Akademie

Akademie

Akademie (v. griech. Akademĭa), 1) Platz in Attika am Kephissos, nordwestlich von Athen, Anfangs dem Heros Akademos (s.d.) geweiht u. nach ihm genannt, mit angenehmen, bes. von Kimon angelegten Platanen- u. Ölbaumpflanzungen, Altären der Musen, des Eros, Herakles, Prometheus, Kapelle der Athene etc., bes. mit dem einen der 3 Gymnasien von Athen. Von den Lacedämoniern bei der Verwüstung Athens verschont, wurde später (87 v. Chr.) dieser Hain von Sulla bei der Belagerung Athens niedergeschlagen, um aus dem Holz Kriegsmaschinen zu machen. Da sich Plato täglich in dem Gymnasium einfand u. daselbst seine philosophischen Vorträge hielt, u. seine Nachfolger daselbst lehrten, so hieß auch A. 2) die von Plato gestiftete Philosophenschule Akademische Schule u. ihre Anhänger Akademiker. Da später die Vorsteher dieser Schule in verschiedenem Geiste philosophirten, so entstanden verschiedene A-n. Einige unterscheiden blos 2: die ältere A., von Plato gestiftet u. von Speusippos, Xenokrates, Polemo, Krates u. Krantor fortgesetzt, u. dieneuere A., von Arkesilaos gestiftet u. von Lakydes, Euander, Hegesinos, Karneades u. A. bis auf Cicero herab fortgesetzt, diese wendete sich von dem Dogmatismus zum Skepticismus. Andere unterscheiden 3: die alte A. (die ältere der Vorigen), die mittle A., die neuere der Vorigen bis Karneades, mit welchem sie dann die neue A. anfangen, weil sich die Akademiker unter diesem dem Skepticismus ab- u. dem Probabilismus zuneigten. Noch Andere unterscheiden 5, indem sie nach Karneades Philos Hinneigung zum Dogmatismus als die 4. u. des Antiochos Versuch, die A. mit der Stoischen Schule auszusöhnen, als die 5. A. annehmen (Foucher, Hist. des Académiciens, Par. 1690; Ders., De philos. académ., ebd. 1692). Nach der Zerstörung der A. durch Sulla, nannte 3) Cicero sein Landgut bei Puteoli A., s. Academia. Als im 15. Jahrh. n. Chr., wo in Folge der Eroberung Constantinopels durch die Türken mehrere griechische Gelehrte nach dem Abendlande, bes. nach Italien, flüchteten, das Studium der alten Philosophie u. der classischen Literatur im Abendlande, bes. in Italien, wieder neu auflebte, u. bes. die platonische Philosophie viele Verehrer fand, nannte man A-n 4) Vereine Gelehrter, um über Sprache, Dichtkunst, Redewerke Ideen auszutauschen u. gegenseitige Urtheile auszusprechen u. anzuhören. Dies fand Beifall, u. die vornehmsten Männer stellten sich als Protectoren u. Nutritoren an die Spitze solcher Vereine, u. bald darauf wurden auch in anderen Staaten von den Regenten solche A-n errichtet, u. so ist jetzt eine A. 5) (Gelehrte Gesellschaft, fr. Académie, ital. Accademia, span. u. port. Academia), eine von der Staatsregierung[235] gestiftete Vereinigung von Gelehrten, zuweilen auch Künstlern (letztere Kunstakademien, s.d.), welche die höhere Ausbildung der Wissenschaften (u. Künste) zum Zweck haben. Die wissenschaftlichen A-n enthalten gewöhnlich eine bestimmte Anzahl ordentlicher Mitglieder, die in verschiedene Klassen der zu bearbeitenden Wissenschaften (mathematische,-historische, geographische, ethnographische, philologische, linguistische, literaturhistorische, archäologische) getheilt sind; an ihrer Spitze steht ein Präsident; in den Versammlungen werden Vorträge über wissenschaftliche Gegenstände gehalten, auch Preisaufgaben gestellt u. diese an bestimmten Tagen (wie an Stiftungs- od. Geburtstagen der Stifter od. Restauratoren) gekrönt. Die Vorträge werden gewöhnlich in den Schriften (Memoiren. Acta, Commentationes, Annales, Miscellanea, Ephemerides, Verhandlungen, Schriften, Denkschriften u. dgl.) der A. veröffentlicht. Außer den ordentlichen Mitgliedern zählen zu jeder A. noch Ehrenmitglieder u. correspondirende Mitglieder, auswärtige Gelehrte, welche sich durch Schriften an den Arbeiten der A. betheiligen können. Auch ähnliche Privatverbindungen Gelehrter gibt es, die aber gemeiniglich nur eine bestimmte Wissenschaft verfolgen. Als die älteste A. gilt das Museum (s.d.) in Alexandrien; nach dessen Muster wgren die A-n der Juden, mehrer Khalifen u. Karls d. Gr. Schola palatina. Indeß auch die letztere ging bald wieder ein, u. erst die Mediceer gründeten im 15. Jahrh. (s. oben 4) solche dauernde Vereine, u. nach ihrem Muster sind in andern Staaten A-n errichtet worden. Die unter dem Namen A., sowohl öffentliche als Privatvereine, bekanntesten gelehrten Gesellschaften sind:

