Frescomalerei

Frescomalerei

Frescomalerei (v. ital.), Malerei auf frischem Mörtelgrund, mit dem sich die Farben genau verbinden. Die hierbei anzuwendenden Farben müssen von der Art sein, daß der Kalk dieselbe nicht verändert, also Erd- u. Mineral-, keine Pflanzenfarben, u. werden mit Wasser gngerieben. Fein geriebener Kalk, welcher in einer Stärke von 1–2 Linien auf den Mörtelgrund vermischt mit seinem Sande aufgetragen wird, ist das Weiß u. zugleich das Bindemittel der Farben. Das Verfahren erfordert Raschheit der Hand u. Sicherheit der Ausführung, da der Mörtelgrund immer nur eine kurze Zeit (6–10 Stunden) frisch genug bleibt, die Farben einzusaugen. Der im nassen Mörtel aufgelöste Kalk besitzt nämlich die Eigenschaft, die Farben während des Trocknens an die Oberfläche zu ziehen u. auf derselben durch Absorption von Kohlensäure zu einem seinen durchsichtigen Emails zu krystallisiren, so daß sich das Pigment fixirt. Correcturen u. Retouchen sind nur in kleinen Abmessungen durch Temperafarben möglich. Im Austrocknen verändern sich die Farben u. werden mehr od. weniger hell, was die Ausführung erschwert. Man pflegt daher zu solchen Gemälden erst Cartons zu machen u. die auf solchen befindliche Zeichnung ausdurchsichtiges Papier durchzuzeichnen, u. die Umrisse mittelst eines spitzigen Instruments ganz leicht auf den Mörtel überzutragen. Die F. ist die älteste u. dauerhafteste Malerei. Die Alten scheinen die Behandlung der Farben bei derselben auf das Vollkommenste verstanden zu haben. Die wichtigsten dieser antiken Malereien, die sich erhalten haben, sind die in Herculanum u. Pompeji. Auch die christliche Kunst kannte in ihren Anfängen diese Art der Malerei, u. im Mittelalter schmückte man das. Innere der Kirchen, die Kreuzgänge u. selbst das Äußere der Häuser mit Fresken. Eine berühmte Reihe solcher Frescobilder fand sich in Basel in dem Todtentanze, gemalt zu Anfang des 14. Jahrh. Eine höhere Bedeutung für die monumentale Kunst erhielt die F. während der Blütheperiode der christlichen Malerei in Italien. Rafaels u. Michel Angelos herrlichste Werke int Vatican sind auf diese Art gemalt. Die Bedeutung der F. in ihrer Verbindung mit der Baukunst war lange Zeit außer Acht gelassen u. die Technik ganz vernachlässigt. Erst Cornelius rief sie wieder ins Leben, u. die Münchener Malerschule that sich bes., darin hervor. Die Vervollkommnung, welche diese als Stereotomie (s.d.) erhielt, gab ihr noch einen höheren Aufschwung, u. namentlich war es Kaulbach, welcher sowohl in den Fresken der Pinakothek zu München u. des Treppenhauses im Neuen Museum zu Berlin als auch anderweitig seine hohe Meisterschaft[705] in diesem Zweige der Kunst an den Tag legte.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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