krautig, mit oben grauen, unten weißlichfilzigen, doppeltfiederspaltigen Blättern, mit stumpfen linealen Lappen u. fast kugeligen, gestielten, überhängenden Scheibenköpfen, auf sonnigen Anhöhen in Mittel- u. bes. SEuropa u. im Oriente. Das Kraut Herba Absinthii pontici s. romani) riecht angenehm aromatisch u. schmeckt bitter, aber weniger als beim Wermuth, wirkt auch milder als dieser. A. judaica L., in Ägypten, Arabien u. Palästina, sonst für die Mutterpflanze des Wurmsamens (Semina Cinnae), aber mit Unrecht gehalten. A. Vahliana, in Persien u. überhaupt im Orient, liefert dagegen wirklichen Wurmsamen od. vielmehr Wurmblüthen, u. zwar den Levantischen od. Aleppischen Wurm- od. Zittwersamen (Semen Cinnae levanticum s. Santonici levantici). Bei dieser Sorte sind die Scheibenköpfchen schon entwickelt. Eine andere Sorte (Semen Cinnae barbaricum s. indicum s. africanum) liefert der Geknäulte Beifuß (A. glomerata) in Palästina, mit dichten kleinen Knäueln von Scheibenköpfen. A. chinensis s. Moxa Bess., ein greisgrauer Strauch, mit dreilappiger, stumpfer Wurzel u. linealen Stängelblättern, wächst in China, Japan u. SSibirien, wo man aus dem filzigen Überzuge der Blätter die Moxa od. sogenannten Brenncylinder od. Moxen (s.d.) erhält, durch deren Verbrennung auf der Haut ein Reiz bewirkt werden soll. A. santonica L., um Astrachan, in der Tatarei u. Persien, liefert eine dritte Sorte Wurmsamen (Semen Santonici). Verfälscht wird der Wurmsamen durch Blüthen u. Früchte von Tanocetum vulgare u. Balsamita vulgaris, die auch wohl Semen Cinnae medium s. hungaricum genannt werden. d) Absinthium. Blüthen am Rande weiblich, die übrigen Zwitterblüthen, der Blüthenboden zottig. A. Absinthium, s. Wermuth. A. arbonescens L., ein 4–6 Fuß hoher, schön gewachsener Strauch, mit aschgrauseidenhaarigen, mehrfach fiederspaltigen Blättern, an den Küsten des Mittelmeeres, alle Eigenschaften des Wermuths besitzend, aber angenehmer riechend u. schmeckend u. wahrscheinlich die wahre A. der Alten. A. Mutellina VIII. (Alpen-Beifuß), krautig, einfach, alle Blätter handförmig vielspaltig, weißlichseidenhaarig, mit achselständigen, länglich aufrechten Scheibenköpfen auf den höchsten Alpen des Urgebirges von Salzburg bis Italien. Diese u. einige andere Arten der A. sind sehr kräftige, aromatisch stärkende, wie Wermuth wirkende, aber weniger widrig schmeckende Arzneimittel, die bei den Gebirgsbewohnern in großem Ansehen stehen u. unter dem Namen Herba Genippi albi s. Absinthii alpini in einigen Pharmakopöen aufgenommen werden.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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