Hayti

Hayti

Hayti, 1) eine der Großen Antillen in Westindien, so v.w. Domingo; 2) der westliche, kleinere, aber bevölkertere Theil der Insel; 526 QM. u. ungefähr 600,000 Ew., größtentheils Neger u. Mulatten, nur wenige andere Mischlinge u. Creolen. War bis December 1858 ein Kaiserreich unter Faustin I. Die Regierungsform war in der That despotisch, obschon der Kaiser eine Verfassung gegeben hatte, deren Grundzüge folgende waren: Kein Weißer konnte auf H. Bürgerrecht erwerben dagegen waren alle Afrikaner u. Indianer dazu qualificirt; H. u. die zugehörigen Inseln bildeten das Gebiet eines untheilbaren Kaiserreichs; bürgerliche u. religiöse Freiheit waren garautirt, die Katholische Kirche wurde jedoch vorzugsweise beschützt u. dotirt; Presse u. Unterricht waren frei; in Criminalsachen entschied eine Jury; die Legislative beruhte auf einem permanenten, von dem Kaiser zu ernennenden Senat u. einer auf fünf Jahre zu wählenden, vier Monate jährlich versammelten Kammer; die Kaiserwürde war in männlicher Linie erblich; der Kaiser erhielt neben einer bereits urbaren Domäne 150,000 Gourden jährlich, die Kaiserin 50,000 Gourden; es gab drei verantwortliche Minister; neben ihnen bestand ein Reichsrath von neun Großwürdenträgern, welche der Kaiser ernannte. Das Heer betrug 24,000 Mann, mit einem großen, unwissenden Generalstab u. undisciplinirten, schlecht gekleideten Truppen; die Kriegsflotte bestand aus acht Schiffen. Finanzen: die Einkünfte, meist aus dem Ertrag der Zölle u. Schifffahrt kommend, früher etwa 41/2 Millionen Franken, die Ausgaben zu 8–9 Millionen angeschlagen, überstiegen aber die Einnahme. Handel, in Folge der vom Kaiser 1849 angeordneten u. erst 1850 theilweis wieder aufgehobenen Maßregeln (s.u.) fast noch gänzlich gelähmt, während er schon früher sehr tief gesunken war. Unterricht in Elementarschulen sehr selten; das in Porte au Prince bestehende Lycée national für den höheren Unterricht wenig besucht, von Negern fast gar nicht. Die Katholische Religion, besonders neuerdings nach des Kaisers Vorgang, gemischt mit dem crassesten Negerglauben (Vaudou, Wodu, s.d.). Die Kirche ganz machtlos; Port au Prince hat 1 kleine Kirche, nur von Weibern besucht; Sprache vorzugsweise die französische; Hauptstadt: Port-au-Prince[119] (Port-Republicain); Münzen, Maße u. Gewichte s.u. Domingo 3).

H. (d.i. in der Sprache der Ureinwohner Hochland) wurde von Christoph Columbus den. 6. December 1492 entdeckt u. Española (Hispaniola) genannt; es wurde von einem harmlosen Indianervolke bewohnt, das man auf 1 Million schätzte u. das unter mehreren Kaziken stand, von denen Guacanagari den Spaniern sich freundlich bezeigte u., während die anderen sich gegen die Spanier verbanden, denselben treu blieb. Columbus gründete hier die erste Niederlassung der Spanier, Isabella, u. benutzte sogleich die Insel mit der Verwendung der Indianer zum Plantagenbau, wodurch dieselben allmälig ganz ausgerottet wurden. Fast verödet stand bald aus Mangel an Händen die Insel, die ihren ersten Namen nun in den der Hauptstadt San Domingo verwandelte. 1630 setzten sich französische u. englische Abenteurer (Bukanier) auf Tortuga u. auf der Westküste der Insel fest u. bildeten, Anfangs fast Räuber, später, vorzüglich unter Dogeron, eine ordentliche Colonie, deren Schutz 1668 Frankreich übernahm u. im Ryswicker Frieden 1697 durchsetzte, daß die Spanier auf die ganze Westhälfte der Insel verzichteten. Franzosen u. Spanier verhielten sich nun ruhig in ihrem streng begrenzten Antheile, indeß schuf die Thätigkeit der Franzosen durch eingeführte Neger den Westen, besonders seit 1622, in eine der blühendsten Pflanzungen um, während im spanischen Antheil Alles rückwärts ging. Am 12. April 1782 erfochten die Engländer unter Rodney bei H. einen Sieg über die Franzosen unter dem Grafen de Grasse, welcher Letztere gefangen wurde u. fünf Linienschiffe verlor. Zu Anfang der Französischen Revolution machten