I. In Italien. Die ersten waren Privatvereine u. von den meisten läßt sich die Zeit ihres Entstehens nicht genau bestimmen, da sie sich ohne Statuten u. Stiftungsurkunde bildeten. Die ältesten sind die Griechische u. Platonische A. in Florenz, von denen jene Lorenzo de' Medici, diese Cosmo de' Medici (s. u. B) gründete. Sehr gewöhnlich wurde die Errichtung von A-n in Italien im 16. Jahrh., u. es war fast nicht eine bedeutendere Stadt, welche nicht eine A. hatte. Diese A-n legten sich irgend einen allegorischen Namen bei u. bezweckten zumeist Aus- u. Fortbildung der Muttersprache u. Dichtkunst, doch auch der Naturwissenschaften u. Alterthumskunde. A) In Neapel: a) die älteste, gestiftet zwischen 1430 u. 1440, an Alfons V. Hofe von Ant. Beccadelli Panormita (st. 1471), deren Zweck freie literarische Unterhaltung u. Anregung wissenschaftlicher Thätigkeit war; Mitglieder derselben waren Laurent. Valla, Barth. Fazius, Jac. Sannazar, Alex. ab Alexandro etc. Die Mitglieder, nach Quartieren eingetheilt, versammelten sich in einem eigenen Gebäude (Porticus); außer den ordentlichen hatten sie noch in ganz Italien Ehrenmitglieder; b) die Ardenti; c) die 1560 gestiftete A. secretorumnaturae, wurde bald vom Papste wieder aufgehoben; d) Reale A. delle Scienze e Belle Lettere, seit 1749, gibt Atti u. Rendiconti heraus; e) die A. Erculanea, ein Alterthumsverein für die in Pompeji u. Herculanum ausgegrabenen Denkmäler, 1755 von Tanucci gestiftet, deren Abhandlung als Antichita di Erculano seit 1775 erschienen; f) die von Joseph Bonaparte 1807 gestiftete neapolitanische A. für Geschichte u. Antiquitäten. B) In Florenz. Um 1439 wurde a) die Platonische A. gestiftet von Cosmo Medici durch Marsiglio Ficini; die Versammlungen der Mitglieder waren dem Philosophiren in platonischem Geiste gewidmet. Sie ging wohl mit Ficinis Tode (1499) ein. Vgl. Siweking, Geschichte der Platonischen A. zu Florenz, Gött. 1812; b) die A. der Humoristi, gestiftet 1540 in Muzzuolis Hause u. 1541 vom Herzog bestätigt, besteht als Florentinische A. noch jetzt, nachdem 1783 mehrere andere mit ihr verschmolzen worden sind. Vgl. Salvier Salvini, Fasti dell' Acc. Fior., Flor. 1717; c) A, del Cimen to, 1657 von Leopold Medici gestiftet, leistete viel für Naturkunde; von ihrer scheinen Sag, ri di Naturali Esperienze; d) die von Pozzi 1735 eingerichtete Societas Columbaria; e) A, della Crusca (A. Furfuratorum. A. von den Kleien), gestiftet 1582 von Ant. Franc. Grazzini. Der Name soll andeuten, wie die Kleie von dem feinen Mehle, so soll alles Untzügliche aus der Sprache abgesondert werden. Daher stehen auch Embleme u. alle Geräthschaften in dem Versammlungssaale in Bezug auf Ökonomie u. Mühle, der Präsident sitzt auf einem Korbe, zu dem man auf 3 Mühlsteinen steigt; auf den Katheder, einen Korb, steigt man über Mehlsäcke etc. Das Sinnbild der A. ein Mühlbeutel. Sie hat das große italienische Wörterbuch (s. u. Italienische Sprache) herausgegeben; f) die A. Etrusca, gestiftet 1807 für etruskische Antiquitäten. C) In Rom: a) 1468 stiftete Jul. Pomponius Lätus einen Verein zur Erklärung u. Auffindung von Antiquitäten; Papst Paul II. hob ihn als heidnische Zwecke verfolgend auf; nachdem er im Hause des Paolo Cortese nochmals aufgelebt war, ging er um 1553 ganz ein; Papst Benedict XIV. erneuerte ihn 1742; b) A. dei Lyncei, eine naturforschende A., zu Rom gegen 1590 gestiftet: c) Arcadia od. Accademiadegli Arcadi, Gesellschaft zu Rom, bes. zur Ausbildung der italienischen Dichtkunst. Sie entstand durch die Königin Christina von Schweden u. wurde nach deren Tod von dem Rechtsgelehrten Leonio geleitet. Der Ausruf eines Mitglieds beim Vorlesen eines Schäfergedichts: Ich fühle mich in Arkadien! gab der Gesellschaft den Namen Arkadier, unter dem sie 1690 förmliche A. ward. Wappen: eine Hirtenflöte mit Lorbeer u. Fichtenlaub; der Garten, wo die Arkadier jeden Donnerstag zusammenkommen, heißt nach einem Gebirge in Arkadien Posco di Parassio, u. überhaupt strebt Alles, an Arkadien zu erinnern. Sie hat einen Präsidenten, Custode dell' Arcadia (der erste war Crescimbeni), u. dieser 12 jährlich zu wählende Beisitzer. Zu Bologna, Pisa, Ferrara, Venedig etc. bestehen Filiale unter verschiedenen Namen; später sanken die Arkadier, bes. durch die Leichtigkeit, Mitglied zu werden, sehr; d) A. Pontificia de' nuovi Lincei, eine A. der Wissenschaften, gestiftet am 3. Juli 1847 vom Papst Pius IX. u. im Nov. eröffnet. Die Mitglieder zerfallen im 5 Klassen: ordentliche Mitglieder, Emeriti, correspondirende, Ehren- u. außerordentl. Mitglieder, sie publicirt. Atti. D) Zu Venedig, außer mehreren einzelnen Gesellschaften, bes. a) die von A. P. Manuzzi 1495 gestiftete A., deren Mitglieder classische Autoren herausgaben; ihre Statuten sind von 1502; b) die A. Veneta, mit ähnlicher Tendenz wie die vorige, 1503 gestiftet. Vgl. Lunze, A. Ven., Lpz. 1801, u. c) die von Albrizzi 1696 gestiftete Gesellschaft[236] zur Beförderung des Drucks guter Bücher; d) die zu Anfang des 18. Jahrh. von Coronelli gestiftete Societas Geogr. Argonautrum, mit geographischer Tendenz. E) Zu Bologna: a) A. od. Institutum Artium et Scientiarum, 1690 von Manfredi gestiftet, erneuert 1829 vom Papst Pius VIII.; Schriften: Commentarii, 1731–91, 7 Thle. in 11 Bdn.; Novi Comm., 1834–49, 8 Bde.; u. b) Clementina Bonarum Artium, vom Papst Clemens IX. gestiftet, war eine Kunst-A. u. wurde mit jener 1712 vom Grafen Marsigli erweiterten A. für Künste u. Wissenschaften verbunden; ihre Forschungen waren bes. den Naturwissenschaften u. der Medicin gewidmet. Sie ist auch zugleich Lehrakademie. 1820 wurde sie als Imperiale Regio Istituto Lombardo di Scienze, Lettere ed Arti nach Mailand verlegt; publicirt Giornale dell' I. R. etc. Vgl. Bolletti, Origine et Progr. dell' Istituto etc., Berl. 1751; Commentarii de Bononiensi Scientiarum et Art. Instituto, ebd. 1731. F) Königreich Sardinien: a) Die A. Realedelle Scienze zu Turin, 1757 als Privatverein gestiftet, wurde 1783 königliches Institut, bes. für Mathematik u. Physik thätig; gab ihre Abhandlungen 1784–1813 unter verschiedenen Namen, 1786–1825 in 15 Bdn. heraus; b) die A. di Filosofia Italica zu Genua, gestiftet vom Grafen T. Mamiani, gründete 1851 ein Filicalcomite in Turin. G) Herzogthum Modena: Die Societa Italiana delle Scienze zu Modena, die Zahl der Mitglieder ist auf 40 bestimmt. Hy Außerdem wurden in vielen anderen Städten Italiens A-n gegründet, wie A. Etrusca zu Cortona, gestiftet 1727 (1736) zur Erforschung etruskischer Alterthümer; zu Ancona die A. degli Caliginosi: zu Alessandria A. degli Immobili; zu Bologna A. degli Accesi u. A. degli Gelati (gestiftet von Melch. Zoppi, st. 1634); zu Bresse die A. d. Occulti; zu Cesena die A. d. Offuscati: zu Citta del Castello die A. d. Agitati; zu Fabriano die A. d. Disuniti; zu Faenza die A. d. Filioponi; zu Fermo die A. d. Raffrontati; zu Ferrara die A. d. Sileni, Interpridi, Filare ti: zu Genua die A. d. Adormenta ti u. A. d. Scienze; zu Lucca die A. d. Oscuri u. Reale A. di Scienze Lettereed Ar ti; zu Macerata die A. d. Catena ti (gestiftet von Hieron. Zoppi, Professor in Macerata, dann in Bologna, st. 1591); zu Mailand die A. d. Nascos ti; zu Mantua die A. d. Invaghiti; die A. delle Scienze zu Padua (gestiftet 1520, restaurirt 1770); zu Parma die A. d. Innominati; zu Palermo die A. di Scienze e Lettere; zu Pavia die A. d. A ffidati; zu Padua hie Imperiale Regia A. di Scienze, Lettere ed Arti; zu Perusia die A. d. Insensati; zu Rimini die A. d. Adagiati; zu Siena die A. d. Intronati; zu Spoleto die A. d. Obtusi; zu Treviso die A. d. Perseveranti; zu Urbino die A. d. Assordi ti; zu Verona die A. d. Filarmonici u. die A. d'Agricultura, Commerzio ed Arti; zu Vicenza die A. d. Olimpici; in Viterbo die A. d. Ostinati u. a.

