Moltke

Moltke

Moltke, eine der Evangelischen Confession folgende, seit dem 13. Jahrh. in Mecklenburg, später auch in Schweden u. Dänemark angesessene Familie, welche in Mecklenburg ihre alten Wohnsitze erhalten hat u. sich von da aus nach Dänemark, Österreich, Baiern u. Württemberg verzweigte; theilt sich in 2 Linien: I. Ältere Linie, 1776 in den Reichsgrafenstand erhoben, stammt aus dem Württembergischen Hause von 1) Johann Christoph, geb. 1688, war Oberstlieutenant in herzoglich württembergischen Diensten u. st. 1740. 2) Freiherr Karl, geb. 1787 in Reichenberg im Württembergischen, trat frühzeitig in die württembergische Armee ein u. nahm 1812 an dem Feldzuge in Rußland Theil, focht 1813 in Deutschland u. trat im December 1813 als Rittmeister in österreichische Dienste über; 1834 rückte er zum Major, 1837 zum Obristlieutenant u. 1838 zum Oberst u. Regimentscommandeur vor. Mit seinem Regiment in Galizien garnisonirt, war er 1846 gegen den Krakauer Aufstand thätig, wurde zum Generalmajor u. Brigadier befördert u. erhielt das Commando zu Podgorze. Am 1. April 1849 stieg er zum Feldmarschalllieutenant auf, erhielt das Commando einer Division unter Haynau, befehligte dann kurze Zeit das 3. Corps in derselben Armee u. wurde 1850 als Divisionscommandeur im 13. Armeecorps nach Pesth versetzt, wo er am 9. Febr. 1853 starb. Jetziger Chef ist: 3) Graf Karl, Sohn des 1825 verstorbenen preußischen Oberjägermeisters Grafen Friedrich, welcher ein Enkel von M. 1) war, geb. 1798, besitzt im preußischen Regierungsbezirk Bromberg die Herrschaften Behle u. Lemnitz, ist mecklenburg-strelitzscher Oberstallmeister u. preußischer Rittmeister a. D. u. seit 1834 in zweiter Ehe mit Marie geb. von Röder vermählt. 4) Graf Ludwig, Sohn des 1838 verstorbenen dänischen Geheimen Conferenzraths u. Präsidenten der Stadt Kopenhagen Grafen Werner Jasper Andreas, welcher ein väterlicher Oheim von M. 3) war, geb. 1790, ist dänischer Geheimer Conferenzrath. II. Jüngere Linie, 1750 in den dänischen Lehensgrafenstand mit dem Prädicat von Bragenivid erhoben in der Person des 5) Grafen Gottlob, geb. 1709, war mit dem König Friedrich V. von Dänemark aufgewachsen, wurde dessen vertrauter Freund u. dänischer Staats- u. Premierminister, erwarb sich Verdienste um Belebung der Künste u. Wissenschaften, erhielt im Gottorp'schen Erbfolgestreit die Provinz Holstein bei der dänischen Krone u. st. 1792. 6) Graf Christian Friedrich, Sohn des Vorigen, geb. 1736, war dänischer Geheimer Conferenzrath u. Oberhofmarschall u. st. 1771. 7) Joachim Gotsche, Bruder des Vor., verließ 1766 den dänischen Militärdienst, studirte in Kopenhagen[371] die Rechte, wurde Gesandtschaftssecretär in Regensburg, setzte in Leipzig seine Studien fort, bereiste Deutschland u. Frankreich, trat in dänische Staatsdienste, wurde 1775 Geheimer Staatsminister, lebte 1784–1813 auf seinen Gütern, wurde dann wieder ans Staatsruder berufen u. st. 1818. 8) Graf Otto Joachim, Bruder des Vor., geb. 1770, war dänischer Staatsminister u. Präsident der schleswig-holstein-lauenburgschen Kanzlei zu Kopenhagen u. st. 1853. 9) Graf Adam, Sohn von M. 6), geb. 1765, lebte in Lübeck u. betheiligte sich lebhaft bei den Streitigkeiten wegen der holsteinischen Verfassung, schloß sich 1815–23 der schleswig-holsteinischen Ritterschaft an, als dieselbe unter Dahlmanns Anleitung beim Bundestage petitionirte, u. st. 1843. Er schr. u.a.: Einiges über die Verfassung Schleswig-Holsteins u. die Ritterschaft, Lübeck 1833. 10) Graf Wilhelm, Sohn von M. 7), geb. 1785, wurde unter König Christian VIII. Finanzminister u. beim Eintritt der wichtigen Staatsveränderungen als Gesandter nach Paris geschickt; von dorther bei den Märzereignissen in Kopenhagen zurückgerufen, wurde er, unter Belassung des Portefeuilles der Finanzen, am 22. März 1848 an die Spitze des Staatsraths gestellt. Die nächste Folge hiervon war die königliche Verkündigung vom 24. März über die unzertrennliche Verbindung Schleswigs mit Holstein. Am 16. Nov. 1848 trat M. die Finanzen an den Grafen Sponneck ab u. übernahm die Oberleitung des Auswärtigen, sowie der Angelegenheiten Schleswigs, trat jedoch das Ministerium am 10. August 1850 an Reedtz ab u. behielt den Vorsitz im Staatsrath bis 11. Jan. 1852. Er wurde Ende August 1854 zum Präsidenten des Reichsraths ernannt. Jetziger Chef ist: 11) Graf Karl, Sohn von M. 9), geb. 15. Nov. 1800, war früher Obergerichtsrath in Glücksstadt, dann bis 1841 Präsident der schleswig-holsteinischen Kanzlei, wurde 28. Januar 1852 Minister von Schleswig, wirkte als solcher in den Herzogthümern im antideutschen Sinne u. nahm Ende 1854 mit dem Ministerium Örsted seine Entlassung. Er ist mit Malwina geb. Simons vermählt. 12) Graf Magnus, Oheim des Vor., geb. 1783, war in seiner Jugend in Paris, wurde 1813 Rath beim schleswigschen Obergericht, 1813 Abgeordneter der Stadt Schleswig zu den Provinzialständen, sprach als Präsident für Preßfreiheit u. Ordnung im Finanzwesen u. machte sich durch großen Liberalismus seine Standesgenossen u. die Regierung abgeneigt; in der zweiten Ständeversammlung verlangte er offene Trennung der Finanzen Schleswig-Holsteins von den dänischen, so wie einen verantwortlichen Finanzminister. Er schr.: Über den Adel u. dessen Verhältniß zum Bürgerstande, Hamb. 1830; Reise durch das obere u. mittlere Italien, ebd. 1832; Über das Wahlgesetz u. die Kammer mit Rücksicht auf Schleswig-Holstein, Hamb. 1834.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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