die Farbigen auf Freiheit u. Gleichheit Anspruch; die französische Nationalversammlung wich ihrer Bittschrift aus, bewilligte jedoch später den Mulatten gleiche Rechte mit den Weißen, aber dennoch brach 1791 der allgemeine Aufstand auch der Neger aus, Cap François wurde genommen, fast alle Weiße ermordet u. das ganze Colonialband aufgelöst. Anfangs führte Viasson, dann Jean François den Oberbefehl über das Negerheer, das sich 1793 mit den Spaniern gegen die französische Republik verband, die Spanier aber 1794 wieder verließ u. sich mit dem französischen General Laveaux, der gelandet war, verband. Der Neger Toussaint Louverture, französischer Brigadegeneral, genoß damals das größte Ansehen unter dem Negerheer u. leistete, indem er den bei einem Aufstand in Cap François gefangenen Laveaux mit 10,000 Mann befreite, die wesentlichsten Dienste. Nach Laveaux' Rückkehr nach Frankreich erhielt er auch das Commando über das ganze Heer in H., dessen spanischer Antheil unterdessen 1795 förmlich an Frankreich abgetreten worden war. Unterdessen hatten die Engländer mehrere Punkte besetzt, u. diese bekriegte nun Toussaint, ohne auf den angelangten Commissär Hédouville zu hören, der eine mit dem englischen General Maitland geschlossene Capitulation überbrachte, der zu Folge alle besetzte Plätze in die Hände Toussaints übergeben wurden, ja nöthigte ihn sogar, als er Zwistigkeiten zwischen den Negern u. Mulatten erregte, sich 1799 wieder einzuschiffen. Er organisirte währenddem die Regierungsform u. Verfassung sehr zweckmäßig u. verfuhr in Allem streng gerecht. 1802 erschien der französische Admiral Villaret Joyeuse vor Cap François u. setzte den General Leclerc mit einem Corps aus Land. Toussaint wollte die Landung nicht geschehen lassen, ließ Cap François durch General Christoph anzünden u. zog sich nach dem Inneren zurück. Bald aber gedrängt, mußte er eine Capitulation eingehen u. lebte dort ruhig: als er im Juni 1802, wie man sagt, auf Anlaß eines untergeschobenen Briefes, in dem von einem neuen Negeraufstand die Rede war u. den seine Feinde dem General Leclerc in die Hände gespielt hatten, verhaftet u. nach Frankreich geschickt wurde. Bald brach der Aufstand wieder aus, u. nach wenigen Monaten war das französische Corps durch Krankheiten, woran Leclerc selbst starb, u. durch die Neger so geschwächt, daß es endlich 1803 H. ganz räumen mußte.

Nun wurde der Negergeneral Dessalines den 8. Oct. 1804 unter dem Namen Jakob I. zum Kaiser ausgerufen. Er suchte auch des spanischen Theils der Insel, welcher den Spaniern 1804 zurückgegeben, aber von ihnen nicht in Besitz genommen worden war, sich zu bemächtigen, da er aber durch Ferrand, der sich mit mehreren Franzosen dahin begeben hatte, daran gehindert wurde, so wurde er darüber mürrisch u. behandelte seine Unterthanen höchst grausam, gab aber doch seinem Staate am 20. Mai eine Constitution. In Folge davon wurde eine Verschwörung angezettelt, an deren Spitze Christoph u. der Mulatte Petion stand, u. Jakob wurde 17. October 1806 bei einem Aufruhr ermordet. Petion u. Christoph stritten sich nun um die Regierung, endlich 1808 theilten sich Farbige u. Neger; jene stifteten in Südwesten eine Republik, an deren Spitze zu Port-an-Prince Petion als Präsident stand; diese in Nordosten ein Kaiserthum, dessen Krone Christoph (Heinrich I.) besaß u. sich 1811 salben ließ. Er richtete sogleich einen Hofstaat nach französischem Muster ein, wählte 3 Prinzen, 8 Herzöge, 19 Grafen, 36 Barone, welche die sonderbarsten Namen (Herzog von Limonade, Graf von Marmelade) führten, etc., stiftete den Heinrichsorden, kleidete sich u. seinen Hof europäisch u. dgl., doch machte er auch gute Einrichtungen, ließ ein Gesetzbuch (Code Henri) abfassen, beförderte Handel u. Gewerbe, Künste u. wissenschaftliche Bildung u. bildete ein Heer. Als Petion, Präsident der Republik, welche dem Kaiserthume vom Anfang an überlegen gewesen war, 1818 starb, wollte sich