II. In Frankreich. Die älteste A. Frankreichs ist A) das zu Toulouse von 7 Mitgliedern 1324 gestiftete Collège du Gay-Savoir, zu poetischen Wettstreiten bestimmt, wobei der Preis eine goldene Viole war. Im Jahre 1484 unterbrochen, lebte die Gesellschaft angeblich durch die Freigebigkeit einer Toulouser Bürgerin, Clemence Isaura, wieder auf u. erhielt den Namen Jeux floreaux. Unter Ludwig XIV. wurden die Statuten (Les lois d'amour) 1695 erneuert u. die Gesellschaft zu einer A., Académiedes Jeux floreaux, erhoben, mit einem vom König ernannten Kanzler, 35 Mainteneurs u. 20 Ma îtres; seit 1773 ist die Kanzlerwürde aufgehoben u. an der Spitze der A. steht ein Moderateur u. ein ständiger Secretär; die Preise für die besten Gedichte bestehen in goldenen Amaranthen u. Rosen u. silbernen Lilien, Veilchen u. Ringelblumen. Die A. hat nur 1790–1806 Störungen erlitten; sie gibt seit 1696 Recueil annuel de l'A. heraus. B) Für die Vervollkommnung der französischen Sprache, nach Art der Crusca errichteten 1570 Baif u. Thibault de Corville eine A., die aber schon 1591 einging. C) In Paris wurde später dafür a) die A. Française, 1620 als Privatverein gestiftet, 1635 von Richelieu zur A. erhoben; sie beschäftigt sich bes. mit der Landessprache, Beredtsamkeit u. Dichtkunst, u. gab das Dictionnaire de la langue Franc. (s. u. Französische Sprache) heraus. b) Die A. des Inscriptions et Médailles, 1663 von Colbert gestiftet, bestand nur aus 4 Mitgliedern der A. française, für das Studium alter Denkmäler, zugleich für die Erhaltung denkwürdiger Ereignisse durch Münzen, Inschriften u. Bildwerke, 1701 als öffentlich anerkannt, 1716 als A. des Inscript. et Belles Lettres erweitert. c) Die A. des Sciences, 1666 von Colbert gestiftet, bes. für Geschichte, Alterthümer u. Kritik; erhielt 1699 unter Ludwig XIV. neue Statuten u. wurde 1713 öffentlich anerkannt. Diese 3 A-n wurden 1793 aufgehoben u. 1795 durch das d) Institutnational ersetzt. 1804 theilte es Napoleon, der ihm den Namen Institut Impérial ertheilte, in 4 Klassen, die 1. für Physik u. Mathematik, die 2. für französische Sprache u. Literatur, die 3. für alte Literatur u. Geschichte, die 4. für schöne Künste. Die ordentlichen Mitglieder bezogen 1500 Francs Besoldung; die akademische Kleidung war schwarz u. grün mit Gold, alle Jahre. 4mal Generalversammlung der ganzen A. in dem Palais des Beaux Arts. 1816, unter Ludwig XVIII., wurde zwar der Name Institut beibehalten, die 4 Klassen erhielten aber die alten Namen: A. Française, A. des In scriptions et Belles Lettres, A. des Sciences, A. des Beaux Arts, wieder. Während der neuen Herrschaft der Bourbons leistete der A. wenig. Seit der Julirevolution 1830 hob sie sich wieder u. erhielt durch Ordonnanz vom 25. Oct. 1832 eine 5. Klasse, die A. des Sciences Morales et Politiques, u. hat seit dem Bestehen des neuen Kaiserthums 1852 wieder den Namen Institut Impérial de France erhalten. Das Institut hat gemeinschaftlich einen Fonds, Bibliothek u. Sammlungen; u. alle 2 Jahre eine Versammlung; jede A. hat dann für sich einen Fonds, einen ständigen Secretär (die A. des Sciences zwei) u. außer den besonderen jährlich eine feierliche Sitzung. Die Mitglieder werden von den Akademikern gewählt u. vom Kaiser bestätigt; jedes ordentliche Mitglied (Pensionnaire) hat 1500 Francs, jeder der 7 Secretäre 6000 Francs [237] Gehalt. Unbesoldete Mitglieder heißen Académiens libres. Die A. Française beschäftigt sich bes. mit der Landessprache u. hat 40 Mitglieder, darunter 1 Director, 1 Kanzler u. 1 Secretär; sie hält wöchentlich 2 Versammlungen; A. des Inscriptions et Belles Lettres, beschäftigt sich bes. mit Geschichte, besteht aus 40 Mitgliedern, 10 Académiens libres, 8 auswärtigen Associés u. 40 correspondirenden Mitgliedern; ihr Directorium ist 1 Präsident, 1 Vicepräsident u. 1 Secretär; sie hält wöchentliche Sitzungen u. gibt in ihren Mémoires Arbeiten ihrer Mitglieder u. ältere Werke heraus; A. des Sciences, für Naturwissenschaften u. Mathematik, für deren verschiedene Branchen sie in 11 Sectionen getheilt ist, besteht aus 63 Mitgliedern, 2 Secretären, 10 unbesoldeten u. 8 auswärtigen Associés; ihre Sitzungen sind öffentlich; gibt u. a. Mémoires u. ihre Sitzungsprotokolle heraus; die A. des Beaux Arts. für die schönen Künste, in 5 Sectionen (Malerei, Bildhauerei, Baukunst, Kupferstecherkunst u. musikalische Composition), besteht aus 40 Mitgliedern u. 18 Académiens libres u. Associés; Versammlung wöchentlich; A. des Sciences Morales et Politiques, hat 40 Akademiker, welche in 6 Sectionen: Philosophie, Moralphilosophie, Legislation, Staatsrecht, Iurisprudenz u. (seit 1855) Administrationswissenschaft, Nationalökonomie u. Statistik, Philosophie der Geschichte, getheilt sind; außerdem hat sie 10 unbesoldete u. Ehrenmitglieder. Die früheren Schriften der A. waren: Histoire et Mémoires de l'A. des Sciences depuis son établissement en 1660 jusqu' en 1790, 164 Bde., Par. 1701–93 (eine spätere Auflage in 176 Bdn., Amst. 1706–79, ist unvollendet), die physikalisch-chemischen Abhandlungen darin von 1692–1741, deutsch von Steinwehr, kamen in 13 Bdn., Berl. 1748–59, u. die anatomisch-chemischen u. botanischen Abhandlungen von demselben in 9 Bdn., ebd. 1740–60, u. Abhandlungen aus der Naturlehre u. Chemie von Beer, 2 Bde., Lpz. 1752–54 heraus; Hist. et Mém. de l'A. des Inscriptions et Belles Lettres de 1701–93, 50 Bde., Par. 1717–1809 (neue, nur bis 1776 reichende Auflage in 102 Bdn., Haag u. Par. 1719–81, die früheren Bde. deutsch von Gottsched, in 2 Bdn., ebd. 1753–54); als Fortsetzung beider Sammlungen: Mém. de l'Institut National des Sciences et des Arts, 33 Bde., Par. 1796–1819; jetzt geben einzelne Klassen ihre Mémoires heraus, s. oben. e) Sociétédes Antiquairesde France s. u. Alterthumsvereine. f) Société Asiatique, s. Asiatische Gesellschaften. D) Nach der Pariser A. wurden auch in mehreren Hauptstädten Frankreichs A-n gegründet, wie 1668 zu Aix, 1702 zu Amiens, 1705 zu Caën, 1706 zu Montpellier, 1712 zu Bordeaux, 1720 zu Lyon, 1723 zu Arzieres, 1726 zu Marseille (Mém., 1782–1813, 11 Bde.), 1730 zu Toulouse die A. des Sciences, Inscript. et Belles Lettres (ihre Histoire et Mém. von 1781–89, herausg. 1782–90, 4 Bde.), 1736 zu Rouen, 1740 zu Dijon (Mémoires, 1762–72, 2 Bde., u. Nouveaux mém., 1782–85, 7 Thle.), 1744 zu Montauban, zu Nancy Société Roy. des Sc. et Belles Lettres (ihre Mém. 1754–59, 4 Bde.), u. a. Städten, von denen mehrere auch die Künste einschlossen, wie das Athénée zu Marseille, die A. zu Amiens u. a.; einige von ihnen haben jetzt aufgehört.

