Seleukos

Seleukos

Seleukos. A) Fürsten. I. König von Ägypten: 1) so v.w. Seleukos 9). II. König des Bosporanischen Reichs: 2) Sohn des Spartokos, regierte 431–427 v. Chr., s. Bosporanisches Reich. III. Könige von Syrien: 3) S. I. Nikator, Sohn des Antiochos, eines Feldherrn Philipps des Großen, u. der Laodike, geb. um 355 v. Chr., diente von Jugend auf unter Alexander dem Großen u. ging mit ihm nach Asien. Nach des Königs Tode wurde er Oberanführer der Reiterei, dann bei der zweiten Vertheilung des Reichs 321 Statthalter von Babylonien. Anfangs war er Freund des Antigonos, allein als dieser 315 Rechenschaft über die Verwaltung der Provinz verlangte, floh S., welcher dies verweigerte, vor ihm nach Ägypten zu Ptolemäos Lagi; hier sammelte er ein Heer, mit welchem er sich 312 in den Besitz seines Reichs setzte, den Nikanor, Feldherrn des Antigonos, am Tigris schlug, ganz Medien u. Susiana eroberte u. bald der mächtigste unter den Nachfolgern Alexanders wurde. Von dieser Wiedereroberung Babyloniens schreibt sich die Seleukidische Ära (s.d.) her. Nun setzte er bis 305 seine Eroberungszüge in Persien (s.d. [Gesch.] I. B), Baktrien, Hyrkanien, Indien (s.d. S. 866) etc. fort u. nahm wegen seiner schnellen Siege den Namen Nikator u. den Königstitel an. Mit Lysimachos u. Ptolemäos gegen Antiochos verbunden, gab er dem Siege über diesen in der Schlacht bei Ipsos 301 durch seine Elephanten den Ausschlag, erhielt zu seinem großen Reiche noch Syrien, Armenien, Mesopotamien, Kataonien, einen Theil von Kap. padozien u. Kleinasien u. wurde so Stifter des Syrischen Reichs, s. Syrien (Gesch.). Mit denselben Königen vereinigt kämpfte er nachher gegen seinen Schwiegervater Demetrios Poliorketes, welcher ihm Cilicien nicht abtreten wollte; er nahm denselben 286 gefangen u. behielt ihn bis an dessen Tod (283) in Haft. Endlich kam es auch zum Kriege zwischen ihm u. Lysimachos, S. besiegte diesen 282 bei Kurupedion u. erwarb nun noch Vorderindien. Als er 281 auszog, um auch Macedonien zu erobern, wurde er dort von Ptolemäos Keraunos ermordet. S. war unter den Diadochen der Mächtigste u. besaß den größten Theil der von Alexander eroberten Länder; er verbreitete u. befestigte griechische Bildung in dem Orient, liebte Künste u. Wissenschaften u. ließ in wissenschaftlichen u. Handelsinteressen Indien von Megasthenes u. Patrokles bereisen; vermählt war er mit Stratonike, Tochter des Demetrios Poliorketes, sein Sohn Antiochos I. folgte ihm. 4) S. II. Kallinikos od. Pogon, Urenkel des Vor., Sohn des Antiochos Il. Theos u. der Laodike; folgte seinem Vater 247 v. Chr.; unter ihm erfuhr sein Reich große Verminderungen; er verlor 239 Phönicien, Palästina u. Cölesyrien an Ptolemäos Euergetes u. hatte einen langen, aber endlich siegreichen Krieg gegen seinen Bruder Antiochos Hierax wegen Kleinasien; Baktrien u. Parthien rissen sich von ihm los, nachdem er 238 von Arsakes besiegt worden war, u. Attalos von Pergamum nahm Theile des Syrischen Reiches an sich; S. starb nach einer von Attalos erlittenen Niederlage 225; s. Syrien (Gesch.). 5) S. III. Keraunos, Sohn des Vor., regierte 227–224, wo er auf einem Zuge gegen Attalos durch Gift starb, s. ebd. 6) S. IV. Philopator od. Soter, Sohn Antiochos' des Großen, kämpfte früher bei Magnesia u. belagerte vergebens Pergamum; er folgte 187 seinem Vater auf dem Throne, regierte in Abhängigkeit von den Römern u. wurde 176 von seinem Schatzmeister Heliodoros ermordet, s. ebd. 7) S. V., Sohn des Demetrios Nikator u. der Kleopatra, regierte seit 126 über einen Theil von Syrien u. wurde 123 von seiner Mutter ermordet; s. ebd. 8) S. VI. Epiphanes, Sohn des Antiochos VIII. Grypos; folgte 87 seinem Vater, hatte Streit mit seinem Oheim Antiochos IX. u. mit seinen Brüdern um die Herrschaft u. st. 93, wo er zu Mopsuestia mit seinem Palaste verbrannt wurde, s. ebd. 9) S. VII. Kybiosaktes, Sohn des Antiochos X. Eusebes, lebte lange mit seinem Bruder Antiochos Asiaticus in Rom u. bekam nach dessen Tode Kommagene. Durch seine Verheirathung mit Berenike, der Tochter des vertriebenen Ptolemäos Auletes, wurde er 58 v. Chr. König von Ägypten, jedoch bald entthront. B) Gelehrte. 10) S., Mathematiker aus Babylon, nach Anderen aus Erythrä, lebte um 160 v. Chr.; er nahm das All als unendlich an u. suchte die Bewegung der Erde um die Sonne u. um ihre eigene Achse mathematisch zu beweisen. 11) S. Homericus, aus Alexandrien, griechischer Grammatiker um 100 v. Chr.; er schr. Commentare über Homer, Hesiodos, Aristophanes u. die Tragiker. 12) S., christlicher Häretiker aus Galatia, von ungewisser Zeit. Er u. seine Anhänger (Seleukianer) theilten mit einem gewissen Hermias die Ansicht, Gott sei ein körperliches [817] Wesen u. habe das All aus der Materie erschaffen; die Seelen wären von Engeln aus Feuer u. Luft erschaffen; Christus habe seinen Körper in der Sonne abgelegt, könne also nicht leiblich zur Rechten Gottes sitzen; Unsterblichkeit läugneten sie in so fern, als sie die Auferstehung nur in dem Übergang der Seelen in neugeborene Menschen behaupteten; die Wassertaufe verwarfen sie, weil nach Mark. 1, 8 die Nachfolger Johannes des Täufers mit Geist u. Feuer taufen sollten.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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