Christoph jener bemächtigen, allein Boyer, ein umsichtiger Mulatte, der sich dort an die Spitze gestellt hatte, vereitelte seinen Versuch, u. da Christoph in einem Militäraufstand, weil er vom Schlage gelähmt, den Aufrührern nicht entgegen gehen konnte, sich 8. October 1820 erschossen hatte, so ergab sich das Kaiserthum u. 1822 auch der spanische Antheil an Boyer, so daß die ganze Insel Eine Republik wurde, deren Unabhängigkeit bald von anderen Nationen, 1825 auch, nach vergeblichen Wiedereroberungsversuchen, von Frankreich anerkannt wurde, dem H. dafür 150 Millionen Francs bezahlen sollte, die jedoch 1838 auf 60 Millionen, in 30 Terminen bis 1867 zahlbar, ermäßigt wurden. In jenem Vertrage vom 12. Februar 1838 wurde zugleich ein Handelsvertrag zwischen H. u. Frankreich geschlossen. Im Frühjahr 1842 wurde H. durch ein furchtbares Erdbeben zerstört u. einige Städte fast vernichtet. Unter der Präsidentschaft Boyers herrschte im[120] Ganzen Ruhe auf der Insel, doch war dies eher eine Ruhe der Erschlaffung u. künstlichen Einschläferung, als eine Folge gesunder Zustände u. befriedigter Stimmung. Darum befand sich auch das Repräsentantenhaus in steter Opposition gegen Boyer, u. als dieser, besonders 1842, seine erbittertsten Gegner gewaltsam von den Sitzungen desselben ausschloß, griffen dieselben zu ziemlich offenkundigen Verschwörungen, in welche zuletzt selbst ein Theil der Truppen gezogen wurde. So kam es am 17. Januar 1843 zu offenem Aufstand gegen Boyer; am 23. d. M. erließ Charles Herard eine Proclamation aus Port-au-Prince gegen ihn, die Gefechte am 21. Februar bei Jeremie (wo die Truppen zu den Insurgenten übergingen) u. 12. März fielen unglücklich für denselben aus u. hatten seinen Sturz zur Folge. Boyer floh mit englischer Hülfe nach Jamaica (n. starb 1850 in Paris).

Durch diese neue Umwälzung gelangten die Farbigen wieder zur Herrschaft. General Herard-Rivière, eins der Häupter der gelungenen Verschwörung, trat an die Spitze der provisorischen Regierung. Im August d. I. brach eine Gegenrevolution aus, die zwar unterdrückt wurde, aber die darauf folgende Auflösung aller Ordnung wurde erst wieder geheilt, nachdem das in einen Verfassungsrath umgewandelte Parlament am 30. December 1843 eine neue Verfassung nach dem Muster der nordamerikanischen zu Stande gebracht hatte; zum Präsident wurde General Herard-Rivière gewählt. Seine Stellung war bei dem Widerstande des ehemaligen spanischen Antheils u. der drohenden Haltung der Schwarzen äußerst schwierig u. wurde ganz unhaltbar, nachdem am 27. Februar 1844 in S. Domingo ein offener Aufstand ausgebrochen war; Domingo erklärt sich zur selbständigen Republik, deren Präsident Pedro Santana, einer der reichsten Heerdenbesitzer, wurde (s. Domingo, Gesch.). Der Präsident zog im März zwar mit einer bedeutenden Heeresmacht gegen die Aufständischen aus, konnte aber bei den massenhaften Desertionen seiner Truppen nichts ausrichten u. wurde am 9. April bei S. Jago von den Aufständischen geschlagen; ja einer seiner schwarzen Generale, Pierrot, erklärte im April zu Cap H. den Norden der Insel für unabhängig, worin demselben ein anderer Schwarzer, I. Jacques Acaau, zu Aux Cayes hinsichtlich des Südens folgte. Zugleich regten sich in Port-au-Prince die Parteien aufs Neue; des Präsidenten eigene Anhänger fielen von ihm ab u. wählten, den Umständen nachgebend, im Mai 1844 einen Neger, den schwachen u. trunksüchtigen General Guerrier, zum Präsidenten, womit die Herrschaft der Schwarzen wieder entschieden war. Rivière zog sich gleichfalls nach Jamaica zurück. In H. starb Präsident Guerrier schon Anfangs 1845. Unter seinem Nachfolger, den, grausamen Pierrot, einem Verwandten des Kaisers Christoph, wurde die Lage der Mulatten, nachdem ein von ihnen im September zu Gunsten Rivière's erhobener Aufstand gescheitert war, noch drückender. In Folge der Weigerung Pierrots, die Entschädigungsgelder an Frankreich vor Wiedervereinigung