Liechtenstein [2]

Liechtenstein [2]

Liechtenstein (Gesch. u. Geneal.), altes österreichisches Geschlecht, seit 1206 bekannt, wo ein Dittmar von L., welcher aus dem Hause Este stammen soll, vorkommt. Die Söhne des Grafen Hartmann IV. (st. 1585), Karl u. Gundakar, sind die Stifter von zwei Linien, welche 1614 u. 1623 in den Fürstenstand erhoben wurden. Karl erwarb vom Kaiser Rudolf II. die Fürstenthümer Troppau u. Jägerndorf in Schlesien. u. wurde so Fürst. Mit dessen Enkel, Johann Adam Andreas, erlosch die ältere Linie, u. das Majorat nebst allen Besitzungen derselben kam an Gundakars Enkel, Anton Florian. Kaiser Karl VI. erhob das von Johann Adam Andreas 1699 u. 1703 gebaute Schellenberg u. Vaduz unter dem Namen L. zum Reichsfürstenthum, u. 1713 erhielt der Fürst für sich u. 1723 für seine Nachkommen Sitz u. Stimme auf dem Reichstage. 1748 starben auch dessen Nachkommen aus, u. sein Neffe Joseph Wenzel, der Sohn von Phil. Erasmus (Anton Florians jüngerer Bruder, st. 1704), erbte das Majorat u. die Güter des Hauses, welches nach seinem kinderlosen Tode 1771 an die Söhne seines jüngeren Bruders Emanuel fielen. Der älteste, Franz Joseph, Stifter der regierenden Franz'schen Linie, st. 1781, seine Nachkommen besitzen das Fürstenthum nebst dem größeren Theil der Güter in Österreich u. Schlesien; der jüngere Bruder, Karl, st. 1789, dessen Nachkommen das zweite od. Karlsche Majorat als Secundogenitur besitzen.

