Heine

Heine

Heine, 1) Joh. Georg, geb. 1770 zu Lauterbach in Österreich, verfertigte chirurgische Instrumente u. errichtete 1798 in Würzburg eine Werkstatt für solche, erhielt bald Ruf u. wurde 1802 Universitätsinstrumentenmacher u. Bandagist. Nun beschäftigte er sich mit Erfindung von neuer Kunsthülfe[180] bei Beinbrüchen u. Verrenkungen, später mit mechanischer Behandlung der Rückgrathskrümmungen u. Klumpfüße u. errichtete 1816 dafür ein eigenes Orthopädisches Institut (Karolineninstitut), 1824 wurde er Assessor u. Demonstrator der Orthopädik, erhielt später einen Ruf nach Haag, richtete dort ein Seebad ein u. st. daselbst 1838. Er schr. einiges über seine chirurgischen Instrumente etc. u. Selbstbiographie, 1827. Das Orthopädische Institut in Würzburg übernahm nach ihm sein Neffe, 2) Bernhard H., Professor der Anatomie u. Physiologie in Würzburg, als Erfinder des Osteotoms bekannt; er st. den 31. Juli/ 1. August 1846 im Glockenthal bei Thun in der Schweiz u. schr.: Physiologische Untersuchungen u. Experimente über die Wiedererzeugung des Knochensystems. 3) Salomo, geb. 1767 von jüdischen Eltern in Hannover, kam arm 1784 nach Hamburg, wo er erst eine Stelle als Wechselherumträger bekleidete, dann in dem Wechselgeschäft von Popert diente, aber bald ein Wechselmaklergeschäft, 1797 mit Heckscher ein Bankiergeschäft u. 1818 ein eigenes Haus gründete, welchem er bis zu seinem Tode, den 21. December 1844, vorstand, es mit Unternehmungsgeist, Scharfsinn u. Rechtlichkeit führte u. zu einem europäischen Rufe erhob. Er war sehr mildthätig, erbaute 1840 auf eigene Kosten das Krankenhaus für jüdische Arme in Hamburg, gründete die Vorschußkasse für Juden, gab die Hälfte der Beiträge zum Bau des christlichen Schulhauses in Ottensen etc., in seinem Testament bestimmte er u.a. 163,000 Mk. Bco. für die Wohlthätigkeitsanstalten Hamburgs u. erließ allen, die ihm unter 400 Markschuldeten, diese Schulden. Vgl. Jos. Mendelssohn, Salomo Heine, 3. Aufl. Hamb. 1845. 4) Heinrich, Neffe des Vorigen, geb. den 12. December 1799 in Düsseldorf von jüdischen Eltern, widmete sich eine Zeitlang dem Kaufmannsstande in Hamburg, studirte dann in Göttingen, Bonn u. Berlin die Rechte, trat 1825 zum Christenthum über, übernahm kurze Zeit mit Murhard die Redaction der Politischen Annalen u. privatisirte abwechselnd zu Berlin, München u. Hamburg, machte Reisen nach Oberitalienn. England u. ging 1830 nach Paris, wo er von 1836–48 ein Jahresgehalt aus öffentlichen Mitteln bezog u. nach langem Leiden den 17. Febr. 1856 starb. Erschr.: Gedichte, Berl. 1822; Tragödien, nebst einem lyrischen Intermezzo, ebd. 1823; Reisebilder, Hamb. 1826–31, 4. Aufl. 1848–1851, 4 Bde., n. A. des 1. Bds. (Harzreise) 1856; Buch der Lieder, ebd. 1827, 15. Aufl. 1857; Kahldorf über den Adel, Hamb. 1837; Beiträge zur Geschichte der neuern schönen Literatur in Deutschland, Par. 1833, 2 Bde.; Französische Zustände, Hamb. 1833; Der Salon, ebd. 1834–40, 4 Bde., 2. Aufl. 1849 ff.; Die Romantische Schule, ebd. 1837; Über Ludwig Börne, ebd. 1840; Neue Gedichte, ebd. 1844; Ballade über die Schlacht von Hastings; Atta Troll (ein Sommernachtstraum), 1847; Romanzero (der 3. Bd. seiner Gedichte), 1851, 4. Aufl. 1852; Der Doctor Faust, ein Tanzpoem, Hamb. 1851 (eine Tragödie, in welcher nicht gesprochen, sondern alle Affecte etc. durch Tanz dargestellt werden); Vermischte Schriften, 1854; Les aveux d'un poete de la nouvelle Allemagne, 1854 (in der Revue des deux Mondes); gab auch Shakspeares Mädchen u. Frauen, mit Erläuterungen, Par. u. Lpz. 1839, heraus. Vgl. H. H., Erinnerungen von Als. Meißner, Hamb. 1856; Strodtmann, H. H-s Wirken u. Streben, Hamb. 1857; Steinmann, H. H., Denkwürdigkeiten aus meinem Leben mit ihm, Lpz. 1847; Schmidt-Weißenfels, Über H. H., Berl. 1857. Viele seiner früheren Gedichte zeichnen sich durch Schönheit, zauberhaftes Gemisch von Liebe, Luft u. Schmerz, durch zartes Gefühl, Anmuth u. große Vollendung der Form aus, während er in dem größten Theil seiner späteren voll von schonungslosem Witz u. Satyre, Hohn gegen alles Heilige u. Edle u. einem zur Schau getragenen Cynismus ist, mitten in poetische Ergüsse die schneidendste Ironie mischt u. selbst Sprache u. Versbau in hohem Grade vernachlässigt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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