der ganzen Republik H. weiter zu zahlen, verließ der französische Consul Lavasseur Port-au-Prince, u. dieser Umstand führte Pierrots Sturz, Anfangs 1846, herbei. Ihm folgte, im Februar d. I., Riché als Präsident, ein 70jähriger, aber muthiger Greis, dem es bald gelang, die innere Ruhe wieder herzustellen. Selbst die trostlose Lage der Finanzen gestaltete sich günstiger unter ihm; alle Gehalte wurden um die Hälfte vermindert, dagegen die Patentsteuern verdoppelt u. schwere Strafgesetze gegen den Schleichhandel erlassen. Eine allgemeine Amnestie begnadigte alle Staatsverbrecher mit wenigen Ausnahmen. Dagegen entstanden neue Mißhelligkeiten mit Frankreich wegen der Ausbeutung der Staatswaldungen, da die Mahagoniwälder den französischen Staatsgläubigern verpfändet waren. Ein deshalb erscheinendes französisches Geschwader mußte jedoch der Ruhr wegen sich bald wieder zurückziehen. Zum Unglück für H. starb Riché schon am 27. Februar 1847. Als sein Nachfolger wurde der General Faustin Soulouque proclamirt, der durch Erlaß vom 3. März das bisherige Ministerium beizubehalten u. der Politik seines Vorgängers treu zu bleiben versprach. Trotzdem fand schon im ersten Jahre ein Ministerwechsel statt, der die gegen alle Weißen feindliche Richtung des Präsidenten hinlänglich bethätigte. Gleichzeitig traf derselbe energische Vorbereitungen zu einem Kriege gegen die Republik Domingo. Doch hatte Soulonque vor der Hand, auf Veranlassung eines am 16. April 1848 ausgebrochenen Aufstandes der Mulatten zu Port-au-Prince unter dem General Ardouin, welcher blutig gedämpft wurde, sein Augenmerk vorzugsweise auf Befestigung seiner Macht im Innern zu richten. Zu Ende des Jahres verkündete er eine neue Verfassung (s. oben) u. ernannte ein neues Ministerium. Unterdessen hatte Frankreich die östliche Republik Domingo anerkannt u. unter dem 22. October einen Freundschafts-, Handels- u. Schifffahrtsvertrag mit derselben geschlossen; in Folge davon erklärte Soulouque, daß die Zahlung der an Frankreich schuldigen Entschädigungssumme eingestellt werden solle. Zwar machte der französische Consul die ernstlichsten Vorstellungen hiergegen, dieselben trafen den Präsidenten jedoch schon nicht mehr in der Hauptstadt. Im März 1849 nämlich war Soulouque endlich mit 20,000 Mann gegen die Dominicanos aufgebrochen; um die Kosten des Feldzugs zu decken, ließ die Regierung täglich für 15,000 Thaler Papiergeld verfertigen. Zwei glückliche Gefechte im April bei las Matas u. Azua eröffneten den Feldzug. Plötzlich wandte sich jedoch das Glück. Santana, Oberfeldherr der Dominicanos, umging mit 15,000 Mann den linken Flügel der Haytier, u. zugleich lief die dominicanische Flotte mit 2000 Mann Landungstruppen aus, um Soulouque von der anderen Seite her anzugreifen. In der Hauptschlacht bei Savaña Numero am 22. April 1849 siegten die Dominicanos. Von Soulouques Heer blieben an 600 Mann, darunter 3 Generale. Azua ging verloren; die Armee der Schwarzen löste sich auf u. erlitt auf der Flucht noch einen bedeutenden Verlust. Vor gänzlichem Untergang hatten ihn nur die Zustände in der Republik Domingo bewahrt, deren Präsident Jimenes, im Einverständniß mit Soulouque, nach dessen Niederlage einen Aufstand zu seinen Gunsten erhob, wodurch Santana zur Umkehr u. Belagerung der Stadt Domingo genöthigt wurde. Hierauf bestand eine Zeitlang Ruhe zwischen beiden Republiken. Soulouque verfolgte inzwischen seine ehrgeizigen Pläne. Er entdeckte eine Verschwörung, in welche die bedeutendsten[121] Glieder der liberalen Partei, sämmtlich reiche u. hochstehende Mulatten, verwickelt waren u. schließlich erschossen wurden. Hierauf wurde eine Bittschrift an Senat u. Kammer in Umlauf gesetzt des Inhalts, daß beide dem Präsidenten den Kaisertitel übertragen sollten. Sie fand kaum einige Unterschriften, dennoch machte der Senat am 26. August dem Präsidenten dieses Anerbieten, worauf Soulouque sich selbst die Kaiserkrone aufsetzte.

