Armfelt

Armfelt

Armfelt, 1) Karl Baron v. A., geb. 1666, diente erst im Ausland u. ward unter Karl XII. schwedischer General; er widerstand nach der Schlacht bei Pultawa lange in Finnland, vertheidigte 1712 die Küste von Helsingfors einige Zeit tapfer gegen Peter den Großen, wurde Generalgouverneur, wurde aber vom russischen General Apraxin im Februar 1714 in Ostbothnien geschlagen; 1718 bei einer Expedition gegen Drontheim litt er durch Sturm, daß er nur einen kleinen Theil seiner Armee zurückbrachte; er st. 1736. 2) Gustav Moritz Baron, nachher Graf v. A., Sohn des Vor., geb. 1757; trat früh in die Garde ein u. ward bald Günstling Gustavs III., focht 1788–90 tapfer gegen die Russen, ward Generallieutenant u. schloß als bevollmächtigter Minister 1790 den Frieden von Werelä u. 1791 einen Allianzvertrag mit Katharina von Rußland. Nach der Ermordung des Königs Gustav III. sollte er nach dem Testament des Königs Mitglied der Regentschaft sein, allein der Herzog von Südermanland warf das dies bestimmende Codicill ins Feuer u. war seitdem A. gehässig. Nichts destoweniger ward A. Statthalter von Stockholm, aber bald darauf, der Regierung mißfällig, Gesandter in Italien. 1793 sollte er wegen Verdachts einer Verschwörung gegen den Herzog von Südermanland, die er angeblich mit dem Hoffräulein v. Rudensköld angezettelt hatte, in Neapel verhaftet werden, die dortige Regierung warnte ihn aber noch bei Zeiten, u. er entfloh nach Polen, ging dann, in contumaciam zum Tode verurtheilt, nach Petersburg u. später nach Deutschland, ward jedoch, als Gustav Adolf IV. 1799 die Regierung übernahm, wieder angestellt u. Gesandter in Wien. Er vertheidigte 1807 als General der Infanterie Stralsund gegen die Franzosen u. commandirte 1808 die Westarmee, welche den Dänen Norwegen abnehmen sollte, aber nicht reussirte. Bald darauf ernannte ihn der Herzog von Südermanland zum Präsidenten des Kriegscollegiums, er nahm aber nach Kurzem seinen Abschied, gerieth aufs Neue in politische Untersuchungen u. trat 1810 in russische Dienste; hier wurde er Graf, Kanzler der Universität åbo, Präsident der finnischen Angelegenheiten u. Mitglied des Senats; er st. 1814 zu Zarskoje-Selo. Selbstbiographie in Handlingar rörande Sveriges historia, Stockh. 1830,2. Bd. (deutsch in den Zeitgenossen, Lpz. 1833). 3) Gustav Magnus, Sohn des Vorigen, geb. 1792,[740] trat 1812 in russische Kriegsdienste u. starb den 8. Juli 1856 als Generallieutenant u. Inspector der finnischen Nationaltruppen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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