III. Spanien. A) in Madrid: a) Die A. Castellana od. La Real A. Española, gestiftet 1714 vom Herzog von Escalona für Vervollkommnung der Sprache u. Beredtsamkeit; 1715 von Philipp V. bestätigt; besteht aus 1 Director, 1 Secretär u. 22 Mitgliedern; ihr Werk ist das große spanische Wörterbuch (s. u. Spanische Sprache); b) La Real A. de la Historia seit 1730; 1738 erhob König Philipp V. dieselbe zur A., die aus 24 Mitgliedern besteht u. außer ihren Memorias, Madr. seit 1796 auch mehrere historische Werke herausgegeben hat; c) Real A. de Scienzias, gestiftet 1848. B) Die A. zu Sevilla, edirte ihre Memorias seit 1780.

IV. Portugal, sämmtlich zu Lissabon. a) Die A. Realdas Sciencias, gestiftet 1779, besteht aus 60, in 3 Sectionen (für Naturwissenschaften, Mathematik u. Nationalliteratur) getheilten Mitgliedern; ihre Memorias erschienen seit 1797; b) die A. Real da Historia, vom König Johann V. 1720 zu Lissabon gestiftet. Die Zahl ihrer Mitglieder war 50, deren jedes einen bestimmten Abschnitt der Landesgeschichte bearbeitete; c) Gesellschaft für die Geographie Portugals, 1799 gegründet.

V. Großbritannien. A) in London; a) Royal Society, 1654 in Oxford gestiftet, 1658 nach London verlegt, vom König Karl II. 1660 zur öffentlichen Anstalt erhoben, seit welchem Jahre ihre Schriften (Philosophical Transactions) bis jetzt erschienen. Sie steht unter 1 Präsidenten, 2 Secretärs u. einem Ausschuß von 20 Mitgliedern, u. hat bes. für Naturwissenschaften, Mathematik u. Astronomie gewirkt. Thomson, History of the Royal Society, Lond. 1812. b) Archæological Institute of Great Britain and Ireland; s. u. Alterthumsvereine; c) Royal Asiatic Society of Great-Britain and Ireland, s. u. Asiatische Gesellschaften; d) Syro-Egyptian Society, s. ebd. B) Die Literarisch Philos. Society in Manchester gab ihre Memoirs 1789–96 in 5 Bdn. heraus, seit 1805 in neuer Folge; C) in Edinburgh, A. seit 1732; D) in Dublin: a) die 1683 gestiftete A. ging wieder ein; ebenso b) die 1774 gegründete Physikalhistor. Gesellschaft; dagegen entstand c) 1782 die Royal Irish Academy, deren Glieder meist aus Universitätslehrern bestanden; sie läßt seit 1787 Transactions, u. seit 1841 Proceedings erscheinen; d) 1856 die Royal Dublin Society, welche ein Journal in Vierteljahrsheften publicirt.

