Substantīvum

Substantīvum

Substantīvum (lat., Haupt-, Sach- od. Dingwort), Wort zur Bezeichnung für Etwas, dem unterscheidende Merkmale beigelegt werden können. Die Substantiva bezeichnen: a) theils in der Natur wirklich vorhandene Gegenstände od. Individuen (Concreta) u. sind dann entweder: aa) Nomina propria, Eigennamen, Bezeichnungen von einzig vorhandenen Gegenständen, als Namen von Städten, Ländern, Flüssen, Bergen, Personen etc., wie Rom, Italien, Tibris, Vesuv, Kyros; zu ihnen gehören die Gentilia, welche anzeigen, aus welchem Lande, auch aus welcher Stadt Einer ist, z.B. Italer, Römer, Athener; u. die Patronymica (s.d.); od. bb) Nomina appellativa (N. communia), Gattungsnamen, Bezeichnungen von Gegenständen u. Personen, welche gewisse Merkmale mit anderen gemein haben, also vielfach vorhanden sind; z.B. Land, Stadt, Fluß, König. Zu den Appellativen gehören: Collectiva (Sammelwörter), welche einen, aus mehrern einzelnen Theilen zu einem Ganzen verbundenen Begriff bezeichnen, z.B. Sand, Volk, Legion; u. Materialia(Stoffwörter), welche einen Gegenstand blos in Rücksicht auf das, woraus er besteht, bezeichnen, wobei die einzelnen gleichartigen Theile den Namen des Ganzen führen, um Korn, Mehl, Gold, Holz, b) Theils bezeichnen die Substantiva bloße Merkmale u. Eigenschaften wirklicher Dinge, auch einzelner Zustände, welche als selbständig u. unabhängig von den Dingen, woran sie gedacht werden, erscheinen (Abstracta), z.B. Tugend, Liebe, Hoffnung. Das S. unterscheidet sich nach dem Geschlecht (s. Genus), an ihm können verschiedene Verhältnisse angezeigt werden (s. Casus), ebenso die Zahl, in welcher die Gegenstände gedacht werden sollen (s. Numerus). Manche Substantiva sind nur im Singular gebräuchlich (Singularia tantum), bes. die Nomina propria, Abstracta, Collectiva, Materialia; andere nur im Plural (Pluralia tantum), welche theils solche sind, die nur in der Mehrzahl gedacht werden können, z, B. Eltern; theils solche, welche nur durch den Sprachgebrauch üblich geworden sind, denen aber immer der Begriff einer Mehrheit zu Grunde liegt, z.B. nares die Nase (die Nasenlöcher), biblia die Bibel (die Bücher)c. Ein S. verändern zur Bezeichnung des Verhältnisses desselben zu den übrigen Theilen des Satzes, wodurch die Casus u. Numeri (s. b,) entstehen, heißt Decliniren. Wirkliche Declination, durch Abänderung der Endformen, kommt nur in den alten Sprachen des Indogermanischen Sprachstammes vor; auch die neuen Germanischen Sprachen haben noch Überreste der Declination (Land, Landes, Lande, Länder, Ländern), während die Englische u. alle Romanischen Sprachen die Verhältnisse blos durch Präpositionen anzeigen. Substantiva, welche in alten Sprachen nach dem Gebrauche nicht declinirt werden, also durch alle Casus die Form des Nominativs beibehalten, heißen Indeclinabilia (gr. Aptota). Die anomalische Declination ist entweder a) eine abundante, wenn von einem Nominativ ein od. mehre Casus auf eine andere Art flectirt sind, welche nicht in den Regeln der dem Worte zukommenden Declination gegründet sind. Dahin gehörten die Heterogenea, welche, in gleicher od.[34] verschiedener Bedeutung, im Plural ein anderes Geschlecht haben, als im Singular; z.B. coelum, Plural coeli; die Heteroclita, die Eine Form des Nominativus haben, von welcher die verschiedenen Formen desselben Casus auf verschiedene Art flectirt sind, z.B. vas, vasis, vasa, vasorum; der Metaplasmus, wenn eine Casusform einen ungebräuchlichen Nominativ voraussetzt, z.B. tergis u. tergibus zu tergum. Oder b) eine defecte Declination, so bei Wörtern, welche nur einen Numerus haben, od. welchen ein od. mehre Casus fehlen; u. zwar Monoptota, die nur in Einem Casus vorkommen, z.B. glos, dicis; Diptota, welche nur in zwei, z.B. sentis, sentem; Triptota, die nur in drei, z.B. vicis, vicem, vice; Tetraptota, welche nur in vier Casus vorkommen, ditionis, ditioni, ditionem, ditione.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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