Amberg [1]

Amberg [1]

Amberg, 1) Landgericht im baierschen Kreise Oberpfalz u. Regensburg (seit seiner Verkleinerung im Aug. 1838) 59/10, QM.; 16,000 Ew.; 2) Hauptstadt, von der schiffbaren Vils durchschnitten, Appellationsgericht, Kreis- u. Stadtgericht, Landgericht, Rentamt, Salzamt, Bergamt, Forstamt, Garnison von 1 Infanterieregiment, 1 Division Chevauxlegers, Filialinstitut der armen Schulschwestern mit höherer Töchterschule u. Kleinkinder-Bewahranstalt, Landwirthschafts- u. Gewerbschule 1. Klasse, Erziehungs-Institut für Studirende, Gymnasium, Lyceum, katholisches Schullehrerseminar, Gewerbschule, Provinzialbibliothek der Oberpfalz. Wohlgebaut, mit gothischem Rathhause, königl. Schloß, Zeughaus, großer Gewehrfabrik (einziger in Baiern, im ehemaligen Münzhaus), Theatergebäude (ehemalige Franziscanerkirche), Militärspital (ehemaliges Paulanerkloster), Stadtschulhaus (sonst Kloster der Salesianerinnen), ehemaliges Jesuitencollegium mit Georgiikirche; außerdem St. Martins-Pfarrkirche (Thurm 300 Fuß hoch) mit Gemälden u. Grabmälern (so des Pfalzgrafen Rupert, st. 1397); vor dem Vilsthore Monument des Königs Max Joseph I. A. hat Fabriken von Fayence, Tabak, Gewehren; starke Bierbrauerei, Essigfabrikation; viel Getreide-, Hopfen- u. Gemüsebau; 11,500 Ew. In der Nähe: Strafarbeitshaus mit Fabrikation in Wollzeugen, viele Gärten u. Landhäuser, schöne Wallfahrtskirche auf dem Mariahülsberg, mit Franziscanerhospiz; Eisenerzbergwerk (königliches) mit Dampfmaschine (etwa 140,000 Centner Ertrag), Steinkohlenlager u. Farbengruben (Amberger Gelb). – A., im 11. Jahrh. Dorf Ammerberg im Nordgau, kam durch Kaiser Konrad II. 1034 an den Bischof von Bamberg; um 1140 heißt A. ein Markt; 1163 gab Kaiser Friedrich I. der Stadt A. eben so große Handelsfreiheiten, wie den Nürnbergern, u. 1166 gewährte Bischof Rupert von Passau A. Handels- u. Zollfreiheit auf der Donau u. den Jahrmärkten zu Passau. Die letzten Hohenstaufen waren von Bambergs Bischöfen mit A. belehnt; dem Testamente Konradins zufolge ging 1269 dies Lehen auf den Kurfürsten Ludwig den Strengen von Baiern über. Ludwig der Baier gab A. 1316 Mauern u. Thürme. Durch den Hausvertrag zu Pavia 1329 kam A. mit dem Nordgau an die Nachkommen Rudolfs I., Kurfürsten von der Rheinpfalz. Kurfürst Friedrich der Siegreiche dämpfte 1454 eine Empörung in A. Friedrich IV. legte an den 5 Thoren Bollwerke an. Als 1621 Friedrich V. in die Acht gerieth, wurde A. 1623 u. 1628, sammt der Oberpfalz, deren Hauptstadt es war u. blieb, wieder mit Baiern vereinigt. Kurfürst Maximilian I. ließ die Stadt stark befestigen, Im Spanischen Erbfolgekriege 1703 u. im Österreichischen Erbfolgekriege 1745 wurde A. von den Österreichern bombardirt, u. das erste Mal durch Capitulation, das zweite Mal nach Abzug der französischen Besatzung übergeben. Zu Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Wälle abgetragen u. in Alleen u. Spaziergänge verwandelt. Am 24. August 1796 hier Gefecht zwischen den sich zurückziehenden Franzosen unter Jourdan, u. den siegreichen Österreichern unter Erzherzog Karl. Auch war A. bis zur neuen Organisation Baierns Sitz der oberpfälzischen Landesdirection.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Amberg — Amberg …   Wikipédia en Français

  • Amberg — Saltar a navegación, búsqueda Amberg Escudo …   Wikipedia Español

  • Amberg [1] — Amberg, unmittelbare Stadt und ehemalige Hauptstadt der bayr. Oberpfalz, an der Vils, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Krailsheim Furth i. W. und A. Schnaittenbach, 373 m ü. M., hat ein ehemals kurfürstliches Residenzschloß, 11 kath. Kirchen und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • AMBERG — AMBERG, city in Bavaria, Germany. Jews had settled in Amberg before 1294, when mention is made in a municipal document of their privileges. Thirteen members of the community were killed in 1298 in the rindfleisch massacres; a few escaped. In 1347 …   Encyclopedia of Judaism

  • Amberg [2] — Amberg (spr. Omberg), höchster Berg im schwedischen Län Östergötaland am Wettersee, 1 Meile lang, 6–700 Fuß hoch; rother Granit mit Schiefer [393] u. Kalksteinbrüchen (mit Petrefacten). Höchste Spitze: Hjässen (Zessen) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Amberg [2] — Amberg, Wilhelm, Maler, geb. 25. Febr. 1822 in Berlin, gest. daselbst 8. Sept. 1899, erhielt durch Herbig und Karl Begas, später in Paris durch Léon Cogniet seine künstlerische Ausbildung, bereiste bis 1847 Italien, widmete sich nach seiner… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Amberg — Amberg, unmittelbare Stadt im bayr. Reg. Bez. Oberpfalz, ehemal. Hauptstadt der Oberpfalz, an der Vils, (1900) 22.039 kath. E., Garnison, Land , Amtsgericht, königl. Schloß, Lehrerseminar; Farben , Blechwarenfabrikation; königl. Gewehrfabrik …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Amberg — Amberg, Stadt in der bayerischen Oberpfalz an der Vils mit 11000 E., Fayence , Tabak , Gewehrfabriken, Bierbrauereien, in der Nähe ein bedeutendes Eisenbergwerk. Sieg des Erzherzogs Karl über Jourdan den 24. Aug. 1799 …   Herders Conversations-Lexikon

  • Amberg — Amberg, ciudad de Baviera, Alemania, a orillas del río Vils. Tiene 45.000 habitantes aproximadamente. El pueblo fue por primera vez mencionado en 1304, con el nombre de Ammenberg. Se convirtió en un importante centro comercial en la Edad Media,… …   Enciclopedia Universal

  • Amberg — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”