VI. Dänemark. A) in Kopenhagen: a) Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab, 1742 gestiftet, 1743 von König Christian VI. auf Veranlassung des Grafen Joh. Ludw. von Holstein erweitert u. als öffentliches Institut anerkannt; sie zerfällt in eine philosophisch-historische u. eine mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, hat seit 1742 Krivter (seit 1817 Skrifter) u. seit 1823 auch jede Klasse einzeln Afhandlinger herausgegeben; b) Kongelige Nordiske Oldscrift Selskab, s. u. Alterthumsvereine. B) Auf Island: a) Die Unsichtbaren (weil sie ihre Schriften anonym herausgaben), für Landesgeschichte, gestiftet 1760; b) die Videnskabernes Selskab, gestiftet 1779, gab seit 1781 ihre Schriften heraus; 1792 eingegangen, ward sie 1820[238] restaurirt u. verband sich mit der c) 1815 zu Reykjavik gestifteten Islands Stiftisbókasafn, deren Bestimmung ist, durch Herausgabe von Büchern u. durch andere literarische Unternehmungen die isländische Sprache u. Literatur aufrecht zu erhalten. Eine Abtheilung der Gesellschaft ist in Kopenhagen. Seit 1816 hat sie mehrere Schriften herausgegeben.

VII. Königreich Schweden u. Norwegen. A) in Stockholm: Die Vetenskaps Akademien, als Privatverein 1739 zusammengetreten u. vom König Friedrich 1741 zur Kongliga Svenska V. A. erhoben, seit 1799 in 7 Klassen getheilt; es sind immer nur 18 Mitglieder (daher En af de aderton, d. h. Einer von den Achtzehn in Schweden, so v.w. ein Akademiker); der Präsident wird alle 3 Monate gewählt; Schriften seit 1739, in neuer Folge seit 1780. b) Die Kongliga Vitterhets Historie och Antiquitets Akademien, gestiftet 1753, seit 1786 neu organisirt, gibt ihre Handlingar seit 1755, u. in neuer Folge seit 1789 heraus. c) A. für schwedische Sprachen. Kunst, 1789 von Gustav III. nach dem Muster der Pariser u. Berliner A. errichtet; B) in Upsala: A. für Beförderung der Kenntniß der nord. Sprachen u. Alterthümer, 1710 begründet, 1728 bestätigt; ihre Acta seit 1740; C) zu Gothenburg: Kongliga Vetenskaps och Vitterhets Samhället, 1773 gestiftet; D) in Drontheim: Kongelige Norske Videnskabernes Selskab, 1760 gestiftet, wurde 1767 königliches Institut u. gibt ihre Afhandlinger seit 1768 heraus.

VIII. Rußland: At In Petersburg: Zu der A. der Wissenschaften wurde von Peter dem Gr. der Plan gemacht u. von Katharina I. u. II. 1725 ausgeführt u. erweitert. 1783 wurde auch eine A. für die russische Sprache gegründet u. mit der A. der Wissenschaften verbunden. Sie hat 20 ordentliche Mitglieder, 4 außerordentliche u. 3 Adjuncten, außerdem Ehren- u. correspondirende Mitglieder. Die Akademiker sind in die 1. Rangordnung der Beamten aufgenommen worden. Die ordentlichen Mitglieder sind in 3 Klassen: die physische, mathematische u. historische getheilt. Die A. hat für höhere Mathematik u. Ethnographie, bes. für die Kenntniß der, dem russischen Reiche unterworfenen Völker u. deren Sprache viel geleistet. Auf Katharinas Veranlassung ward auch von ihr der Anfang zu dem (nicht vollendeten) sprachvergleichenden Wörterbuche gemacht. Die A. ist sehr reich an allerhand Kunst- u. wissenschaftlichen Schätzen. Schriften: Commentarii, 1725–47; dann Novi comment., 1748–77; später Acta, 1778–82; Nova acta, 1783–95, jetzt Memoires. B) In Helsingfors die Societas Scientiarum Fennica, die seit 1842 Acta Soc. Scient. Fenn. herausgibt. C) Die 1824 in Warschau gestiftete Gesellschaft der Wissenschaften u. Künste gab mehrere Abhandlungen heraus.

IX. In Ungarn. A) Zu Pesth die Ungarische Gelehrte A., 1822 von einer Commission von 22 Ungarn unter Graf Telekys Vorsitze im Plan entworfen, durch Reichstagsbeschluß 1825–27 gegründet u. bes. durch Szechenyis Liberalität ins Leben getreten; B) zu Preßburg die A. der Wissenschaften.

