Wacholderbeeren

Wacholderbeeren

Wacholderbeeren (Kaddigbeeren, Baccae juniperi), schwarze, runde, ein trocknes, gelbliches Mark u. drei harte Samenkörner enthaltende Zapfenbeeren vom Wachholderstrauche (Juniperus communis), von harzigem, bitterlich-süßem Geschmack, starkem, balsamischem, beim Verbrennen auf glühenden Kohlen bes. hervortretendem, angenehmem Geruch. Sie enthalten außer einigen unbedeutenden Stoffen: a) ein schmutzig-grünes Harz (Wachholderharz, Wachholdergummi), welches an den Kanten durchscheinend, schwach riechend, geschmacklos ist u. als deutscher Weihrauch (deutscher Sandarach) zum Räuchern dient; ferner einen eigenthümlichen, schwer krystallisirenden, zerfließenden, der Gährung fähigen, honigfarbenen, neben der Süßigkeit gewürzhaften, etwas scharf schmeckenden Zucker. b) Wachholderbeerwachs, wird durch Auskochen mit Weingeist erhalten; ist grau, spröde, pulverisirbar, schmilzt bei ungefähr 100°, löst sich in heißem Weingeist, Äther, in ätherischen u. fetten Ölen auf. c) Wachholderbeerenöl (Wachholderöl, Oleum juniperi), C10 H8, ein ätherisches Öl, welches durch Destillation der Beeren mit Wasser erhalten wird. Es besteht aus zwei verschiedenen Ölen: aa) das flüchtigere Öl ist farblos, dünnflüssig u. von reinem Wachholdergeruch; wenn es mit Salzwasser gewaschen wird, so scheidet sich ein krystallinischer Körper aus. Das obenauf schwimmende Öl wird über Kalk rectificirt u. durch Chlorcalcium entwässert; im reinen Zustande zeigt es nur einen schwachen Geruch; specifisches Gewicht = 0,839; siedet bei 155 bis 163°. Mit gleichen Theilen absolutem Alkohol mischt es sich zu einer klaren Flüssigkeit, welche auf Zusatz von einer größeren Menge Alkohol getrübt wird. In Alkohol von 0,85 ist es nur in sehr geringer Menge löslich. Mit wasserfreiem Äther mischt es sich in allen Verhältnissen. An der Luft oxydirt es sich schnell u. Verwandelt sich in eine terpentinähnliche Masse; bb) das weniger flüchtige Öl hat einen starken Geruch nach den Beeren, oxydirt sich sehr leicht an der Luft; specifisches Gewicht = 0,874; Siedepunkt = 205°; es löst sich in 6 Theilen absolutem Alkohol u. mischt sich mit Äther in jedem Verhältniß. Der erwähnte krystallinische Körper ist Wachholderbeercampher u. ein Hydrat des Öles, bestehend aus C10 H8 + 2 HO. Das durch trockene Destillation aus dem Wachholderholze erhaltene Öl ist das Kaddigöl (s.u. Wachholder). Die W. beutzt man zum Räuchern, zur Bereitung des Wachholderbranntweins (s. Genièvre) u. des durch Zucker versüßten Wachholderliqueurs, auch im Aufguß u. für sich gekaut als magenstärkendes, Ansteckungen u. den Einfluß übler Witterung verhütendes, urintreibendes Mittel, ferner gestoßen äußerlich als Umschlag u. Magenpflaster. Ferner wird daraus bereitet: Wachholdermus (Wachholdersaft, Roob juniperi), der durch Eindicken der Brühe der zerquetschten, weich gekochten u. ausgepreßten frischen W. bis zur starken Syrupsdicke bereitete, schwärzlich-braune, süße, etwas bitterlich u. balsamisch schmeckende Dicksaft; urin- u. schweißtreibendes Mittel. Wachholderspiritus (Wachholdergeist, Spiritus juniperi), durch Destillation von Weingeist über W. bereitet, wasserhell, stark nach den Beeren riechend; äußerlich als reizendes, zertheilendes Mittel angewendet. Wachholderwasser (Aqua juniperi), über W. destillirtes Wasser; zu harntreibenden Mixturen zugesetzt. Wachholderbier, Bier mit Zusatz von W.; Vgl. Bier I.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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