Zunächst errichtete der Kaiser hierauf eine glänzende Leibgarde u. stattete zugleich sich selbst u. seinen Hof prächtig aus. Er selbst nannte sich Soulouque Robespierre Napoleon Faustin I. Kaiser von H. Gefährlicher waren die Maßregeln, die der Kaiser in commercieller Hinsicht traf, indem er Kaffee u. Zucker, wie alle zum Export bestimmten Waaren, für kaiserliches Monopol erklärte u. zugleich den Producenten Preise stellte, die einem Verbot der Production gleichkamen; ferner wurden die meisten Häfen gesperrt, u. 30 Tage lang durfte einmal auf fremden Schiffen gar nichts eingeführt werden; weiter wurde verordnet, daß alle fremden Kaufleute eine Patentsteuer von 1800 spanischen Dollars u. für jeden Commis 1000 Dollars zahlten. Den energischen Vorstellungen der fremden Consuln gelang es endlich erst im Jahr 1850, daß vom 1. Juli an die Monopolisirung aufgehoben wurde; doch trat an deren Stelle ein sehr hoher Ausgangszoll. 1850 begannen die Feindseligkeiten zwischen H. u. Domingo, ungeachtet der Vermittelungsversuche der fremden Mächte, England, Frankreich u. der Vereinigten Staaten, von Neuem. Am 30. September entsandte der Kaiser ein neues Heer zu Wasser u. zu Land; doch erlitt dasselbe am 9. October wiederum eine Niederlage in den Bergen von Bonica, u. zugleich wurde eine kaiserliche Brigg genommen. Ein Aufstand des Prinzen Botos Anfang 1851 wurde vom Kaiser rasch unterdrückt; der Justizminister u. mehrere hochgestellte Beamte wurden erschossen. Frankreich, England u. die Vereinigten Staaten Nordamerikas erließen darauf eine Collectivnote an den Kaiser, worin Anerkennung der östlichen Republik od. doch Einstellung der Feindseligkeiten auf 10 Jahre verlangt wurde. Nichts destoweniger kam es aufs Neue zum Kampf, aber auch dies Mal wurde Faustin zu Land u. zu Wasser geschlagen Am 18. April 1852 fand zu Port-au-Prince die feierliche Krönung des Kaisers Statt. Seine sogenannten staatswirthschaftlichen u. nationalökonomischen Maßregeln brachten die Insel in äußersten Verfall. Während sie im Jahr 1789 47,516,531 Pfund gedeckten Zucker u. 93,573,300 Pfund Muscovade, an Kaffee 76,853,219 Pfund, an Baumwolle 7,004,274 Pfund lieferte, hatte schon 1811 die Raffinerie u. Ausfuhr des Zuckers gänzlich aufgehört, der Baumwollenbau lieferte etwa noch 1 Million Pfund jährlich, an Kaffee kamen im Jahr 1852 noch 50,074,108 Pfund zur Ausfuhr, aber nur weil die Regierung den Anbau durch strenge Maßregeln erzwang, um sich einen möglichst beträchtlichen Fünften (Quinta) zu sichern. 1854 schloß Faustin mit der französischen Regierung eine Übereinkunft zum Behufe einer geregelteren Erfüllung der Frankreich gegenüber bestehenden finanziellen Verbindlichkeit H-s ab, was ihn jedoch nicht hinderte, sich mehrmals zu völkerrechtswidrigen Handlungen hinreißen zu lassen. Ein Versuch, die Verhältnisse der Katholischen Kirche auf H. auf würdigere Weise zu ordnen, scheiterte, so daß der päpstliche Abgesandte, Spaccapietra, unverrichteter Sache die Insel verließ, u. seit der Zeit der Woducult am Hofe Faustins noch größeren Einfluß erlangte, obgleich der Kaiser, dessen Vertrauen ein ehemaliger Priester vom Senegal, Abbè Moussa, Pfarrer in Port-au-Prince, genoß, sich zur Katholischen Kirche bekannte. Im Jahr 1855 errichtete Faustin ständige Gesandschaftsposten in