X. Deutschland. Die älteste A. hier ist die Hofschule (Schola palatina) Karls des Gr.; eine Lehranstalt für den Hof, um Latein u. scholastische u. aristotelische Philosophie zu lernen, an welcher Alcuin, Peter von Pisa, Paulus Diaconus u. A. wirkten, die nach Karls Tode wieder einging. Die ersten gelehrten Vereine in Deutschland nach neuerem Styl hatten humanistische Tendenz; so z.B. die von Conrad Celtes 1490 in Ofen gestiftete Donaugesellschaft (1493 nach Wien verlegt u. neu eingerichtet); die von Johann Clemens v. Dalberg, Bischof zu Worms, auf Celtes Veranlassung um dieselbe Zeit in Heidelberg gestiftete Societas literaria Rhenana s. Celtica (vgl. Wiener, De societ. lit. Rhen., Worms 1766); die unter Jac. Wimphelings Leitung gegen das Ende des 15. Jahrh. gestiftete Gelehrte Gesellschaft zu Strasburg (die gegen die Mitte des 16. Jahrh. wieder einging) u. zu Schlettstadt; die zu Basel von Erasmus von Rotterdam gestiftete Gesellschaft; die Baierische Literaturgesellschaft (1510 in Augsburg) u. a. Auch für Vervollkommnung, Ausbildung u. Reinigung der deutschen Sprache bildeten sich mehrere Gesellschaften, s. u. Deutsche Sprache. Eigentliche wissenschaftliche A-n, unter öffentlicher Autorität gestiftet, waren A) die A. Naturae Curiosorum, 1652 in der damaligen freien Reichsstadt Schweinfurt in Franken von ihrem ersten Präsidenten Bausch, nachdem einige Ärzte u. Naturforscher zu einem akademischen Vereine mit dem Wahlspruche nunquam otiosus zusammengetreten waren, gegründet. 1667 ertheilte ihr Leopold I. das kaiserliche Privilegium u. den Namen der Leopoldinischen A.; dem Präsidenten wurden die Vorrechte des Adels, der Titel eines kaiserlichen Geheimenrathes u. die Würde eines Pfalzgrafen beigelegt. Kaiser Karl VII. erweiterte die Privilegien der A. u. gab ihr den Namen der A, Caesarea Leopoldino-Carolina Naturae Curiosorum. Der Präsident wird auf Lebzeiten gewählt, u. außer den Mitgliedern bestehen noch Adjuncten in verschiedenen Gegenden Deutschlands. Der Sitz der A. ist jederzeit an dem Wohnort des Präsidenten, durch Berufung des Präsidenten Nees von Esenbeck 1818 kam dieselbe von Erlangen nach Bonn u. 1830 nach Breslau. 1848 u. 49 wurde durch das Adjunctencollegium der A. ein Plan zur Umgestaltung der A. gemacht, kam aber nicht zur Ausführung. 1851 ging das Präsidium derselben, nach der Amtssuspensirung Nees von Esenbecks, kurze Zeit auf Kiefer u. der Sitz auf Jena über, fiel aber bald wieder an Nees von Esenbeck zurück. Ihre Hauptaufgabe ist die Herausgabe von Arbeiten ihrer Mitglieder, welche erschienen als: Miscel lanea sive Decuriae Ephemeridum Medico-Physicarum A. N. C., 1670–1722, 40 Bde. Acta Pysico-Medica A. N. C., 1728–51,10 Bde., u. von 1756 an Nova acta physico-medica A. N. C. Vgl. Nees von Esenbeck, Vergangenheit u. Zukunft der k. Leop. - Karol. A. der Naturforscher, 1851. B) Die A. operosorum, zu Laibach gestiftet 1693, neu organisirt 1781, u. C) die A. Romano-Sociaca zu Triest, gestiftet 1803, beide für Naturwissenschaften thätig; D) die A. zu Mannheim, vom Kurfürsten Karl Theodor durch Schöpflin 1755 gestiftet, für Geschichte u. Physik, jetzt eingegangen. E) In Preußen. a) In Berlin stiftete König Friedrich I. durch Leibnitz, der auch fortwährend Präsident derselben[239] blieb, 1700 die Societät der Wissenschaften, die jedoch erst 1711 eröffnet wurde; von Friedrich Wilhelm I. ward sie fast aufgelöst, da er die meisten Gehalte der Mitglieder einzog, seine Hofnarren zu Präsidenten machte u. sie nur wegen Fertigung des Kalenders fortbestehen ließ. Friedrich II. eröffnete sie mit neuem Glanze 1744 als Königliche A. der Wissenschaften, unter Vorsitz Maupertuis, u. Friedrich Wilhelm III. gestaltete sie 1812 ganz um. Sie hat 4 Abtheilungen: die physikalische, mathematische, philosophische u. historisch-philologische, deren jede einen lebenslänglichen Secretär an der Spitze hat, von denen einer 1/4 Jahr hindurch in der A. Präsident ist. Die Mitglieder sind ordentliche (die Besoldung beziehen), auswärtige u. Ehren- u. correspondirende. Öffentliche Sitzungen sind an des Königs Geburtstag, dem Tage der neuen Constituirung (24. Januar); Preisvertheilung zu Leibnitzens Geburtstag. Ihre Schriften: Miscellanea berolinensia, 7 Bde., 1710–43; dann Histoire de l'A. royale des sc. et bell. lettr., 1 Bd., Berl. 1750, u. Hist. de l'A. etc. depuis son renouvellement en 1755–69, 25 Bde., Berl. 1746–71; dann Mém. de l'A. des sciences et belles lettres de Berlin pour l'an 1770–87, 12 Bde.; Mém. depuis l'avénement de Fréd. Guillaume II. au trône, 12 Bde., 1788–1804 (die deutschen Abhandlungen daraus bes. in 6 Bdn., 1782–1804, u. die physikalisch-medicinischen, deutsch von I. C. Mümeler, in 4 Bdn., Gotha 1781–86); u. als Folge derselben: Abhandlungen der königlichen Akademie der Wissenschaften aus den Jahren 1804 ff. b) Zu Erfurt die A. der Gemeinnützigen Wissenschaften, 1758 gestiftet, hat sich noch als Überrest der 1378 gegründeten u. 1816 aufgelösten Universität erhalten. c) Zu Görlitz die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, gegründet 1779, gab eine Menge Schriften u. Sammlungen heraus; seit 1846 Neues Lausitzer Magazin u. Script. rerum Lusatic. F) In Göttingen die Societät der Wissenschaften, 1750 gestiftet, 1770 neu organisirt, die sich außer Mathematik u. Naturkunde, noch bes. mit Philologie, Alterthumskunde u. Geschichte beschäftigt; seit 1752 sind ihre Schriften erschienen als Commentationes, später als Novae comment.; seit 1841 gibt sie Gelehrte Anzeigen u. neben denselben seit 1843 Abhandlungen heraus. Vgl. Reuß, Conspectus Societatis reg. scient. Götting., Götting. 1808. G) In München die Königlich Baierische A. der Wissenschaften, 1759 von Maximilian III. Joseph gestiftet, bes. für Forschungen in der vaterländischen Geschichte, erhielt bei der neuen Organisation durch Maximilian IV. Joseph 1805 einen erweiterten wissenschaftlichen Wirkungskreis. Sie zerfällt in 3 Klassen: die philosophischphilologische, die mathematisch-physikalische u. die historische; seit 1763 gibt sie Abhandlungen (seit 1832 jedes Jahr abwechselnd eine der 3 Klassen einen Band), seit 1829 neben denselben Gelehrte Anzeigen u. Bulletins heraus. Klassensitzungen sind monatlich; feierliche öffentliche Sitzungen halbjährlich. Vgl. Westenrieder, Geschichte der Baierischen A. der Wissenschaften, Münch. 1804 ff., 2 Bde. H) In Leipzig: a) die fürstlich Jablonowskysche Gesellschaft der Wissenschaften, gegründet 1768 von dem Fürsten Jos. Alex. Jablonowsky zu Leipzig, doch erst 1774 ins Leben getreten. Sie stellt jährlich Fragen aus der polnischen Geschichte, der politischen Ökonomie u. Physik u. Mathematik; der Preis besteht in einer Medaille im Werth von 24 Ducaten, mit dem Bildniß des Stifters. In Folge des Kriegs war ihre Wirksamkeit von 1811–1828 gehemmt. Nachrichten über sie erschienen seit 1771 als Acta societatis, Jablon., seit 1802 als Nova acta etc. b) Die königlich sächsische Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, am 1. Juli 1846 eröffnet; sie hat zur Aufgabe bes. philologische, historische, mathematische u. naturwissenschaftliche Forschungen u. philosophische Untersuchungen. Die Mitglieder sind theils ordentliche (deren Zahl nicht über 70 steigen soll), theils Ehrenmitglieder, die in zwei Klassen, die philologisch-historische u. mathematischphysische, zerfallen; öffentliche Sitzungen sind jährlich 2; sie stellt Preisaufgaben. Die Verhandlungen der A. werden gedruckt, u. zwar seit 1849 die Berichte beider Klassen gesondert. I) Die Kaiserliche A. der Wissenschaften zu Wien, gegründet den 30. Mai 1846; sie zerfällt in eine mathematisch-naturwissenschaftliche u. eine historisch-philologische Klasse, diese wiederum in Sectionen; die Mitglieder sind 48 ordentliche, ferner Ehren- u. correspondirende Mitglieder; an der Spitze steht ein Präsident u. der Kaiser stellt außerdem einen Curator. Die Akademiker erscheinen in den Versammlungen in schwarzer Uniform, mit sammetnem, goldgesticktem Kragen, mit schwarzem Federhut u. Degen. Jährlich werden Preisfragen aufgegeben u. 1 bis 2 feierliche Sitzungen gehalten. Sie veröffentlicht seit 1848 Sitzungsberichte u. seit 1850 Denkschriften; ferner Fontes rerum Austriacarum u. Monumenta Habsburgica. Kl Die deutsche morgenländische Gesellschaft, s. u. Asiatische Gesellschaften. L) Die Königl. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag gibt seit 1841 die 5. Folge ihrer Abhandlungen heraus.