Merkwürdig sind: 1) Karl, geb. 1569, Sohn Hartmanns IV., Freiherrn von L., er wurde katholisch, war bei Rudolf II. Landhauptmann u. wurde zum Unterhändler bei den Türken u. Siebenbürgen gebraucht Als 1608 Zwist zwischen Rudolf u. seinem Bruder Matthias ausbrach u. dieser jenen zur Abtretung Ungarns zwingen wollte, stand L. auf Seiten des Letzteren, führte ihm ein Regiment zu u. bekam wegen des deshalb gemachten Aufwandes das Fürstenthum Troppau zum Pfand; später wurde ihm dasselbe erblich übertragen u. er 1614 in den Fürstenstand erhoben. Im Anfang des Dreißigjährigen Krieges wurde er von den Böhmen gefangen, aber als er sich den Schein gab, ihrer Sache anzuhängen, wieder frei; er blieb aber dem Kaiser Ferdinand II. treu u. wurde Kämmerer u. Geheimer Rath, auch Statthalter von Böhmen. Bei der Untersuchung u. Bestrafung der Unruhen zeigte er sich als heftiger Gegner des Lutherthums u. kam dadurch so in Gunst bei dem Kaiser, daß ihm dieser, nach der Acht Johanns von Brandenburg, dessen Fürstenthum Jägerndorf, so wie die Herrschaften Oderberg, Tarnowitz u. Bentheim übertrug; er st. 1627. 2) Karl Eusebius, Sohn des Vor., geb. 1611; war Oberhauptmann in Schlesien u. st. 1684. 3) Johann Adam Andreas, Sohn des Vor., geb. 1656; kaiserlicher Geheimer Rath, folgte seinem Vater 1684, kaufte 1699 u. 1708 von dem Grafen von Hohenems die reichsunmittelbaren Herrschaften Schellenberg u. Vaduz, wohnte 1708 als österreichischer Bevollmächtigter dem Landtage in Presburg bei u. st. 1712. Mit ihm erlosch die ältere Linie. 4) Jos. Wenzel, geb. 1696, Sohn des Fürsten Erasmus Philipp, verlor seinen Vater schon 1704 in der Schlacht an der Bormida, machte die Feldzüge 1716–20 gegen die Türken u. in Italien mit, wohnte 1724 als Oberst eines Dragonerregiments der Expedition gegen Corsica bei, war als Generalmajor 1734–1735 mit Eugen am Rhein u. vermittelte hier einen Zwist zwischen König Friedrich Wilhelm II. von Preußen u. dessen Sohn, dem nachmaligen Friedrich II. 1737 kam er als Feldmarschalllieutenant u. Gesandter nach Paris, wurde dort General der Cavallerie u. verließ Paris 1741. Im Österreichischen Erbfolgekriege focht er in Schlesien u. Böhmen, bes. bei Czaslau. 1745 befehligte er als Feldmarschall in Italien, ging 1746 zur Offensive über u. siegte bei Piacenza u. Rottofrede. 1748 folgte er seinem Neffen im Fürstenthum Liechtenstein u. st. 1772 als Generaldirector der Artillerie; Maria Theresia setzte ihm ein Denkmal. 5) Fürst Franz, Neffe des Vor., geb. 29. Nov. 1726, folgte 1772 seinem Oheim im Fürstenthume u. st. 18. Aug. 1781; vermählt war er mit Leopoldine geb. Gräfin Sternberg. 6) Fürst Karl Joseph, Bruder des Vor., geb. 1730, nahm früh Dienste u. stieg während des Siebenjährigen Krieges zum Generalmajor, trug viel zur Einnahme von Schweidnitz bei, beobachtete 1778 bei Leitmeritz die sächsische Grenze u. vereinigte sich dann mit Laudon. 1788 commandirte er ein 88,000 Mann starkes Heer gegen die Türken, mußte aber die Belagerung von Türkisch Dubitza aufheben. Erkrankt ging er nach Wien, wurde Feldmarschall u. st. 1789. 7) Fürst Aloys Jos., Sohn von L. 5), geb. 14. Mai 1759, folgte seinem Vater 1781 in dem Fürstenthume u. st.[365] 1805; er war vermählt mit Karoline geb. Manbescheid-Blankenheim u. hatte keine Kinder; 8) Fürst Johann Joseph, Bruder des Vor., geb. 26. Juni 1760, trat früh in k. k. Kriegsdienste, zeichnete sich im Türkenkriege 1788–90 als Major u. Oberstlieutenant bei den Dragonern bei Giurgewo u. Czettin aus; 1792 als Oberst nach den Niederlanden berufen, that er sich sehr hervor, wurde 1794 Generalmajor, focht als solcher 1796 in Deutschland u. 1799 in Italien, bes. an der Trebbia, wo er die Schlacht entschied u. Feldmarschalllieutenant wurde; 1805 folgte er seinem Bruder im Fürstenthum Liechtenstein u. zeichnete sich bei der Capitulation von Ulm u. bei Austerlitz aus, führte nach dieser Schlacht die Unterhandlungen u. unterzeichnete von Seiten Österreichs den Waffenstillstand u. den Frieden von Presburg. Napoleon nahm die Herrschaft Vaduz, ohne sein Wissen, in den Rheinbund auf, weshalb er zu Gunsten seines Sohnes abdicirte. 1809 führte er das Reservecorps, bewirkte durch die Einnahme von Regensburg die Verbindung Bellegardes u. Kolowrats, trug bei Aspern das Meiste zum Sieg bei u. focht bei Wagram. Nach der Schlacht von Znaym Feldmarschall geworden u. an des Erzherzogs Karl Stelle mit dem Oberbefehl betraut, schloß er mit Napoleon den Frieden von Schönbrunn, übernahm dann die Regierung seines Landes wieder u. st. 20. April 1836. Er war vermählt seit 1792 mit Josephe, geb. Landgrafin zu Fürstenberg-Weytra. 9) Moritz Joseph, Prinz von L., geb. 1775, Neffe von L. 6), österreichischer Feldmarschalllieutenant; 1813 u. 1814 commandirte er eine österreichische leichte Division u. zeichnete sich bei Leipzig aus; er st. 1819. 10) Aloys Gonzaga, geb. 1780, Bruder des Vor., zeichnete sich ebenfalls als Commandeur einer österreichischen Division 1813 bei Leipzig aus, wo er unter dem General Meerfeld commandirte. 11) Aloys Joseph, Sohn von L. 8), geb. 26. Mai 1796; erhielt noch unmündig von seinem Vater 1806 das Fürstenthum Liechtenstein abgetreten, welches er aber demselben 1814 wieder übergab; folgte definitiv 20. April 1836 u. st. 12. Nov. 1858 zu Eisgrub in Mähren; er war vermählt seit 8. Aug. 1831 mit Francisca de Paula, Gräfin von Kinsky. Ihm folgte in der Regierung sein älterer Sohn: 12) Fürst Johann Maria Franz Placidus, geb. 5. Octbr. 1840. Brüder des Fürsten Aloys u. Oheime des jetzigen Fürsten Johann sind: 13) Prinz Franz, geb. 25. Febr. 1802, ist österreichischer Feldmarschalllieutenant u. Commandeur des Cavalleriecorps in Pesth u. seit 1841 vermählt mit Julie geb. Gräfin Potocka. 14) Prinz Karl, Bruder des Vor., geb. 14. Juni 1803, Oberstwachtmeister in der österreichischen Armee, seit 1841 Wittwer von Rosalie geb. Gräfin Grünne. 15) Prinz Friedrich, Bruder des Vor., geb. 21. Sept. 1807, ist Feldmarschalllieutenant u. Commandeur des 12. Infanteriearmeecorps in Hermannstadt, sowie Gouverneur u. commandirender General in Siebenbürgen; er ist seit 1848 mit der als Sängerin berühmten Sophie Löwe (s.d.) vermählt. 16) Prinz Eduard, Bruder des Vor., geb. 22. Febr. 1809, ist Feldmarschalllieutenant u. Commandeur des 4. Infanteriearmeecorps in Lemberg u. seit 1839 mit Honoria geb. Gräfin Choloniewska vermählt. 17) Prinz August, Bruder des Vor., geb. 22. April 1810, ist Major in der österreichischen Armee. – 18) Prinz Karl, aus der Karlschen Linie, Sohn des 1795 verstorbenen Prinzen Karl Joh. Nepomuk, geb. 23. Oct. 1790, ist erster Obersthofmeister des Kaisers u. General der Cavallerie, seit 1819 vermählt mit Franzisca geb. Gräfin Wrbna-Freudenthal.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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