London u. Paris. Im Reiche Faustins selbst waren aber die Weißen fortwährend den Ausbrüchen eines barbarischen Übermuthes ausgesetzt. So wurde im Juli 1855 in Port-au-Prince ein französischer Offizier mißhandelt, weil er sich weigerte, vor einem unbewohnten Schlosse Faustins den Hut zu ziehen u. eine tiefe Verbeugung zu machen. In Folge eines ähnlichen Vorfalls, wobei der Secretär des spanischen Consuls betheiligt war, sah sich die spanische Regierung veranlaßt, den völkerrechtlichen Verkehr mit H. zu unterbrechen. Inzwischen machte der Kaiser, eingedenk seiner Aufgabe, die ganze Insel unter seine Herrschaft zu bringen, unter dem Vorgeben, daß von dort Angriffe auf das kaiserliche Gebiet vorbereitet würden, neue Eroberungspläne auf die Republik Domingo u. rief Anfang Decbr. 1855 in einer Proclamation das Volk auf, ihn dabei zu unterstützen. Zwar hatten die Repräsentanten Frankreichs u. Englands dagegen protestirt, allein der Kaiser ließ blos den Empfang der Mittheilung bescheinigen u. zugleich den Entschluß ankündigen, sich zur Armee zu begeben, welche sich schon auf dem Marsche befand. Von dieser, in eine Süd- u. Nordarmee getheilt, hatte sich erstere, etwa 18,000 Mann unter dem General Geffrard, bei Mirabelais versammelt u. rückte von da in das Gebiet der Republik ein; am 22. December kam es in der Savanna von San Tomé zur Schlacht, in welcher die Kaiserlichen von dem 500 Mann starken Corps der Dominicaner unter Cabral gänzlich besiegt wurden; der Kaiser selbst floh an der Spitze der Seinen u. ließ die kaiserliche Krone u. Kasse, sowie alle Munition, Bagage u. viele Waffen den Dominicanern als Beute. Um diese Niederlage zu rächen, ließ Faustin drei seiner Generale erschießen u. mehrere Offiziere von niederem Range hinrichten, weil er sie der Verrätherei u. des Einverständnisses mit dem Feinde beschuldigte. Er sammelte hierauf die Reste seines Heeres, vereinigte sie mit der Nordarmee bei Juana Mendez u. zog mit 10–12,000 Mann von da nach Talanquera; aber die Dominicaner lieferten ihm am 24. Januar 1856 auf der Savanna Larga ein zweites Treffen, in welchem er wieder gänzlich geschlagen wurde. Nach seiner Rückkehr in die Residenz erklärte der Kaiser in einer Proclamation am 27. Januar 1856, daß der Plan gegen Domingo nur aufgeschoben sei. Neue Angriffe auf Domingo verhinderte die Vermittelung Englands u. Frankreichs, sowie die kühne Haltung der Dominicaner selbst, so daß 1856 ein dreijähriger Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Aber noch ehe derselbe abgelaufen war, machten die Haytianer, der von Jahr zu Jahr sich steigernden Tyrannei Faustins müde, seiner Herrschaft ein Ende. Am 22. December 1858 brach unter General Favre Geffrard ein Aufstand auf; Faustin wurde, ohne ernstlichen Widerstand leisten zu können, des Thrones für verlustig erklärt u. General Geffrard zum Präsidenten der Republik[122] H. proclamirt. Vgl. Iustin, Hist. polit. et stat. de l'isle de H., Par. 1826; Harvey, Sketches of H., from the expuls of the French to the death of Christophe, Cambr. 1827; W. Jordan, Geschichte der Insel H., Lpz. 1846; Thomas Madiou, Histoire d'Haïti, Port-au-Prince 1847; Saint Remy, Pétion et Haïti, Par. 1858.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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