XI. In Holland ist die älteste A) die A. Lugduno-Batava zu Leyden, gestiftet 18. Juni 1766, gibt ihre Verhandlungen als Annales heraus. B) Die Maatschappen der Wetenschappen zu Harlem ist 1752 gestiftet u. gibt Naturkundige u. Historische en Letterkundige Verhandelingen heraus. C) Das Niederländische Institut der Wissenschaften, Literatur u. schönen Künste zu Amsterdam wurde 1852 aufgehoben u. durch eine A. van Wetenschappen ersetzt, welche die Förderung der philosophischen u. Naturwissenschaften bezweckt u. aus 25 ordentlichen u. 31 außerordentlichen Mitgliedern besteht. D) Die Zeeuwsch Genootschap der Wetenschappen zu Middelburg, 1755 gestiftet, gibt seit 1756 Verhandelingen heraus; seit 1807 in neuer Folge. E) Die Bataafsch Genootschap der proefon der vindelijke Wijsbegeerte zu Rotterdam, 1773 gestiftet, publicirt seit 1774 Verhandelingen; seit 1800 in neuer Folge. F) Die Provinciaal Genootschap van Kunsten en Wetenschapen zu Utrecht, 1780 gestiftet, gibt seit 1781 Verhandelingen heraus; seit 1822 in neuer Folge u. seit 1845 Aanteekeeningen van het Verhandelde.

XII. In Belgien: a) die 1772 von der Kaiserin Maria Theresia gestiftete A. des Sciences et Belles Lettres zu Brüssel, welche in der französischen Revolution aufgelöst ward, wurde 1816 vom König Wilhelm als A. Royale des Sciences,[240] des Lettres et des Beaux-Arts wieder hergestellt u. erfuhr 1845 eine Reorganisation, wobei sie in 3 Klassen getheilt wurde: die der Wissenschaften, der Literatur u. der moralischen u. politischen Wissenschaften. Schriften: Mém., 2. A. 1780–88, 7 Bde.; Nouveaux Mém., 1788 ff.; Bulletins u. Annuaires, 1823 ff.; b) die A. zu Antwerpen (A. Royale des Beaux-Arts d'Anvers), gestiftet durch königliches Decret vom 29. Dec. 1851, besteht aus 25 wirklichen Mitgliedern (wovon 15 Belgier u. 10 Fremde), 45 Aggregirten (20 Belgier u. 25 Ausländer) u. einer unbestimmten Anzahl von Ehrenmitgliedern; die Wahlen geschehen durch die A. selbst, nur die erste Ernennung der wirklichen Mitglieder wurde vom König vollzogen. Jedes wirkliche Mitglied ist verpflichtet, ein Werk für das Antwerpener Museum zu liefern; c) die Société Royale des Sciences zu Lüttich, publicirt seit 1843 Mémoires; d) die Société des Sciences, des Arts et des Lettres du Hainaut, gibt Mémoires u. Publications heraus.

XIII. In der Schweiz. Die All gemeine Schweizerische Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften (Société Helvétique des Sciences Naturelles), 1815 in Genf beschlossen, 1817 gegründet, umfaßt sämmtliche Cantone, hält ihre Jahresversammlungen abwechselnd in den größeren Städten u. publicirt je nach dem Canton der Versammlung u. der verschiedenen Schriftsteller ihre Verhandlungen in deutscher od. französischer Sprache als Denkschriften od. als Actes. Der Sitz des Centralcomites wechselt nach Wahl; die Bibliothek ist beständig in Bern.

XIV. In Griechenland, wo schon bei der Gründung des neuen Königreichs die Stiftung einer A. als Schlußstein der Bildungsanstalten des Volkes beabsichtigt wurde, wird, nachdem 1856 zum Bau eines A-gebäudes ein Capital legirt wurde, an die Stiftung einer A. selbst ernstlich gedacht.

XV. In der Türkei: Die A. der Wissenschaften (Endschümeni Danisch, d.i. Verein des Wissens) zu Constantinopel wurde 1851 gegründet; ihre Aufgabe ist, das Wissen im Allgemeinen (nicht blos, wie es den Türken bisher galt, Poesie u. Stylistik), namentlich durch Abfassung u. Verbreitung nützlicher Bücher, zu fördern. Die Sitzungen werden monatlich gehalten; die Mitglieder sind theils wirkliche, deren nicht über 40 sein dürfen u. welche allein an den Sitzungen Theil nehmen, theils correspondirende, deren Zahl unbegrenzt ist u. unter welche auch Ausländer aufgenommen werden können. Als Belohnungen u. Auszeichnung gewährt die A. Geld, Einzeichnung in ihr Ehrenbuch u. goldene Medaillen.

XVI. Außerhalb Europa gibt es ähnliche Anstalten: A) In Asien: a) zu Calcutta die Asiatic Society, 1784 gestiftet, s. u. Asiatische Gesellschaften; außerdem: Medical and Physical Society, gibt seit 1824 Transactions heraus; Agricultural and Hortic. Society of India; b) zu Bombay Literary Society, ihre Transactions Lond. 1819–23, 3 Bde.; c) zu Madras auch eine Lit. Soc., welche 1828 Transact., u. seit 1834 ein Journal of Lit. and Science herausgibt; d) zu Delh Archæolog. Society seit 1847, zur Sammlung u. Erklärung indischer Denkmäler; e) auch in Malakka, auf Ceylonn. a. O. bestehen solche Gesellschaften; f) zu Batavia: Het Bataviaasche Genootschap van Konstenen Wetenshappen, 1778 von den Holländern gegründet; gibt seit 1780 ihre, bes. für die Kenntniß der südasiatischen Inseln wichtigen Verhandelungen heraus; g) zu Jerusalem die Literary Society, 1850 gestiftet von Engländern zur Erforschung des Heiligen Landes; h) zu Beirut eine Society of Sciences, 1847 von Thomson, Missionär aus Amerika, gestiftet, meist aus Einheimischen bestehend. B) In Amerika: a) die American Philosophical Society zu Philadelphia, die älteste in NAmerika, am 2. Jan. 1769 durch Franklin gestiftet, hat eine Bibliothek von mehr als 2000 Bänden, Medaillen- u. Münzcabinet u. dgl.; gibt Proceedings heraus; b) die American A. of Arts and Sciences zu Boston gibt Memoirs u. Proceedings heraus, ist 1780 gegründet u. hat eine Bibliothek von 9000 Bänden; in Boston noch seit 1842 die American Oriental Society, s. u. Asiatische Gesellschaften; c) die zu New-Haven seit 1799; d) zu New-York seit 1815; e) das Columbia Institute zu Washington, unter Vorsitz des Präsidenten der Vereinigten Staaten, ist 1821 gegründet; f) die Amer. Association for the Advancement of Sciences umfaßt einen großen Theil der Gelehrten der New England-Staaten, hält ihre jährlichen Meetings in verschiedenen Städten u. publicirt Proceedings. Die meisten der nordamerikanischen A-n sind auch zugleich Lehranstalten; g) die Smithsonian Institution zu Washington, 1847 gestiftet, gibt Contributions to Knowledge heraus, u. ist zugleich die Vermittlerin des gesammten wissenschaftlichen Verkehrs zwischen den Vereinigten Staaten u. Europa, wozu sie in Leipzig, Paris u. London stetige Agents hält. (Das Nähere s. u. dem eignen Artikel.) C) In Australien: a) die Philosophical Society of Victoria zu Melbourne; b) die Royal Society of Tasmania zu Hobarton, 1848 gestiftet, gibt Transactions heraus. 6) Da bei solchen A-n auch zuweilen Lehranstalten sind, so versteht man unter A. auch eine, zum Studium einer einzelnen Wissenschaft bestimmte Lehranstalt, daher Forst-A., Militär-A., Berg-A. (s.d. a.), orientalische A. (wie die 1753 gegründete zu Wien); auch für einzelne Stände bestimmte Lehranstalten heißen A-n, wie Ritter-A.; daher auch 7) so v.w. Universität; 8) Lehranstalten für irgend eine Kunst, so Theater-A., Maler-A., Bildhauer-A., Bau-A. (s.d. a.); höhere Lehranstalten für Musik heißen Conservatorien (s.d.). 9) Auch nennen sich Gesellschaften, die große Kunstwerke zur Aufführung bringen, A-n, so musikalische A-n, u. man. bezeichnet sogar 10) große musikalische u. a. Aufführungen mit dem Namen A-n, ja selbst 11) Kunstreiter, Luftspringer u. Taschenspieler etc. nennen ihre Productionen A., so A. der Reitkunst, akrobatische A. etc. 12) Nach einem, in Nachahmung der A. der Alten (A. der Geheimnisse), von dem neapolitanischen Edelmann Joh. Batt. della Porta im Anfange des 16. Jahrh. gestifteten Verein zur Unterweisung in Physik, Kabbalistik u. Alchemie, geheime Gesellschaften mit freimaurerischer Tendenz, so a) A. des Secrets, 1763 in Warschau von Thoux de Salvesta,[241] polnischem Obersten, Mttglied der höheren Grade von der stricten Observanz u. Freimaurer, gestiftet; b) A. od. Société des Illuminés d'Avignon, von Dom Pernetti, einem Benedictinermönche (geb. 1716, gest. 1800), Mystiker, Gold- u. Arcanensucher, zur Erreichung dieser Zwecke gestiftet; sie hatte, außer den 3 Johannisgraden, nur einen höheren, auf die Lehren der Martinisten u. Swedenborgianer gegründeten Grad, der wahre Maurer genannt. c) A. der wahren Maurer, ein hermetisches System, in Montpellier 1778 gegründet u. in 2 Klassen u. 9 Grade eingetheilt; 1. Klasse: Lehrling, Gesell, Meister der St. Joh. Maurerei; 2. Klasse: wahrer Maurer, wahrer Maurer auf dem rechten Wege, Ritter vom goldenen Schlüssel, Ritter der Iris, Argonautenritter u. Ritter vom goldenen Vließ. d) A. des Sublimes Ma îtres del'Anneau Lumineux, eine höhere Erkenntnißstufe in einigen französischen Logen, bes. des philosophisch-schottischen Systems, wo sie den 8. Grad ausmacht, gestiftet 1780 vom Bruder Graut, Baron de Blairfindy, in 3 Graden vertheilt, in denen man sich ausschließlich mit dem Wissenschaftlichen der Maurerei beschäftigt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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